Demo in Aurich  Tierschützer – „Stoppt das Morden!“

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 22.04.2025 16:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Mai 2024 beteiligten sich rund 150 Menschen an der Demo in Aurich. Foto: Marion Luppen/Archiv
Im Mai 2024 beteiligten sich rund 150 Menschen an der Demo in Aurich. Foto: Marion Luppen/Archiv
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Aurich gilt als Drehscheibe für umstrittene Rindertransporte in Risikoländer. Für Sonnabend rufen Tierschützer zu einer Demo auf. Nicht zum ersten Mal.

Aurich - Zum vierten Mal gehen an diesem Sonnabend, 26. April 2025, in Aurich Tierschützer auf die Straße, um gegen Rindertransporte zu demonstrieren. Die Kreisstadt gilt als Drehscheibe für Transporte lebender Tiere in sogenannte Risikoländer außerhalb Europas. Tierschützer sind überzeugt, dass Zuchtrinder in Ländern wie Marokko oder Ägypten früher oder später ohne Betäubung geschlachtet werden. Unterwegs drohten ihnen große Qualen, heißt es.

Die Vereinigungen „Ostfriesen gegen Tierleid“ und „mensch fair tier“ sowie der Tierrechtsaktivist Peter Hübner („Metzger gegen Tiermord“) haben erneut gemeinsam zu der Demo aufgerufen. Im vergangenen Jahr waren rund 150 Menschen dem Aufruf gefolgt. Sie machten sich von der Sparkassen-Arena aus mit Transparenten, Trillerpfeifen und Megafonen auf den Weg durch die Innenstadt und skandierten dabei Sprüche wie „Aurich, aufgewacht! Stoppt das Morden in der Nachbarschaft!“

Milchkonsum in der Kritik

An der ersten Auflage der Demo im April 2022 hatten rund 350 Menschen teilgenommen, an der zweiten im Jahr darauf rund 200. Die Tendenz ist also sinkend. Mitorganisator Diedrich Kleen (Wiesmoor) wird dennoch nicht müde zu betonen: „Wir werden so lange jedes Jahr in Aurich auf die Straße gehen, bis sich endlich was ändert.“ Man wolle alle Menschen darüber aufklären, welches Leid mit den Rindertransporten verbunden sei. Die Tierschützer wenden sich auch direkt an die Verbraucher: Wer Milchprodukte kaufe, trage zum Tierleid bei, behaupten sie.

Kritik üben die Tierschützer aber vor allem am Verein Ostfriesischer Stammviehzüchter (VOST), der die Transporte von Aurich aus organisiert, an der Auricher Kreisverwaltung, die die Transporte genehmigt, und an der Politik, die das nicht verhindert. Allein im Jahr 2024 seien von Aurich aus 244 Tiertransporte genehmigt und durchgeführt worden, schreibt Kleen in einer Pressemitteilung. Diese Zahl hat Landkreis-Pressesprecher Rainer Müller-Gummels auf Anfrage bestätigt. Dabei handele es sich zum allergrößten Teil um Transporte innerhalb der EU – nach Belgien, Italien, in die Niederlande und nach Griechenland, so Müller-Gummels.

Exportverbote lassen sich leicht umgehen

Die Transporte endeten zwar häufig in EU-Ländern, räumt Kleen ein. Von dort aus würden sie jedoch neu zusammengestellt, um das eigentliche Zielland anzusteuern, zum Beispiel Marokko oder den Irak. In der Tat lassen sich Exportverbote in Risikoländer leicht umgehen. Wenn beispielsweise von Aurich aus ein Transport nach Belgien geht und die Tiere dort mindestens 48 Stunden untergebracht werden, gilt der Transport als beendet. Alles Weitere haben die niedersächsischen Behörden nicht mehr in der Hand, wie das Agrarministerium Ende 2023 auf Anfrage der Redaktion bestätigte.

Start und Ziel der Demo am Sonnabend ist diesmal der Bürgermeister-Hippen-Platz am Rathaus. Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr mit einigen Redebeiträgen. Gegen 11.10 Uhr setzt sich der Demonstrationszug durch die Innenstadt in Bewegung. Die Route führt über den Georgswall und die Julianenburger Straße durch die Fußgängerzone, am Busbahnhof vorbei Richtung Ostertorkreuzung, wo eine Schweigeminute eingelegt wird, und von dort über den Fischteichweg zurück zum Rathaus.

Landkreis Aurich weist die Kritik der Tierschützer zurück

Auf dem Bürgermeister-Hippen-Platz sind ab 12.15 Uhr Musik- und Redebeiträge geplant. Um 13 Uhr beginnt eine Podiumsdiskussion, unter anderem mit Dieter Ruhnke, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes Niedersachsen, und der Landestierschutzbeauftragten Dr. Julia Pfeiffer-Schlichting. Auch der VOST ist eingeladen. Jener habe aber bislang nicht reagiert, so Kleen.

Der VOST hält die Kritik der Tierschützer für ungerechtfertigt. Dr. Cord-Hinnerk Thies ist Geschäftsführer der Zucht- und Absatzgenossenschaft mit Sitz in Leer, der rund 1400 familiengeführte Betriebe angehören. Die Branche selbst habe sich hohe Standards für den Transport und dessen lückenlose Dokumentation auferlegt, hat Thies immer wieder betont. Sie habe ein eigenes Interesse daran, dass Tiere gesund und wohlbehalten am Ziel ankommen.

Auch der Landkreis Aurich sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Landrat Olaf Meinen (parteilos) hat die Kritik wiederholt zurückgewiesen. Der Landkreis sei gesetzlich verpflichtet, Tiertransporte zu genehmigen, sofern alle tierschutzrechtlichen Voraussetzungen erfüllt seien.

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