Eckernförde/ München Rätselhafter Vermisstenfall bei „Aktenzeichen XY“: Ermittler richten sich an Ostsee-Urlauber
Die Staatsanwaltschaft Kiel präsentierte in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ den Fall der zweifachen Mutter aus der kleinen Gemeinde Noer, die seit dreieinhalb Wochen vermisst wird. Ermittler wollen so auch Touristen ansprechen und bitten um Hinweise.
Immer wieder sieht man Staatsanwältin Hanna Schmücker-Borgwardt und Polizeisprecherin Stephanie Lage im Hintergrund mit potenziellen Hinweisgebern telefonieren. Die beiden waren zu Gast bei der ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“, um den Fall der vermissten Frau aus Noer (Kreis Rendsburg-Eckernförde) vorzustellen. Denn bisherige Suchaktionen rund um Eckernförde blieben erfolglos. Die Beamten gingen nun den nächsten Schritt und stellten den Fall gemeinsam mit Moderator Rudi Cerne im Fernsehen vor.
Mehr als ein Dutzend Hinweise gingen bei der Polizei daraufhin ein, teilte Pressesprecherin Stephanie Lage mit. Doch es seien keine Hinweise dabei gewesen, weshalb die Polizei sofort tätig werden musste. „Wir werten es jetzt aus“, erklärte Stephanie Lage.
Millionen Zuschauer sahen am Mittwochabend, 16. April, die Sendung, in der gleich zwei Fälle aus der Region Kiel gezeigt wurden. Es war der Fall aus Schwentinental, bei dem ein Mann nach einem Clubbesuch im Atrium zusammengeschlagen wurde, und es war der Fall aus Noer.
Seit dem 21. März wird die zweifache Mutter aus Noer vermisst. „Wir haben keine objektiven Anhaltspunkte dafür, dass sie nach ihrem Verschwinden noch gelebt haben könnte“, sagte die Staatsanwältin in der Sendung. Die Beamten gehen von einem Verbrechen aus. „Wir halten es für sehr unwahrscheinlich, dass sie freiwillig ihr soziales Umfeld verlassen hat. Insbesondere, weil sie Mutter einer kleinen Tochter ist, um die sie sich liebevoll gekümmert haben soll.“
In der Woche nach ihrem Verschwinden wurde die 43-Jährige als vermisst gemeldet. Seitdem fehlt jede Spur. Die Polizei hat allerdings Hinweise, dass sich ihr Handy, ein Samsung Galaxy A 53, im Bereich des Windebyer Noores befinden könnte. Die Polizei suchte das Gebiet bereits mehrfach mit über 100 Einsatzkräften sowie Feuerwehr und THW ab. Bilder von den Suchen wurden in der Sendung gezeigt. Doch sie waren alle erfolglos. Am Vormittag vor der Sendung durchkämmte die Polizei auch noch das Militärgelände „Christianshöh“ bei Windeby an der B76. Doch auch das musste erfolglos beendet werden.
Von der Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ verspricht sich die Staatsanwaltschaft, dass nicht nur Menschen aus der Region auf den Fall hingewiesen werden, sondern auch Urlauber, die etwas zum Verschwinden der Frau sagen können. Von Bedeutung sei das Wochenende vor der Zeitumstellung, seit dem die 43-Jährige verschwunden ist, erklärte Hanna Schmücker-Borgwardt. Wichtig sind für die Ermittler das Handy und der dunkle Mercedes Sprinter mit Kieler Kennzeichen. Die Beamten gehen davon aus, dass die Vermisste damit transportiert worden sein könnte. Wer den Transporter im Zeitraum vom 21. bis 23. März gesehen hat, solle sich bei der Polizei melden.
Bilder vom Transporter wurden in der Sendung gezeigt und auch eine Personenbeschreibung gab Rudi Cerne. Die Vermisste ist 43 Jahre alt, 1,65 Meter groß, hat blaue Augen und braune glatte schulterlange Haare. Bei ihrem Verschwinden trug sie eventuell einen roten Mantel, Stiefel mit Plateausohle und eine Bauchtasche der Marke Fila. Auch Hinweise dazu nimmt die Polizei entgegen.
Staatsanwältin Hanna Schmücker-Borgwardt bat die Zuschauer darum, die Augen offenzuhalten. „Häufig ist es einfach nur Zufall, dass eine Leiche, die versteckt wurde, auch gefunden wird. Das kann durch Tiere passieren, aber auch durch Spaziergänger, wie bereits in einem vergangenen Fall, als jemand zunächst dachte, dort sei illegal Kleidung entsorgt worden“, erklärte sie.
Zeugen, die Hinweise geben können, sollen sich unter der Telefonnummer 0431/1603333 an die Kripo in Kiel wenden. Es ist eine Belohnung von 3000 Euro ausgesetzt.