Demo in der Innenstadt  Tierschützer trommeln in Aurich gegen Rindertransporte

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 26.04.2025 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Mit Transparenten und Trommeln ziehen die Demonstranten durch die Innenstadt. Fotos: Marion Luppen
Mit Transparenten und Trommeln ziehen die Demonstranten durch die Innenstadt. Fotos: Marion Luppen
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Erneut sind in Aurich rund 150 Menschen gegen Rindertransporte auf die Straße gegangen. Diejenigen, gegen die sich der Protest richtete, ließen sich nicht blicken.

Aurich - Rund 150 Menschen haben am Sonnabend, 26. April 2025, in Aurich gegen Rindertransporte demonstriert. Sie zogen vom Rathaus aus mit Transparenten und Trillerpfeifen durch die Innenstadt und stimmten einen schon aus den Vorjahren bekannten Appell an: „Auuu-rich, aufgewacht! Stoppt das Morden in der Nachbarschaft!“ Auf der Ostertorkreuzung machten sie halt und legten eine Schweigeminute ein. Die Polizei begleitete den Demonstrationszug. Vereinzelt kam es zu Verkehrsbehinderungen, doch alles blieb friedlich.

Mit diesem Transparent wird der Demonstrationszug angeführt.
Mit diesem Transparent wird der Demonstrationszug angeführt.
Auf der Ostertorkreuzung wird für eine Schweigeminute haltgemacht.
Auf der Ostertorkreuzung wird für eine Schweigeminute haltgemacht.

Aurich gilt als Drehscheibe für Exporte lebender Rinder in sogenannte Risikoländer außerhalb Europas. Tierschützer sind überzeugt, dass Zuchtrinder in Ländern wie Marokko oder Ägypten früher oder später ohne Betäubung geschlachtet werden. Unterwegs drohten ihnen große Qualen, heißt es. „Wir geben den Tieren eine Stimme“, sagte Mitorganisator Diedrich Kleen (Wiesmoor).

„Es ist extremes Tierleid“

Ina Müller-Arnke von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ schilderte zu Beginn der Demo mit drastischen Worten den Todeskampf, der Rindern in Exportländern drohe. Die trächtigen Tiere kämen völlig entkräftet am Ziel an, müssten dort ihr Kalb zur Welt bringen und schnell Milch geben. Mangels Kraftfutter und Wasser lasse die Milchleistung jedoch schnell nach. Dann würden sie ohne Betäubung geschlachtet. Den Rindern werde mit oftmals stumpfen Messern die Kehle durchgeschnitten. Lebendtiertransporte müssten endlich verboten werden, forderte Müller-Arnke. „Es ist extremes Tierleid.“

Die Demonstranten passieren das Pingelhus.
Die Demonstranten passieren das Pingelhus.
Die Kritik richtet sich gegen Tiertransporte.
Die Kritik richtet sich gegen Tiertransporte.

Kritik üben die Tierschützer am Verein Ostfriesischer Stammviehzüchter (VOST), der die Transporte von Aurich aus organisiert, an der Auricher Kreisverwaltung, die die Transporte genehmigt, und an der Politik, die das nicht verhindert.

Milchkonsum als Wurzel des Übels?

Zu der Demo hatten wie im Vorjahr die Vereinigungen „Ostfriesen gegen Tierleid“ und „mensch fair tier“ sowie der Tierrechtsaktivist Peter Hübner („Metzger gegen Tiermord“) aufgerufen. Auch die Tierrechtsorganisation Peta war am Start und rief mit Flyern zu einer veganen, also rein pflanzlichen Ernährung auf. Milch sei ein Tierqualprodukt, hieß es. Auch Mitorganisator Kleen sagte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass der Milchkonsum die eigentliche Wurzel des Übels sei. Dadurch entstehe ein Kälberüberschuss, der Landwirte zu Exporten in Risikoländer bewege.

Es geht auch durch die Fußgängerzone.
Es geht auch durch die Fußgängerzone.
Die Gruppe „Drums over Knives“ unterstützt die Demonstration.
Die Gruppe „Drums over Knives“ unterstützt die Demonstration.

Begleitet wurde der Demonstrationszug von dem Trommlerkollektiv „Drums over Knives“ (sinngemäß: „Lieber Trommeln als Messer“) aus Berlin, das bundesweit auf Demos und Protestmärschen für Tierrechte aktiv ist. Kleen sprach von einer großen Ehre. Das rhythmische Trommeln erregte große Aufmerksamkeit bei Passanten, vor allem in der Fußgängerzone. Von Weitem mag mancher spontan an einen Samba-Umzug gedacht haben.

Freundliche Absage vom Landrat

Zu der anschließenden Podiumsdiskussion auf dem Bürgermeister-Hippen-Platz beim Rathaus hatten die Veranstalter auch den VOST eingeladen. Der habe „wie üblich“ nicht reagiert, teilte Kleen mit. Der Auricher Landrat Olaf Meinen (parteilos) habe wenigstens eine freundliche Absage geschickt.

Fleischesser kommen hier nicht gut an.
Fleischesser kommen hier nicht gut an.
Die Aktiven Tierfreunde Norden kritisieren den Landrat.
Die Aktiven Tierfreunde Norden kritisieren den Landrat.

Der VOST hat die Kritik der Tierschützer wiederholt zurückgewiesen. Dr. Cord-Hinnerk Thies ist Geschäftsführer der Zucht- und Absatzgenossenschaft mit Sitz in Leer, der rund 1400 familiengeführte Betriebe angehören. Die Branche selbst habe sich hohe Standards für den Transport und dessen lückenlose Dokumentation auferlegt, hat Thies immer wieder betont. Sie habe ein eigenes Interesse daran, dass Tiere gesund und wohlbehalten am Ziel ankommen.

Schwere Vorwürfe gegen Tierärzte

Auch der Landkreis Aurich sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Der Landkreis sei gesetzlich verpflichtet, Tiertransporte zu genehmigen, sofern alle tierschutzrechtlichen Voraussetzungen erfüllt seien, hat Landrat Meinen mehrfach betont.

Auch Trillerpfeifen gehören zur Ausstattung der Demonstranten.
Auch Trillerpfeifen gehören zur Ausstattung der Demonstranten.

Das sieht Dr. Kirsten Tönnies von den „Tierärzten für verantwortbare Landwirtschaft“ anders. Tönnies, von Beruf Tierärztin, ließ in der Podiumsdiskussion kein gutes Haar an ihren Kolleginnen und Kollegen im Veterinäramt des Landkreises Aurich. Diese hätten „anscheinend kein Gewissen“, sagte sie. „Wenn wir diese Luschen nicht hätten, müssten die Tiere viel weniger leiden.“

So viele Teilnehmer wie 2024

Der Podiumsdiskussion folgten längst nicht alle, die zuvor durch die Innenstadt gezogen waren. Einige nutzten die Gelegenheit und kehrten bei strahlendem Sonnenschein in die umliegenden Straßencafés ein. Hungern mussten aber auch diejenigen, die dageblieben waren, nicht. Mitorganisator Peter Hübner, der als Influencer unter dem Namen „Vegan Pete“ auftritt, verköstigte sie mit veganen Gerichten.

Über den Fischteichweg geht es zurück zum Rathaus.
Über den Fischteichweg geht es zurück zum Rathaus.

Mit rund 150 Teilnehmern war die Resonanz in etwa so groß wie im vergangenen Jahr. Die Demo fand in Aurich zum vierten Mal statt. Bei der ersten Auflage 2022 waren 350 Menschen auf die Straße gegangen, beim zweiten Mal rund 200. Mitorganisator Kleen hat wiederholt angekündigt: „Wir werden so lange jedes Jahr in Aurich auf die Straße gehen, bis sich endlich was ändert.“ Geändert habe sich seit der ersten Auflage der Demo nichts Wesentliches, sagte Manfred Hagemann (Ostfriesen gegen Tierleid). Versuche des Landes, Exporte in Drittstaaten zu verbieten, seien ins Leere gelaufen.

„Das hat man auch in Schirum gehört“

Zwei Dinge waren diesmal anders als in den Vorjahren: erstens die Route. Wegen des Ostermarktes konnten die Demonstranten nicht von der Sparkassen-Arena aus starten. Außerdem gab es diesmal keinen zweiten Part der Kundgebung.

Wer Tiere schützen will, sollte sie nicht essen, meinen die Tierschützer.
Wer Tiere schützen will, sollte sie nicht essen, meinen die Tierschützer.

Sonst hatte ein Teil der Tierschützer sich jeweils am Nachmittag rund vier Kilometer weiter südlich vor dem VOST-Gelände an der B 72 in Schirum getroffen und eine Menschenkette gebildet. Im dortigen Viehvermarktungszentrum werden Rinder auf den Transport vorbereitet. Die Resonanz darauf war jedoch deutlich verhaltener als diejenige auf die Hauptdemo. Die Demonstranten in der Innenstadt hätten diesmal so viel Lärm gemacht, schwärmte Kleen: „Ich bin ganz, ganz sicher: Das hat man auch in Schirum gehört.“

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