Osnabrück Harvard gegen Donald Trump: Warum der Kampf der Elite-Universität auch unserer Freiheit gilt
Donald Trump nimmt die Universitäten ins Visier. Mit Dekreten kämpft er gegen die in seinen Augen „linken“ Hochburgen. Jetzt widersetzt sich Harvard diesen Angriffen. Dabei geht es nicht nur um die akademische Freiheit.
Ganz Amerika knickt ein vor Donald Trump. Ganz Amerika? Eine Universität leistet Widerstand, klar, unbeirrt, heldenhaft. Eine Hochschule trotzt der dreisten Ansage des Imperators im Weißen Haus. Der fordert Unterwerfung. Politisches Diktat gegen Gedankenfreiheit: Das ist der Konflikt.
Harvard: Ein Name, ein Nimbus, weit über die Welt der Wissenschaften hinaus. Jetzt strahlt das Licht dieser Universität der Universitäten noch heller. Weil ihr Präsident Alan Garber etwas sagt, was kein Autokrat gern hört – dass es grundsätzliche Freiheitswerte gibt, die nicht zur Disposition stehen.
Wer Donald Trump und seinen Gefolgsleuten im Weg steht, riskiert die Existenz. Tausende Mitarbeiter sind bereits aus Ministerien entlassen, Generalstäbe dezimiert, Migranten verhaftet, Budgets gekürzt. Trump nimmt alles ins Visier, was ihm nicht passt. Seit Wochen im Fokus: die Universitäten. „Harvard ist ein Witz“: So kindisch und zugleich gefährlich klingt die Diffamierung, wenn sie aus Trumps Mund kommt.
Worum geht es? Die Freiheit der Wissenschaft steht zur Disposition, ausgerechnet in den USA, der Supermacht der Wissenschaft, die mit der schieren Zahl ihrer Nobelpreisträger und Spitzen-Universitäten unerreicht dasteht. Wissenschaftliche Erkenntnisse, technischer Fortschritt, materieller Wohlstand, ideelle Kraft: Diese Kette der kulturellen Kraftübertragung schien niemand aufsprengen zu können. Trump setzt nun dazu an, das Gegenteil zu beweisen.
Wissenschaft setzt den klaren Blick ebenso voraus wie den freien Diskurs. Wo es um Forschung und Erkenntnis geht, hat Ideologie nichts verloren. Donald Trumps Republikaner aber haben die Jagd eröffnet, die Jagd auf alles, was angeblich links und – in ihren Augen noch viel schlimmer – als woke zu gelten hat. Schimpfwörter ersetzen Argumente, befeuern den Kreuzzug der Ultrakonservativen gegen die Wissenschaft.
Donald Trump will die Universitäten politisch auf Linie bringen. Dafür droht er mit dem Entzug öffentlicher Gelder. Besonders perfide: Hochschulen sollen Spenden aus dem Ausland offenlegen. Andernfalls gelten sie als Risiko für die nationale Sicherheit. Man kennt die Argumentationsstruktur aus Waldimir Putins Russland, wo in gleicher Weise gegen Einrichtungen der Zivilgesellschaft vorgegangen wird.
Was steht damit zur Disposition? Die freie Gesellschaft, in der sich Akteure offen artikulieren, unabhängige Institutionen ungehindert arbeiten können. Zur Disposition steht das Fundament der pluralen Gesellschaften des Westens: jene Durchbrüche in komplexem Denken und sozialer Selbstorganisation, die der Aufklärung zu danken sind. Rechtspopulisten hingegen, Donald Trump an ihrer Spitze, weisen einen anderen Weg: Er führt in eine neue Dunkelheit.
Nur das lichte Leben ist das schöne Leben. Deshalb stehe ich im Geist Alan Garber bei. Die Unabhängigkeit seiner Universität stehe nicht zur Verhandlung, schrieb der Harvard-Präsident an Donald Trump. Die Hochschule hat Klage eingereicht, Universitäten artikulieren den Protest. Endlich. Sie kämpfen auch für unsere Freiheit. Denn was wäre, wenn in Europa Populisten die Regierungen übernähmen? An Trumps Amerika ist das bittere Resultat nun zu besichtigen – auch da, wo die Freiheit der Forschung auf dem Spiel steht.