Osnabrück Wenn Ärzte pfuschen – Patienten haben mehr politischen Rückhalt verdient
Immer noch müssen Tausende Menschen Jahr für Jahr unter den Folgen falscher oder fehlerhafter medizinischer Behandlung leiden. Dagegen kann und muss die Politik mehr tun.
Erkrankten Menschen gelten die „Götter in Weiß“ oft als unfehlbar; dabei können Medizinern im Arbeitsalltag genauso Fehler unterlaufen wie ihren Patienten – nur wahrhaben wollen es die Ärzte oftmals ebenso wenig wie deren Haftpflichtversicherungen.
Für Menschen, die von einer verkehrten Medikamentengabe oder falschen Schnitten bei Operationen betroffen sind – immerhin mehrere Tausend jährlich; das ist keine Bagatelle – ist das mehr als ein Ärgernis. Sie bezahlen ärztliche Unachtsamkeit oder Fehldiagnosen oftmals mit körperlichem Leid und jahrelangem Rechtsstreit.
Trotz unabhängiger und eindeutiger Gutachten setzen Versicherungen offensichtlich allzu oft darauf, dass die Betroffenen irgendwann entnervt aufgeben. So darf es nicht weitergehen.
Deshalb kommt der Vorschlag der Deutschen Stiftung Patientenschutz nach einem Härtefallfonds, der Opfer medizinischer Behandlungsfehler entschädigt, gerade recht; in ihn sollen Ärzte, Kliniken und Krankenkassen einzahlen. Die Idee ist zwar nicht neu, ihre politische Umsetzung aber überfällig.
Die abgewählte Ampel-Koalition hat entsprechende Versprechen für mehr Patientenschutz nicht eingehalten. Die neue Bundesregierung sollte den Faden dringend aufnehmen, einschließlich einer Meldepflicht für Behandlungsfehler von allen medizinischen Einrichtungen. Denn aktuell werden Fehler nur erfasst, wenn Patienten sie melden. So mancher Pfusch bleibt so wohl unentdeckt.
Auch ist die juristische Schwelle in der Beweisführung für die betroffenen Patienten hoch. Sie müssen einen lückenlosen Nachweis für den Zusammenhang zwischen Fehler und Schaden erbringen, um Entschädigungsansprüche durchsetzen zu können. In der Praxis ist das oft nahezu unmöglich.
So ist nicht nur die Politik gefordert, auch die Ärzte sind in der Pflicht. Es wird Zeit, dass sich die Medizin hierzulande einer positiven Fehlerkultur verschreibt. „Götter in Weiß“ sind auch nur Menschen. Allein wer Missgeschicke eingesteht und thematisiert, kann Kontrolle und Prävention verbessern. Leider sieht die Realität in vielen Kliniken und Praxen noch anders aus.