Ärzteversorgung Bald mehr Fachärzte für Ostfriesland?
Die Koalition aus SPD und Union will Patienten schneller einen Termin beim Facharzt ermöglichen. Wie das gelingen soll und warum auch die Krankenhäuser dabei eine Rolle spielen sollen.
Berlin/Ostfriesland - Die neue Koalition aus Union und SPD will die medizinische Versorgung im ländlichen Bereich verbessern. Das zumindest hat sie in ihr gemeinsames Papier geschrieben: Wir stärken die Länderbeteiligung in den Zulassungsausschüssen über eine ausschlaggebende Stimme und ermöglichen eine kleinteiligere Bedarfsplanung“, heißt es darin unter anderem. Davon könnte auch Ostfriesland profitieren – sofern es genug Ärzte gibt, die sich dann auch hier niederlassen wollten.
„Allein die Zuschnitte zu ändern, bringt ja nichts“, ist Dieter Krott, Geschäftsführer für den Bezirk Aurich der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), überzeugt. Doch die Bedarfsplanung für die Region Ostfriesland fiele dann durchaus anders aus. Nach den bisherigen Berechnungsgrundlagen ist das Gebiet nämlich nicht unterversorgt – lediglich im Landkreis Wittmund sind zwei Plätze für Hals-Nasen-Ohren-Ärzte unbesetzt. Demnach müssten also ansonsten alle Patienten gut versorgt sein.
Ärztemangel wird noch deutlicher werden
Doch die Realität sieht anders aus: überfüllte Praxen, lange Wartezeiten auf Termine bei Fachärzten und Praxen, in denen keine neuen Patienten mehr angenommen werden. Darüber klagen auch immer wieder Teilnehmer beim „Heimatcheck Ostfriesland“, einer großen Umfrage der ostfriesischen Verlage. Knapp 11.000 Ostfriesen haben schon teilgenommen – und das Urteil zur Ärzteversorgung fällt schlecht aus. Hausärzte gehen in Rente, Nachfolger sind nicht in Sicht, heißt es oft.
Heimatcheck Ostfriesland
An der Umfrage der ostfriesischen Verlage kann noch bis zum 27. April teilgenommen werden. Und dabei gibt es auch 4 x 250 Euro in bar zu gewinnen. Zu finden ist die Umfrage unter www.heimatcheck-ostfriesland.de. Eine ausführliche Auswertung mit allen Werten wird zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.
„Daran wird sich auch bei einer kleinteiligeren Berechnung nichts ändern“, sagt Krott. Aber vermutlich wird der Mangel dann noch deutlicher. „Die Zahl der potenziellen Zulassungen zu erhöhen, löst ja das Problem nicht.“
Das Grundproblem bleibt
Um weitere Fachärzte aufs Land zu locken, will die Koalition auch „einen Fairnessausgleich zwischen über- und unterversorgten Gebieten“ gewährleisten. „Wir prüfen eine Entbudgetierung von Fachärztinnen und Fachärzten in unterversorgten Gebieten“, heißt es weiter. „Unterversorgt“ ist Ostfriesland aber nach den bisherigen Berechnungen – außer im Landkreis Wittmund – nicht. „Demnach würden die Fachärzte in der Region in der Mehrheit nicht von der Entbudgetierung profitieren“, erklärt Krott. Das könnte sich aber ändern, wenn sich die Berechnung künftig auf kleinteiligere Bereiche beziehe. Dann könnten die Honorargrenzen für Fachärzte auch in anderen Regionen in Ostfriesland wegfallen. „Aber auch das ändert ja nichts am Grundproblem: es fehlen Fachärzte“, erklärt Krott.
Klinik-Fachärzte sollen einspringen
Damit Patienten trotzdem einen Termin beim Facharzt bekommen, soll die KV helfen und Patienten künftig auch an die Krankenhausärzte vermitteln: „ Wir verpflichten die KV, diese Termine zu vermitteln. Gelingt dies nicht, wird der Facharztzugang im Krankenhaus ambulant für diese Patientinnen und Patienten ermöglicht“, heißt es im Koalitionsvertrag.
Doch Ostfrieslands Krankenhäuser winken ab. „Die Auslastung der verfügbaren Kapazitäten ist bereits sehr hoch. Ohne eine strukturelle Kapazitätsanpassung ist es nicht denkbar, Aufgaben aus dem ambulanten Sektor im Krankenhaus Wittmund zu übernehmen“, erklärt Stephan Rogosik, Geschäftsführer des Krankenhauses Wittmund.
Das sieht man beim Leeraner Klinikum genauso: „Die Versorgung im Klinikum konzentriert sich in erster Linie auf stationäre Leistungen im Rahmen unseres Versorgungsauftrags. Unsere (fach-)ärztlichen Ressourcen sind daher primär für die stationäre Versorgung vorgesehen und entsprechend begrenzt für zusätzliche ambulante Leistungen verfügbar“, teilt Nadira Pölking, Assistenz der Geschäftsführung, auf Nachfrage mit.
Bisher vermittelt die Terminservicestelle der KV unter der Telefonnummer 116 117 nur Termine bei niedergelassenen Fachärzten. „Die Praxen sollen dafür künftig mehr Termine freigeben – aber wo sollen die herkommen? Die Praxen haben ja keine Kapazitäten mehr“, so Krott. „In den Kliniken haben wir das gleiche Problem. Die Fachärzte an den Häusern sind ja auch ausgelastet.“