Berlin Wie emotional wird ein Bundeskanzler Friedrich Merz?
Friedrich Merz will seine Regierung mit beinharter Sachpolitik an den Start bringen. Schnörkellos. So könnte das aussehen.
Friedrich Merz hat einen „schnörkellosen” Start seiner Regierung angekündigt – und in mancher Redaktionsstube der Republik bricht bereits Panik aus. Worüber sollen wir dann schreiben? Das fing schon während der Koalitionsverhandlungen an, während derer ein striktes Social-Media-Verbot galt. Keine Fotos von Zigarren rauchenden Herren auf Balkonen und auch kein Pendant zum legendären Zitronen-Selfie von FDP und Grünen sind in den vergangenen Wochen entstanden. Das Foto von Lindner, Wissing, Baerbock und Habeck beschäftigte 2021 über Wochen die Feuilletons. Was wurde da hineingedeutet!
Später wurde das Foto dann zum Beleg dafür, wie falsch die Erwartungen waren, die es erzeugt hatte. Insofern ist Merz’ Versprechen von Schnörkellosigkeit als bewusst gesetztes Understatement zu verstehen. Keine Selfies, sondern ran an die Arbeit.
Stellen wir uns nun vor, was die Schnörkellosigkeit in der Praxis bedeuten könnte. Die gute alte Pressekonferenz könnte ein großes Comeback erleben, wenn nicht mehr alles und jedes auf Instagram und ähnlichen Plattformen gepostet wird. Volles Haus statt leerer Stühle.
Fotos von Merz, Klingbeil und Co.? Nur noch, wenn sie an Rednerpulten stehen oder sich gemeinsam mit in Falten gelegter Stirn über dicke Aktenordner beugen. Klatschpresse wie „Bunte“ wäre der Homestory beraubt, in der sie Politiker und ihre menschliche, möglichst private Seite ausleuchten. Journalisten müssten über Inhalte berichten, statt über Stil und Dekor. Mehr Fokus, weniger Schnappschuss – wenn das nicht das Gebot der Stunde ist!
Zu schnörkellos sollte Merz es trotzdem nicht angehen. Fehlenden Ernst konnte man Olaf Scholz nie zum Vorwurf machen, selbst dann nicht, als die restliche Ampel um ihn herum nur so tobte. Mit seiner Schnörkellosigkeit blieb er in seiner Amtszeit aber auch der Bevölkerung fremd, die er doch regierte. Stichwort: Scholzomat.
„Ich kann auch Emotion”, verkündete dagegen Merz gerade erst bei Caren Miosga. Es blieb unklar, was er damit meint. Davon, dass er Emotionen hat, wie jeder Mensch, kann man hoffentlich ausgehen. Und ob er in der Lage ist, welche zu erzeugen, am besten positive, das kann eigentlich nicht er, das können nur andere beurteilen. Und das werden sie nach Ablauf der Schonfrist für die neue Regierung tun. Ganz schnörkellos.