Nuuk  Eine Woche nach Vance besucht Dänemarks Regierungschefin Grönland: Wer überzeugt in Nuuk?

Jens Mattern
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Von Jens Mattern
| 03.04.2025 17:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen beim Besuch in Nuuk. Foto: IMAGO/Ritzau Scanpix
Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen beim Besuch in Nuuk. Foto: IMAGO/Ritzau Scanpix
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In Nuuk ist Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen auf heikler Mission. Der Streit um Grönlands Unabhängigkeit und die Annexionspläne der USA spitzen sich immer weiter zu – Geopolitik und der Kampf um wertvolle Ressourcen sind nur zwei politische Schlachtfelder, auf denen Frederiksen kämpfen muss.

Das Patrouillenschiff „Widder“ der dänischen Marine gleitet durch den von schneebedeckten Hängen flankierten Fjord der grönländischen Hauptstadt Nuuk. Mit an Bord sind an diesem sonnigen Donnerstag die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen, der scheidende Regierungschef Grönlands, Mute B. Egede, der kommende Premier Jens-Frederik Nielsen und die Hoffnung, dass es für beide Länder eine verträgliche Lösung über den Status des arktischen Gebiets gibt.

„Die USA werden Grönland nicht übernehmen“ erklärte die dänische Sozialdemokratin zum Auftakt ihres Aufenthalts bis Freitag. Ein Besuch, der eine Reaktion auf die Visite von US-Vize JD Vance gedacht ist. Jener hatte in der vergangenen Woche auf dem US-Militärflughafen „Pittufik“ im Norden der Insel Dänemark die Kompetenz abgesprochen, Grönlands Sicherheit gewährleisten zu können. Dänemark verantwortet dies sowie die Außenpolitik des Gebiets, deren Bevölkerung allerdings eine vollständige Unabhängigkeit anstrebt.

Nun hat Kopenhagen mit Nielsen, der nach den Wahlen Anfang März bald mit einer großen Koalition dem halbautonomen Land vorstehen wird, einen pro-dänischen Partner zur Hand, der es mit der nationalen Souveränität der Eisinsel langsam angehen will. Doch einfach wird das Verhältnis zwischen dem skandinavischen Land und seiner ehemaligen Kolonie auf keinen Fall. Dies zeigt schon das Verhalten von Vivian Motzfeld, der amtierenden und künftigen Außenministerin. Sie kritisierte den Frederiksen-Besuch als zu früh, da die Regierung in Nuuk noch nicht vereidigt sei.

Was jedoch weit schwerer wiegt – die Chefin der sozialdemokratischen Partei Simuit gab vor dem Besuch von Frederiksen dem chinesischen Medienunternehmen Xinhua ein Interview, bei dem sie erklärte, „dass die Verstärkung der Beziehung zu China“ eine Priorität sei. Und damit, so warnt die dänische Zeitung „Berlingske“, gibt sie Donald Trump ein Argument in die Hand, den Druck zu erhöhen, Grönland zu einem Teil der USA machen zu wollen. Denn der 78-Jährige argumentiert mit der Präsenz der Chinesen und Russen in der Arktis, Grönland sogar mit Waffengewalt unter Kontrolle zu bringen.

Sicher ist, dass chinesische Bergbauunternehmen ein großes Interesse am Abbau der Bodenschätze haben, im Süden der Insel soll sich ein Fünftel des Weltbestands an „Seltenen Erden“ befinden. Auch dies ist konträr zu US-Interessen. Frederiksen muss jedoch auch die dänischen Wähler fürchten. Denn bislang erhielt die Insel mit den Einkommensquellen Fischfang und Tourismus jährlich umgerechnet 500 Millionen Euro, auch um einen Fürsorgestaat nach skandinavischem Modell aufrechtzuerhalten. Sollte nun Grönland aus der sogenannten „Reichsfolgegemeinschaft“ ausscheren, ist eine solche Unterstützung politisch nicht mehr haltbar.

In den Gesprächen mit Nielsen muss die Dänin Zugeständnisse machen, um weiter als Partner attraktiv zu bleiben. Zwar wollen 85 Prozent der 57 000 Grönländer keine Amerikaner werden, dies wollen auch die regierenden Parteien nicht, jedoch ist das Interesse an wirtschaftlichen Kontakten weiter präsent. Nach Presseberichten soll im Weißen Haus eine Offerte an die Grönländer vorbereitet werden, welche weit über der dänischen Zuwendung liege. Bezeichnenderweise steht während des NATO-Treffens am Donnerstag das Thema „Grönland“ nicht auf der Agenda, sodass NATO-Generalsekretär Mark Rutte zu den Annexionsplänen der USA keine Stellung nehmen muss.

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