Osnabrück Gebrauchtwagen im Vergleich: Schwächen trotz Spitzenwerten bei der Hauptuntersuchung
Die Hauptuntersuchung ist nur ein Kriterium bei der Bewertung von Gebrauchtwagen. Denn auch die solidesten Autos haben Schwächen. Wir zeigen, welche.
Rund sieben Millionen Gebrauchtwagen wechseln jährlich hierzulande den Besitzer. Das Angebot ist riesig und reicht vom verbrauchten Bastelobjekt bis zu Tageszulassungen, die praktisch neu sind. Wenig Ärger versprechen auf den ersten Blick Modelle, die bei der Hauptuntersuchung (HU) überdurchschnittlich gut abschneiden. Doch auch diese Autos haben ihre Schwächen, die vielleicht bei der HU keine relevante Rolle spielen, den Besitzer aber reichlich Geld kosten können.
Ganz allgemein lohnt sich ein gründlicher Check fast immer, und ein paar Dinge können auch Laien erkennen. Ungleiche Spaltmaße und Farbabweichungen zwischen Karosserieteilen deuten auf einen nur lausig beseitigten Unfallschaden hin. Rostige Auspuffanlagen oder abgefahrene Reifen sehen auch Interessenten, die nicht selbst schrauben. Schauen Sie bei angebotenen Garantien genau in die Bedingungen – hier gibt es hin und wieder Erstaunliches zu entdecken. Immer wichtiger wird ein aktueller Softwarestand aller Systeme. Auch darüber diskutiert es sich mit einem Händler vor einer Unterschrift unter einem Kaufvertrag aussichtsreicher als im Anschluss.
Für diese Artikelreihe haben wir uns die Autos rausgesucht, die bei der HU in ihrem Jahrgang die geringste Mängelquote haben. Welche Schwächen haben sie abseits der Hauptuntersuchung und wie ist die aktuelle Marktlage? Schließlich benennen wir auch das Schlusslicht der Statistik. Den Anfang auf dieser Seite machen die zwei bis drei Jahre alten Autos, die in der Regel das erste mal eine Hauptuntersuchung bestehen müssen.
Der Honda Jazz ist ein Urgestein im Programm von Honda – es gibt ihn seit mehr als 40 Jahren. Hierzulande hat er eine kleine, allerdings recht treue Fangemeinde. Kein Wunder, denn das Auto bringt auf der Verkehrsfläche eines Kleinwagens ein beträchtliches Platzangebot unter. Das aktuelle Modell ist seit 2020 auf dem Markt und wurde 2023 leicht überarbeitet. Bleibt Honda beim üblichen Wechselintervall, steht ein Nachfolger direkt vor der Tür.
Bei der ersten Hauptuntersuchung fallen nur 2,4 Prozent aller Honda Jazz durch. Damit liegt er knapp vor den anderen in dieser Liste. Auffällig bei der HU sind lediglich Tagfahrlicht und Nebelscheinwerfer – da liegt der kleine Honda nur im Durchschnitt. Alle anderen relevanten Punkten wie Bremsen, Fahrwerk oder Auspuff sind überdurchschnittlich häufig ohne jede Beanstandung.
Gelegentlich Ärger bereiten empfindliche Assistenten und Infotainmentsysteme, die abstürzen. Hier lohnt es sich, vor dem Kauf auf einen aktuellen Softwarestand zu bestehen. Ein Rückruf ist in der Datenbank des KBA vermerkt, der den Kollisionswarner betrifft. Aus Erfahrungen mit früheren Generationen würde ich empfehlen, dem Jazz früh eine umfangreiche Konservierung zu spendieren, sofern man ihn länger nutzen möchte.
Im Schnitt hat der Jazz bei der ersten HU rund 28.000 km runter. In den großen Autobörsen kostet ein zwei- bis dreijähriger Jazz mit bis zu 30.000 km derzeit ab etwa 20.000 Euro aufwärts. Damit ist er erstaunlich wertstabil. Der Listenpreis des Basismodells liegt aktuell bei knapp 27.000 Euro.
Der Audi Q2 schneidet bei der Mängelquote (2,6 Prozent) ebenso gut ab wie ein ähnlich alter Porsche 911, der in dieser Zusammenstellung noch öfter auftauchen wird. Vor drei Jahren hieß es, der Q2 bekomme keinen direkten Nachfolger. Momentan gibt es ihn noch, und das Basismodell eröffnet die inzwischen seltene Chance, einen Neuwagen mit Radkappen zu bekommen. Auf dem Markt ist er seit 2016, was für eine beharrliche Nachfrage spricht.
In keinem HU-relevanten Bereich gibt es Auffälligkeiten, auf die Interessenten eines jungen Q2 achten müssten. In allen Prüfkategorien liegt der Q2 weit über dem Durchschnitt. Bei älteren Modellen werden die Bremsscheiben häufiger moniert – das betrifft allerdings Fahrzeuge ab der dritten HU.
Deutlich länger ist die Liste der Dinge, die abseits der HU Ärger verursachen können. Einige Ausführungen des Doppelkupplungsgetriebes verärgern mit ruppigen Gangwechseln. Bei den Ausführungen mit nassen Kupplungen sollte auf die Wechselintervalle des Getriebeöls geachtet werden, auch wenn der Wechsel nicht ganz billig ist. Anfällig ist auch das Zweimassenschwungrad. Rückrufe gab es unter anderem für einen zu schwach ausgelegten Radträger hinten und die elektrische Handbremse, die sich ungewollt lösen konnte. Das alles betrifft frühe Baujahre.
Das Angebot an gebrauchten Q2 ist reichhaltig. Bei der ersten HU haben sie im Schnitt etwa 33.000 km runter. Solche Fahrzeuge gibt es in den gängigen Börsen ab etwa 22.000 Euro. Achten Sie beim Kauf darauf, dass gängige Extras wie Sitzheizung und Klimaautomatik vorhanden sind. Sie sind es meist, mussten aber explizit bestellt werden. Fehlen sie, kann ein Weiterverkauf schwierig werden.
Der ASX läuft bei vielen Neuwagen-Interessenten offenbar etwas unter dem Radar. Nur knapp 5000 Stück konnte Mitsubishi im vergangenen Jahr absetzen. Anders als die eigenständige, ab 2010 gebaute erste Generation ist der seit 2023 angebotene ASX unübersehbar eine Kopie des Renault Captur. Diese Version des 4,24 m langen SUV ist bei den Hauptuntersuchungen noch die Ausnahme. Daher bezieht sich das Folgende auf die letzten Exemplare der ersten Auflage.
Diese schwächelt bei der HU nur in einem Bereich. Überdurchschnittlich häufig werden undichte Motoren und Getriebe beanstandet. Die Dieselmotoren nehmen Kurzstrecken übel, zugesetzte Partikelfilter machen im Alter öfter Ärger. Die Benziner sind in jeder Hinsicht unauffällig, ragen allerdings auch bei Laufkultur, Fahrleistungen und Verbrauch nicht positiv heraus. Bei sehr hohen Laufleistungen macht die seitliche Führung des Zahnriemens vereinzelt Probleme. Es lohnt sich, diesen Bereich im Blick zu haben.
Wer einen jungen ASX der vorherigen Generation sucht, wird ab dem Baujahr 2020 und einer Laufleistung maximal 40.000 km teilweise schon für weniger als 17.000 Euro fündig. Allerdings ist das Angebot sehr klein. In den Börsen dominiert schon der Nachfolger auf Renault-Basis, der auch nicht viel mehr kostet. Ob er ebenso zuverlässig sein wird wie sein Vorgänger, lässt sich bis jetzt nicht abschätzen. Der Renault Captur auf gleicher Basis, der schon länger auf dem Markt ist, hat eine umfangreichere Mängelliste.
Mit dem Model 3 begann bei Tesla die Massenproduktion, denn erstmals wagte sich der Hersteller in ein Segment, in dem sich viele einen Neuwagen leisten können. Seither verläuft nicht nur in Foren eine harte Linie zwischen Befürwortern und Ablehnenden. In den Verkaufszahlen dominiert längst das SUV Model Y auf der gleichen Plattform. Zeitweise war das SUV das weltweit meistverkaufte Auto. In diesem Jahr gibt es eine Modellpflege, die das Model 3 schon hinter sich hat. Seitdem agiert das Fahrwerk weniger unnachgiebig und die Dämmung verdient ihren Namen. Wenn das Budget es zulässt, sollten diese Modelle bevorzugt werden.
Tesla hat Wartungsintervalle abgeschafft, was viele Nutzer offenbar in dem Glauben lässt, das Model 3 bräuchte deshalb keine Zuwendung mehr. Im Ergebnis ist das bei der Hauptuntersuchung desaströs. 18 Prozent aller Model 3 haben bei der ersten HU schon schwerwiegende Mängel. Bei der zweiten sind es 22 Prozent. Der erste Ratschlag für Interessenten ist daher: Ignorieren Sie den fehlenden Inspektionshinweis und lassen Sie das Model 3 zumindest alle zwei Jahre von einer guten Werkstatt durchchecken.
Mehrere Schwächen kristallisieren sich bei der HU heraus. Die Achsaufhängungen sind offenbar unterdimensioniert, Prüfer stellen in diesem Bereich 15-mal häufiger Mängel fest als im Durchschnitt. Immerhin: Lenkung, Dämpfer und Federn sind unauffällig. Zweite große Schwäche ist das Licht. Hier reicht die Bandbreite von ausgefallenen LEDs bis hin zu einer nicht korrekten Einstellung. Die dritte Auffälligkeit betrifft die Bremsscheiben, die häufig korrodiert sind.
Hinzu kommen Mängel, die nicht unbedingt HU-relevant sind. Dazu gehört eine anfangs stark schwankende Verarbeitungsqualität, die sich nicht nur in sehr unterschiedlichen Spaltmaßen zeigt, sondern auch mit nervigen Klappergeräuschen auf sich aufmerksam macht. Die Lackierung war oft mangelhaft. Hinzu kommt eine stellenweise unzureichende Konservierung. Fälle von Durchrostungen machen die Runde. Auch die Elektronik macht bei einigen Modellen Probleme, über die unter anderem mein Kollege Sebastian Bauer kürzlich berichtete.
Gerade, wer sich für ein frühes Model 3 interessiert, sollte finanzielle Rücklagen und eine versierte Werkstatt haben. Letzteres ist nicht selbstverständlich, denn Tesla tut sich regional unterschiedlich schwer damit, den von anderen Herstellern gewohnten Service zu bieten. Drei Jahre alte Modelle mit maximal 50.000 km werden zu Preisen ab etwa 29.000 Euro angeboten. Von früheren Exemplaren rate ich ab. Der Mehrpreis ist für die gestiegene Reife meines Erachtens gut angelegt.
Der 911 ist der Klassiker im Porsche-Sortiment. Seit den 60er-Jahren ist er im Programm der Marke und hat seitdem einige tiefgreifende Veränderungen mitgemacht. Das aktuelle Modell wird seit 2019 verkauft und wurde 2024 überarbeitet. Die Faszination für den Sportwagen sollte niemals darüber hinwegtäuschen, dass er gehobene Ansprüche an die finanzielle Belastbarkeit stellt. Das betrifft den Kauf ebenso wie den Unterhalt. Auch jenseits der Porsche-Händler sind die Preise für Ersatzteile und Stundenlöhne gar nichts für diesbezüglich zarte Gemüter.
Dass der 911 bei der HU stets einen der vorderen Plätze belegt, ist auch das Resultat davon, dass die Eigner die Wartung nicht vernachlässigen – trotz der damit verbundenen, enormen Kosten. Das trägt dazu bei, dass sich nach rund sechs Jahren im Verkauf bei der HU keine markante Schwäche abzeichnet. Auch abseits der HU sind Mängel selten. Bei frühen 992 gab es durch zu steife Motorlager Vibrationen. Vereinzelt wurden Wassereinbrüche durch schlecht verklebte Scheiben vermeldet. Interessenten sollten alle Assistenten und elektronischen Spielereien durchtesten. Verhandeln Sie einen aktuellen Softwarestand des gesamten Autos mit rein – auch solche Dinge können im Nachgang erstaunliche Summen nach sich ziehen. Wie immer verrät ein Reifenprofil mitunter viel über das Vorleben des Autos. Achten Sie zudem auf Unfallschäden, oft erkennbar durch ungleichmäßige Spaltmaße und Farbunterschiede zwischen Karosserieteilen.
Zur ersten HU rollen die 911 im Schnitt mit rund 21.000 km auf der Uhr. Auch diese unterdurchschnittliche Laufleistung mag zum glänzenden HU-Ergebnis beitragen. Doch angesichts der gehobenen Qualität spricht nichts gegen ein Fahrzeug mit mehr Kilometern auf dem Zähler. Billig wird der 911 so allerdings auch nicht. Für einen 992 mit max. 50.000 km sind locker 110.000 Euro einzuplanen. Wie zuvor erwähnt: Das ist erst der Anfang. Versicherung, Verbrauch und Service setzen eine wirklich sehr solide gefüllte Brieftasche voraus.
Nur knapp hinter dem 911 landet der VW Golf Sportsvan, der bis 2020 angeboten wurde. Mit seiner leicht erhöhten Sitzposition sprach eine Kundschaft an, die das schätzte und trotzdem kein SUV haben wollte. 2020 wurde er aus dem Programm genommen, weil auch die meist etwas ältere Zielgruppe dann doch T-Cross und T-Roc bevorzugte. Ähnlich wie der nahezu komplette Entfall der Vans hat das die automobile Vielfalt durchaus ein wenig ärmer gemacht.
Nur 3,6 Prozent aller vier bis fünfjährigen VW Golf Sportsvan haben Mängel. Er ist also in dieser Hinsicht eine ziemlich sichere Bank. In allen bei der Hauptuntersuchung relevanten Punkten schneidet der Sportsvan überdurchschnittlich gut ab. Den ersten kleinen Ausreißer gibt es erst bei Fahrzeugen, die sechs bis sieben Jahre alt sind. Dort werden die Auspuffanlagen so oft bemängelt, dass er in diesem Kapitel nur durchschnittlich abschneidet.
Interessenten gebrauchter Sportsvans haben abseits der HU eine längere Liste abzuarbeiten. Probleme machen unter anderem das Zweimassenschwungrad, die Doppelkupplungsgetriebe und Turbolader. Im DSG mit nassen Kupplungen steht alle fünf Jahre oder nach 60.000 km ein Ölwechsel an, der ein paar Hunderter kostet. Vereinzelt gab es Klagen über Klappergeräusche und zickige Infotainmentsysteme. Bei frühen Modellen brechen manchmal die hinteren Federn. Die fehlerhaften Gasgeneratoren der Airbags sollten inzwischen getauscht sein.
Auf eine ähnliche Mängelliste kommen der zuvor schon beschriebene Audi Q2 und der heimliche Nachfolger des Golf Sportsvan: der seit 2017 angebotene T-Roc. Hier klagen einige Nutzer über eine mangelhafte Lackqualität. Rückrufe gab es unter anderem wegen einer unzureichend befestigten Motorabdeckung.
Für einen Sportsvan ab Baujahr 2019 mit maximal 50.000 km sind derzeit ab etwa 16.000 Euro aufwärts einzuplanen. Dann ist meist der aufgeladene Einliter-Dreizylinder eingebaut, der mit 85 kW bereits befriedigende Fahrleistungen bei maßvollem Spritverbrauch bietet. Eher selten wurde der Sportsvan mit dem 110-kW-Benziner bestellt, praktisch keine Rolle spielen auf dem Markt die beiden Diesel.
Die Mercedes B-Klasse hat sich bewahrt, was die A-Klasse 2011 verlor. Dazu gehören ein erhöhter und damit bequemer Einstieg sowie ein, gemessen an der genutzten Verkehrsfläche, sehr großzügiges Platzangebot. Wie im Falle des VW Golf Sportsvan ist die Zielgruppe inzwischen so klein, dass ein direkter Nachfolger des seit 2018 angebotenen Modells unwahrscheinlich ist. Mit dem ähnlich großen SUV GLA lässt sich eine größere Käuferschaft erreichen.
Bei der HU zeichnen sich bei den bis zu fünfjährigen B-Klassen keine negativen Auffälligkeiten ab. Einzig bei der Lenkung, der Handbremsen und den Bremsscheiben erreicht die aktuelle B-Klasse nur durchschnittliche Mängelquoten. Gebrauchtwagen-Interessenten sollten das Infotainment umfangreich ausprobieren, hier gibt es immer mal wieder Klagen. Verbinden Sie auf einer Probefahrt mal Ihr Smartphone – da scheint es manchmal zu haken. Die Verarbeitung ist insgesamt solide, vereinzelt gibt es aber auch in diesem Bereich Beschwerden. Rückrufe gab es unter anderem wegen Airbagfehlern und einer Brandgefahr im Bereich des Doppelkupplungsgetriebes.
Wenn die B-Klasse-Fahrer zur zweiten HU kommen, haben die Autos im Schnitt rund 50.000 km runter. Wer in den großen Börsen nach Modellen ab Baujahr 2020 bis 50.000 km schaut, wird ab rund 22.000 Euro fündig. Wie im Audi Q2 ist auch in der B-Klasse die Basisausstattung erstaunlich übersichtlich. Wer keinen Freund fürs Leben sucht, kann sich den späteren Weiterverkauf erheblich erleichtern, wenn er beim Kauf darauf achtet, dass die gängigen Extras drin sind. Geschätzt wird unter anderem die große Display-Ausstattung, Sitzheizung, Zweizonen-Klimaautomatik, gutes Licht und Abstandstempomat. Wer sich für den Plug-in-Hybriden interessiert, sollte die bis heute optionale Ladebeschleunigung im Blick haben. Serienmäßig ist ein einphasiges Ladegerät mit 3,7 kW. Jeweils gegen Aufpreis gibt es einen dreiphasigen AC-Lader mit 11 kW und die häufig sinnvolle Möglichkeit, an Gleichstrom mit bis zu 22 kW laden zu können.
Vans sterben als Neuwagen aus, und gerade für große Familien ist das ein Verlust. Vor drei Jahren flog der Sharan aus dem Programm von VW. Interessenten mit ähnlichem Platzbedarf werden nun auf Modelle wie ID.Buzz oder VW T7 verwiesen, die sich allerdings keineswegs alle Sharan-Interessenten leisten können. Doch auch der Unterhalt des praktischen Sharan ist nicht zu unterschätzen. Knapp 19 Prozent aller vier bis fünfjährigen Sharan wiesen bei der HU erhebliche Mängel auf. Damit liegt der Van nur unwesentlich vor dem Tesla Model 3, das auch in diesem Alter die höchste Quote hat.
Bei der HU werden erschreckend häufig die Achsaufhängungen moniert. Defektes und falsch eingestelltes Abblendlicht sowie ein übermäßiger Verschleiß von Bremsscheiben deuten an, dass dem Sharan nicht immer die Pflege zukommt, die er bräuchte. Ältere Fahrzeuge kämpfen mit Rost, was nahelegt, jüngere Exemplare nachträglich zu konservieren. Hinzu kommen zahlreiche typische Schwächen von Volkswagenmodellen aus dieser Zeit: Infotainmentsysteme, die Aussetzer haben, Probleme mit dem DSG, Klappergeräusche, verkokte AGR-Ventile, das Drama rund um den Abgas-Betrug und seine Folgen. Sharan-spezifisch kommen noch defekte Stellmotoren der Schiebetüren und ausgeschlagene Buchsen an den Querlenkern hinzu. Rückrufe gab es unter anderem, weil sich Airbags nicht vollständig entfalteten.
Gibt es bei all dem auch einen Lichtblick? Ja. Der Sharan wurde seit 2010 gebaut und hat über die Jahre einen gehörigen Reifeprozess durchlebt. Viele der Schwächen hat VW über die Jahre aussortiert. Die späten Baujahre dürfen als zuverlässig gelten. Nach fünf Jahren sind die Modelle im Schnitt 83.000 km gelaufen. Beschränkt auf Fahrzeuge ab Baujahr 2020 und eine Laufleistung von maximal 90.000 km starten die meisten Angebote auf den großen Börsen ab etwa 25.000 Euro.
Auch bei den sechs- bis siebenjährigen Autos belegen Porsche 911 und VW T-Roc die vorderen Plätze. Direkt dahinter folgt der Mazda CX-3, mit dem die Marke den Zeitgeschmack recht gut getroffen hatte. Gebaut wurde das SUV zwischen 2015 und 2022. Leben muss der Kunde damit, dass die Benziner allesamt ziemlich durchzugsschwach sind. Wer flott vorankommen will, muss hohe Drehzahlen aufsuchen. Die selten verkauften Diesel sind in dieser Hinsicht angenehmer. Besonders leise ist das SUV unabhängig von der Motorisierung nicht.
Bei der HU sind zwei Dinge markant. Gerade bei den jüngeren Modellen liegt die Zahl der beanstandeten Scheinwerfer erheblich über dem Schnitt. Auch verschlissene Bremsscheiben werden häufig moniert. In allen anderen Kriterien schneidet der CX-3 deutlich besser als der Durchschnitt ab. Interessenten sollten bei einer Probefahrt klären, ob sie mit dem manchmal hakeligen Getriebe – untypisch für einen Japaner – zurechtkommen oder das Automatikgetriebe mit seinen zähen Reaktionen die angenehmere Wahl ist. Einen von mehreren Rückrufen gab es aufgrund eines Fehlers an der Kraftstoffpumpe.
Mazda ist in den vergangenen 20 Jahren durch ein tiefes Tal geschritten, was die Rostvorsorge betrifft. Aus dieser Erfahrung heraus würde ich auch bei diesem Modell dazu raten, eine nachträgliche Konservierung in einem Fachbetrieb vornehmen zu lassen, auch wenn der CX-3 bis jetzt keine gehäuften Schwächen in dieser Hinsicht zeigt.
Das Infotainmentsystem war schon damals nicht vorn mit dabei, wenn es um Tempo und Funktionsumfang ging. Es erfüllt Basisansprüche, mehr nicht. Ein Navigationssystem haben fast alle CX-3 eingebaut, ohnehin ist die Ausstattung der meisten Gebrauchtwagen üppig. Kunden bevorzugten offenkundig ein hohes Niveau. Sechs bis sieben Jahre CX-3 haben bei der HU einen Kilometerstand von durchschnittlich knapp 70.000 km. Fahrzeuge ab 2018 mit dieser Laufleistung werden derzeit teilweise schon für weniger als 16.000 Euro angeboten.
Der Seat Ateca gehört zu den ältesten Modellen im Programm von Seat. Seit 2016 wird er gebaut und wurde seitdem schon mehrfach überarbeitet. Von der Größe her ist er in einem Bereich angesiedelt, den viele Kunden global bevorzugen. Ein knapp 4,4 m langes SUV mit reichlich Platz, mehrheitsfähigem Design, geschickt abgestimmtem Fahrwerk und kräftigen Motoren.
Bei der HU fällt er nur mit überdurchschnittlich häufig verschlissenen Bremsscheiben negativ auf. Für Interessenten eines älteren Ateca gibt es allerdings eine längere Liste abzuarbeiten. Das Zweimassenschwungrad neigt auch hier zu Ausfällen, die Probleme mit dem Doppelkupplungsgetriebe werden mit dem Alter eher nicht kleiner. Die Infotainmentsystem nerven zwar weniger als in frühen Volkswagen-Modellen mit MIB3, Probleme gibt es aber durchaus auch im Ateca. Lassen Sie vor dem Kauf alle Updates einspielen. Rückrufe gab es unter anderem aufgrund von fehlerhaften Airbags, gebrochenen Gehäusen von Radlagern und einer sich lösenden Platte auf dem Bremspedal.
Nach sechs bis sieben Jahren haben die Ateca im Schnitt rund 86.000 km runter. Für solche Fahrzeuge werden in den großen Autobörsen eher mehr als weniger 16.000 Euro verlangt. Das ist immerhin etwas weniger als für die vergleichbaren Modelle von Skoda oder VW.
Das aktuelle Kleinwagenangebot von Mazda folgt einer eigenwilligen Strategie. Seit 2022 wird ein Mazda 2 mit Hybridantrieb angeboten, der im Prinzip ein nur marginal veränderter Toyota Yaris ist. Parallel wird seit 2014 ein Mazda 2 angeboten, um den es im Folgenden geht. Dessen Produktion lief gerade aus, Restbestände an Neuwagen sind Anfang 2025 aber noch zu haben.
Bei der HU fallen bei den sechs bis sieben Jahre alten Mazda 2 nur 8,7 Prozent mit erheblichen Mängeln auf. Markant ist lediglich das Kapitel Licht. Der Kleinwagen fällt nicht nur häufig mit defekten Scheinwerfern auf, sondern auch mit deren fehlerhaften Einstellung. Interessenten sollten auf Rost achten – auch bei diesem Modell lohnt sich eine nachträgliche Konservierung, wenn man den Kleinwagen länger nutzen will. Die Infotainmentsysteme waren schon damals fern der Spitze, die Updateversorgung ist eher spärlich. Rückrufe gab es unter anderem wegen Rost an einer Kraftstoffleitung und wegen einer fehlerhaften Verbrennung im Motor, die diesen beschädigen kann.
Im Schnitt haben sechs bis sieben Jahre alte Mazda 2 rund 67.000 km auf der Uhr. Die meisten Modelle sind recht gut ausgestattet, was das Preisniveau in gewisser Hinsicht erklärt. Denn Angebote unter 12.000 Euro sind im genannten Rahmen eher die Ausnahme. Dafür bekommt der Kunde einen agilen, zuverlässigen Kleinwagen, bei dem er das Thema „Rost“ im Blick behalten sollte. Vorsorgen ist auch in diesem Fall günstiger als eine Vernachlässigung.
Dem Dacia Dokker flogen als Hochdachkombi schon während seiner Bauzeit nur die Herzen sparsamer Pragmatiker zu. Die bekamen bis 2021 ein mit 4,36 m sehr kompaktes Auto mit enorm großem Platzangebot. Allzu viel Pflege bekommen diese Autos in der Regel nicht. Sie werden als Werkzeuge angesehen, die für wenig Geld viel liefern sollen. Zusätzlich zur kostenoptimierten Konstruktion, bei der alle nur denkbaren Sparmaßnahmen eisern durchgezogen wurden, spiegelt sich dieser Umstand auch bei der HU sehr deutlich.
Bei den sechs- bis siebenjährigen Modellen fallen 31 Prozent, also fast jeder dritte Dokker, im ersten Anlauf mit erheblichen Mängeln durch. Nur die Abgasanlage liegt im Schnitt aller Fahrzeuge, in allen anderen Kategorien schneidet er erheblich schlechter ab. Im Fahrwerksbereich ist das bei Federn, Dämpfern und Achsaufhängungen, die Lenkgetriebe machen ab der dritten HU Ärger. Blinker und die hintere Beleuchtung haben oft Defekte, mit denen der Dokker bei der HU vorgestellt wird. Bremsbeläge und -scheiben gehören im Schnitt zum schlechtesten, was Prüfer bei ähnlich alten Fahrzeugen überhaupt zu sehen bekommen. Motor und Getriebe sind überdurchschnittlich häufig undicht.
Interessenten müssen bei den TCe-Benzinern auf einen erhöhten Ölverbrauch achten, der weitere Baustellen nach sich ziehen kann. Auch Rost ist ein Thema, zusätzlich zu den Begleiterscheinungen nachlässiger Wartung. Kraftstoffpumpen gelten bis zum Baujahr 2019 als anfällig. Rückrufe gab es wegen gebrochener Spurstangen, sich beim Unfall öffnenden Schiebetüren und fehlerhaften ABS-Steuergeräten.
Noch nicht abgeschreckt? Rund 200 Dokker (ab Baujahr 2018, bis 90.000 km) werden in den großen Autobörsen derzeit angeboten, und schon für weniger als 7000 Euro wird man fündig. Wer an ihm länger Freude haben möchte, muss mehr in die Pflege investieren als der durchschnittliche Dokker-Verbraucher.
Dieser Artikel erschien zuerst bei Heise Online in Hannover.