Aurichs günstige Mieten  Ein 50 Jahre altes Relikt für Obdachlose

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 07.04.2025 10:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dieses Haus im Kreihüttenmoorweg soll als Obdachlosenunterkunft hergerichtet werden. Foto: privat
Dieses Haus im Kreihüttenmoorweg soll als Obdachlosenunterkunft hergerichtet werden. Foto: privat
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Die Stadt Aurich muss wohnungslosen Menschen ein Obdach bieten. Für diesen Fall gibt es eine eigene Satzung, die Kuriositäten enthält.

Aurich - Es kann jeden jederzeit treffen: Ein Wasserrohrbruch, ein Feuer oder ein Sturm, und schon ist das eigene Haus unbewohnbar. Wer dann nicht bei Freunden oder bei der Familie unterkommen kann, muss sich an die Stadt Aurich wenden. Die ist verpflichtet, Wohnungslosen ein Obdach zu geben. Dafür hält die Stadt Wohnungen bereit. Insgesamt besitzt die Stadt Aurich 150 Wohnungen. Rund ein Drittel sind derzeit von Obdachlosen belegt.

Die Unterbringung erfolgt nicht kostenlos, es wird eine Miete erhoben. Diese müssen entweder die Wohnungslosen selbst bezahlen. Wer dazu nicht in der Lage ist, kann staatliche Hilfe bekommen. Teuer ist die städtische Unterbringung in Aurich nicht. Denn die „Satzung über die Errichtung von Obdachlosenunterkünften in der Stadt Aurich/Ostfriesland“ wurde 1975 vom Rat der Stadt verabschiedet – und seitdem nie wieder angefasst.

80 Pfennig pro Quadratmeter

Dementsprechend sind die Gebühren kalkuliert, gestaffelt nach der Nähe zur Innenstadt. Preiswert ist es, wenn man in Brockzetel untergebracht wird. Dann berechnet die Stadt 80 Pfennige pro Quadratmeter Wohnfläche – umgerechnet 41 Cent. Der Höchstsatz wird in der Innenstadt fällig. Unterkünfte in der Hasseburger Straße oder in der Tannenbergstraße kosten zwei D-Mark (1,02 Euro) pro Quadratmeter. Mit diesen Gebühren, so steht es in der Satzung, sind die Kosten für Wasser, Abwasser, Müllabfuhr und die Nutzung der Gemeinschaftsanlagen abgegolten. Lediglich Strom muss extra bezahlt werden.

Das sind Mieten, von denen Wohnungssuchende heutzutage nur noch träumen können. Laut dem Mietspiegel für die Stadt Aurich aus dem Jahr 2022 sind für eine Wohnung mit 60 Quadratmetern Wohnfläche in mittlerer Lage zwischen 6,50 Euro (Baujahr 1950) und 8,95 Euro (Baujahr 2020) fällig. Bei Sozialwohnungen liegt die Miete in Aurich bei 6,95 Euro pro Quadratmeter.

Einfamilienhaus soll als Obdachlosenunterkunft dienen

Kein Wunder, dass Kämmerin Katja Lorenz kürzlich im Auricher Finanzausschuss sagte, dass die Satzung über die Obdachlosenunterkünfte dringend überarbeitet werden müsse. In der Stadt Norden wurde dies zuletzt vor zwei Jahren gemacht. Dort werden nun Mieten zwischen drei Euro und 4,50 Euro je Quadratmeter genommen – abhängig von der jeweiligen Kategorie.

In Aurich muss die Satzung nicht nur wegen der Gebühren überarbeitet werden. Geprüft werden muss auch, ob die im Jahr 1975 aufgelisteten Wohnungen überhaupt noch im Eigentum der Stadt Aurich sind – und ob es sie überhaupt noch gibt. Denn der Wohnungsbestand der Stadt ändert sich immer wieder ebenso wie die Nutzung der Wohnungen.

Der Anbau kann nicht saniert werden und wird wohl abgerissen. An seiner Stelle könnten Container aufgestellt werden. Foto: privat
Der Anbau kann nicht saniert werden und wird wohl abgerissen. An seiner Stelle könnten Container aufgestellt werden. Foto: privat

Jüngstes Beispiel dafür ist ein Haus im Kreihüttenmoorweg. Das Gebäude gehört der Stadt und steht seit neun Monaten leer. Ursprünglich sollte es verkauft werden. Es fand sich aber kein Abnehmer zu dem Preis von 177.000 Euro, der mindestens verlangt worden war. Nicht ein Gebot wurde in dieser Höhe abgegeben.

Konzept soll in diesem Jahr vorgelegt werden

Daher sollen dort nun wohnungslose Menschen untergebracht werden. Das Haus selbst ist laut Lorenz in einem guten Zustand, nur ein paar Leckagen im Dach müssten beseitigt werden. Es gibt auf dem 1500 Quadratmeter großen Grundstück einen Anbau, der nicht mehr saniert werden kann. Laut Lorenz soll dieser abgerissen werden. Es könne dann ein neuer Anbau mit zusätzlichem Wohnraum entstehen.

Etwas anders klang das kurz danach bei Fachbereichsleiterin Dr. Edith Ulferts (Soziales). In der Sitzung des Stadtrates sprach sie von Containern, die auf dem Grundstück im Kreihüttenmoorweg aufgestellt werden könnten. Denn es handele sich um ein Mischgebiet. Das sei zwar nicht die erste Wahl, werde aber im Rahmen eines umfassenden Konzeptes zur Wohnungslosigkeit, das sie im zweiten Halbjahr vorlegen wolle, geprüft.

Die Nutzung des Wohnhauses als Obdachlosenunterkunft stieß im Rat nicht auf ungeteilte Zustimmung. Es gab 27 Ja-Stimmen, sieben Gegenstimmen und eine Enthaltung.

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