Verkehrsunfallstatistik  Weniger Unfälle aber mehr Tote im Altkreis Norden

| | 29.04.2025 08:32 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Jeder Unfall, der im Altkreis Norden passiert, wird in der Verkehrsunfallstatistik gezählt. Foto: Rebecca Kresse
Jeder Unfall, der im Altkreis Norden passiert, wird in der Verkehrsunfallstatistik gezählt. Foto: Rebecca Kresse
Artikel teilen:

Die Polizei Norden hat am Montag die jährliche Verkehrsunfallstatistik vorgestellt. Die Zahl der Unfälle insgesamt ist gesunken. Trotzdem macht eine Sache der Polizei große Sorgen.

Norden - Insgesamt hat es im Jahr 2024 im Altkreis Norden 1286 Verkehrsunfälle gegeben. Das sind 21 Unfälle weniger als im Vorjahr. Diese und weitere Zahlen präsentierte die Polizei Norden am Montag, 28. April, bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik 2024.

Zwar ist die Zahl der Unfälle gesunken, die Zahl der Unfälle mit Personenschäden ist aber gestiegen – um 27 auf insgesamt 451 Unfälle, bei denen Personen zu schaden kamen. 77 Menschen davon wurden schwer verletzt. Das sind Unfallopfer, die nach einem Unfall mindestens 24 Stunden lang im Krankenhaus bleiben. 370 Menschen wurden leicht verletzt. Darunter fällt in der Polizeistatistik alle Unfallfolgen, die nicht im Krankenhaus behandelt werden – von der Schramme bis zum Kopfschmerz oder Unwohlsein.

Sechs Unfalltote im vergangenen Jahr

Die Zahl der Unfälle mit Todesfällen ist von fünf (in 2023) auf sechs (in 2024) gestiegen.

Die meisten Leichtverletzten gab es im vergangenen Jahr bei der Altersgruppe der ab 65-Jährigen (78 Fälle) und bei den jungen Fahrern zwischen 18 und 24 Jahren (70 Fälle). Bei den Kindern und Jugendlichen von 0 bis 17 Jahren sank die Zahl der Leichtverletzten um zwanzig Fälle auf 47 Fälle.

Auch bei den Schwerverletzten ist die Gruppe der Erwachsenen ab 65 Jahren am häufigsten betroffen. Insgesamt 28 Menschen dieser Altersgruppe wurden im Jahr 2024 bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt. Im Vergleich waren deutlich weniger junge Fahrer betroffen (acht) sowie Kinder und Jugendliche (sieben). Das führt Polizeioberkommissarin Christiane Büchner, die unter anderem für die Präventionsarbeit an den Schulen zuständig ist, auch auf die intensive Arbeit in den Schulen zurück.

Jeder vierte Unfall ist eine Unfallflucht

Was die Polizei verärgert ist die Tatsache, die hohe Zahl der Unfallfluchten. Laut Statistik gab es im vergangenen Jahr mehr als eine Unfallfallflucht pro Tag – oder anders: Jeder vierte Unfall, den die Polizei aufnimmt, ist eine Unfallflucht. Dabei handelt es sich häufig um sogenannte Bagatellschäden oder klassische Parkplatzunfälle. Immerhin konnte die Polizei zehn von 24 Unfallfluchten mit Personenschäden aufklären. Das sind knapp 42 Prozent.

Etwas, was der Polizei immer mehr Sorgen macht, ist die Zunahme der von Fahrten unter Alkohol- Drogeneinfluss. 119 Mal entdeckte die Polizei Fahrer, die Alkohol getrunken hatten. Dabei handelt es sich laut Polizei um „reine Zufallsfunde“. Das waren 22 mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Vergleich dazu hat sich die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss von 41 auf 23 fast halbiert.

Fast 200 Fahrten unter Drogeneinfluss

Noch höher lag die Zahl der Fahrten unter Drogeneinfluss. Im Jahr 2024 stellten die Beamten des PK Norden insgesamt 199 Fahrten unter Drogeneinfluss fest – 96 mehr als 2023. Die Zahl der Unfälle unter Drogeneinfluss nahm hingegen von fünf auf vier leicht ab.

Laut Polizei hat die Freigabe des Cannabiskonsums deutlich dazu beigetragen, dass mehr Menschen unter Drogeneinfluss im Straßenverkehr unterwegs sind. Laut Polizeikommissar Patrick Fehn unterschätzen viele Konsumenten zudem, wie langsam der Wirkstoff THC im Blut abgebaut wird. „Wer am Samstagabend einen Joint raucht, kann durchaus am Montagmorgen bei einer Verkehrskontrolle noch eine nachweisbare Menge im Blut haben“, sagte Fehn. Außerdem könnten Konsumenten nicht einschätzen, wie viel THC sie im Blut haben, ob sie also unter dem im Straßenverkehr erlaubten Grenzwert von 3,5 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) liegen. Bei Kontrollen seit der Cannabis-Freigabe am 1. April 2024 bis zum 31. Januar 2025 lagen 50 Konsumenten bei einem Wert von 3,5 bis 20 ng/ml beziehungsweise darüber. Lediglich in 30 Fällen lagen die Konsumenten unter dem Grenzwert.

80 Prozent mehr Schwerverletzte

Besondere Sorgen macht der Polizei die Gruppe der Fahrradfahrer. Insgesamt verzeichnete die Polizei im Altkreis Norden im vergangenen Jahr 177 verletzte Radler. Das sind 36 Prozent mehr als im Vorjahr. 98 der 177 Verletzten waren Radfahrer (plus 31 Prozent). 73 davon waren leicht verletzt (plus 17 Prozent), 15 Prozent schwer verletzt – eine Zunahme im 92 Prozent.

Auch bei den Pedelecfahrern hat die Zahl der Schwerverletzten zugenommen: Von insgesamt 79 verletzten Pedelecfahrern (plus 44 Prozent) waren 57 leicht verletzt (plus 33 Prozent) und 20 schwer verletzt (plus 67 Prozent). Zwei Menschen wurden tödlich verletzt.

Viele schwere Unfallfolgen wären laut dem Norder Polizeichef Ingo Brickwedde mit einem Fahrradhelm zu verhindern. Er spricht sich daher klar für eine einheitliche Helmpflicht aus, wie er sagte.

Um die Unfallzahlen in diesem Jahr möglichst weiter zu senken, nimmt die Polizei als Schwerpunktthemen die Bereiche Verkehrstüchtigkeit, Geschwindigkeit, Radverkehr und Kinder in den Blick.

Ähnliche Artikel