Feuer unterm Dach  Zoff in der Marienhafer Feuerwehr

| | 04.04.2025 19:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Ortsfeuerwehr Marienhafe kommt seit Jahren nicht mehr zur Ruhe und setzt damit möglicherweise ihre Existenz aufs Spiel. Foto: Thomas Dirks
Die Ortsfeuerwehr Marienhafe kommt seit Jahren nicht mehr zur Ruhe und setzt damit möglicherweise ihre Existenz aufs Spiel. Foto: Thomas Dirks
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Bei den Marienhafer Brandbekämpfern rumort es kräftig. Worum es geht und inwiefern der Streit Sprengkraft entfalten könnte.

Marienhafe - Es brennt lichterloh in der Freiwilligen Feuerwehr Marienhafe. Schon wieder, sagen die einen. Immer noch, die anderen. So oder so könnten die Querelen in Reihen der Brandbekämpfer nach Einschätzung von Beobachtern Sprengstoff für den geplanten Feuerwehrstandort Ost bergen, wo für die Feuerwehr Marienhafe ein neues Gerätehaus gebaut werden soll.

In der Politik, die die dafür erforderlichen Beschlüsse zu fassen und das nötige Geld zu bewilligen hat, gibt es erste skeptische Stimmen, die hinterfragen, ob das für eine so zerstrittene Truppe wie in Marienhafe noch angebracht oder ob es nicht sinnvoller ist, diese mit der Feuerwehr in Upgant-Schott (künftig Standort West) an einem völlig anderen Standort als bisher geplant zusammenzulegen.

Worum es bei dem aktuellen Zoff in der Feuerwehr Marienhafe genau geht, ist schwierig zu fassen. Insider berichten von einem Generationenkonflikt, wie es ihn auch in Vereinen gibt. Nur sei die Feuerwehr kein normaler Verein. Im Zweifel gehe es um viel. Meinungsverschiedenheiten seien da fehl am Platz. Jeder müsse jedem vertrauen können. Jeder Kamerad habe für den anderen im Ernstfall einzustehen. Das dem in Marienhafe so ist, bezweifeln einige.

Auf dieser Fläche an der Kirchstraße in Osterupgant gegenüber der Baustoffhandlung Jungenkrüger soll das neue Marienhafer Feuerwehrhaus gebaut werden. Foto: Thomas Dirks
Auf dieser Fläche an der Kirchstraße in Osterupgant gegenüber der Baustoffhandlung Jungenkrüger soll das neue Marienhafer Feuerwehrhaus gebaut werden. Foto: Thomas Dirks

Dort brodelt es bereits seit Jahren, entwickelten sich die Dinge nicht wie geplant: Aus der Zentralfeuerwehr am Tjücher Moortun, dort, wo nun die neue Sportstätte entsteht, wurde nichts. Auch nichts aus dem neuen Standort an der Kirchstraße in Marienhafe, dafür wenige Hundert Meter an der Kirchstraße in Upgant-Schott. Für den Bau des neuen Feuerwehrstandorts Ost hat die Samtgemeinde auf Empfehlung eines Brandschutzprüfers 2022 dort eine 6500 Quadratmeter große Fläche gegenüber der Baustoffhandlung Jungenkrüger gekauft (wir berichteten). Viele Marienhafer Feuerwehrangehörige haben damit nach wie vor ein Problem.

Auch das trägt zur Unruhe in den Reihen der mit knapp 40 aktiven Brandbekämpfern drittgrößten Brookmerlander Feuerwehr bei. Die sorgte zuletzt mit ungewöhnlichen Personalien für Aufsehen. Nach dem überraschenden Rücktritt von Ortsbrandmeister Reinhold Ommen wurde 2023 dessen erst 2022 abgewählter Vorgänger Uwe de Vries wieder Feuerwehrchef. Damit bestand aus Sicht der obersten Feuerwehrführung die berechtigte Hoffnung, dass die seit Längerem aufgewühlte Marienhafer Feuerwehr nach turbulenten Monaten endlich wieder zur Ruhe kommen sollte. Kam sie aber offenbar nicht.

Erst im dritten Anlauf gewählt

Noch immer gibt es sich unversöhnlich, das gegenüberstehende Lager. Jüngstes unrühmliches Beispiel für die Stimmungslage: In der Jahresversammlung der Wehr wurde, wie Teilnehmer berichten, ein Kassenprüfer erst im dritten Wahlgang gewählt und traten Meinungsverschiedenheiten offen zu Tage. Und das im Beisein von Gemeindebrandmeister Klaus-Dieter Cassens, Brookmerlands Vize-Verwaltungschef Jochen Behrends und dem für die Feuerwehren zuständigen Ordnungsamtsleiter Guido Feldmann. Die wurden nach ON-Information daraufhin aktiv und engagierten mit dem von der Samtgemeinde beauftragten Brandschutzprüfer einen Mediator. Der soll nun in Kürze zwischen den Fraktionen innerhalb der Wehr vermitteln und in Einzelgesprächen mit ihren Mitgliedern versuchen, zu schlichten. Dass der „Externe“ es schafft, wieder Ruhe in den Laden zu bringen, halten einige bei der Feuerwehr für noch lange nicht ausgemacht.

Offiziell hält man sich mit Einschätzungen zurück: Ortsbrandmeister Uwe de Vries sagte auf Anfrage, er gebe keine Auskunft. Das sei jetzt Sache der Samtgemeindeverwaltung.

Brookmerlands Gemeindebrandmeister Klaus-Dieter Cassens (hier bei einem Einsatz 2022, rechts) verweist an Ordnungsamtsleiter Guido Feldmann. Foto: Thomas Dirks
Brookmerlands Gemeindebrandmeister Klaus-Dieter Cassens (hier bei einem Einsatz 2022, rechts) verweist an Ordnungsamtsleiter Guido Feldmann. Foto: Thomas Dirks

Ähnlich äußerte sich Brookmerlands Gemeindebrandmeister Klaus-Dieter Cassens. „Kein Kommentar“, sagte er und verwies an Ordnungsamtschef Feldmann. Der habe allen Brookmerlander Feuerwehrangehörigen untersagt, der Presse Auskünfte zu geben. Alle Veröffentlichungen der Feuerwehr, auch die des Gemeindefeuerwehrsprechers Carsten Redenius, sollen künftig zunächst auf Feldmanns Schreibtisch landen und erst danach rausgehen.

Auslöser dieses „Maulkorb-Erlasses“ soll eine Pressemitteilung der Feuerwehr zum neuen, 303.080 Euro (netto) teuren Mittleren Löschfahrzeug (MLF) für die Ortsfeuerwehr Leezdorf in dieser Woche gewesen sein (wir berichteten), die Feldmann offenbar nicht passte. Vor der Feuerwehr hatten diese Nachricht allerdings bereits die SPD und danach auch die Gruppe BWG/SEB, BfB und CDU im Rat der Samtgemeinde Brookmerland in sozialen Netzwerken verbreitet.

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