Hamburg  Zu schweres Mathe-Abitur? Hunderte Beschwerden, bevor die Prüfung überhaupt stattfand

Patrick Kern
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Von Patrick Kern
| 04.04.2025 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Mathematik-Abitur sorgt regelmäßig für Aufregung unter den Schülern. Foto: dpa/Hendrik Schmidt
Das Mathematik-Abitur sorgt regelmäßig für Aufregung unter den Schülern. Foto: dpa/Hendrik Schmidt
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Kurioser Fall ums Mathe-Abitur: Deutschlandweit gibt es in Form von Petitionsunterschriften Hunderte Beschwerden über die Schwierigkeit der diesjährigen Abschlussprüfung. Das Verwunderliche: Die Prüfung fand noch gar nicht statt. Was steckt dann dahinter?

In fast allen Bundesländern finden die Abiturprüfungen im Fach Mathematik am 9. Mai statt, nur Sachsen zückt Stift und Taschenrechner schon am 17. April. Die meisten Schüler haben also noch gut einen Monat Zeit, für ihre Klausur fleißig zu büffeln.

Manche darunter wollen allerdings schon jetzt wissen, dass die Aufgaben in der bevorstehenden Prüfung unverhältnismäßig schwer werden. Daher sind bereits Petitionen im Umlauf, die den Schwierigkeitsgrad der noch unbekannten Mathe-Klausuren anprangern und eine Noten­anpassung fordern. Doch wer hat die Petitionen ins Leben gerufen – und wie viel Ernst steckt hinter dieser Kritik?

Der Petitionsverantwortliche ist kein Unbekannter. Es handelt sich hierbei um den Influencer Levi Penell, der auf Instagram und Tiktok Hunderttausende Follower hinter sich vereint. Penell hat im vergangenen Jahr unter anderem mit seiner Suche nach dem „Boomer-Wort des Jahres“ für Aufmerksamkeit gesorgt. Dieses war als Gegenstück zum „Jugendwort des Jahres“ gedacht.

Nun aber rücken die Mathe-Abiturienten in seinen Fokus. „In einem Monat ist in ganz Deutschland Mathe-Abi – und das heißt vor allem eine Sache: Bald kommt wieder die Zeit der Petitionen, dass das Mathe-Abi zu schwer war“, sagt er zu Beginn eines seiner neuesten Videos. Weil diese Petitionen jedoch zeitaufwendig zu erstellen sind, habe er das bereits als „Service“ für die Schüler übernommen. Eine solche Petition gibt es inzwischen für jedes Bundesland.

In Anbetracht seiner üblichen Videoinhalte und auch des Veröffentlichungsdatums – der 1. April – darf dies allerdings als Scherzaktion bewertet werden. Dennoch erklärt er amüsant weiter: „Nach der Prüfung muss das Zack-Zack gehen. Wenn man da erst anfängt mit Unterschriften sammeln – das dauert so lange. Und wenn man da schon eine Petition hat, ist man einfach diesen einen entscheidenden Schritt voraus.“

Einige seiner Follower ziehen bei dem Scherz trotzdem mit. Allein in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen haben jeweils mehr als 500 Menschen die Petition unterzeichnet.

Beschwerden über den Schwierigkeitsgrad des Mathematik-Abiturs gibt es immer wieder. So kam es unter anderem im Jahr 2019 zu vergleichbaren Petitionen, die von Zehntausenden Schülern in zehn Bundesländern unterschrieben wurden. Hier verzeichneten die Abiturienten einen Teilerfolg: Nach entsprechender Prüfung durch die Schulbehörden wurde die Benotung in Hamburg, Bremen und dem Saarland angepasst. In Niedersachsen und Bayern blieb man bei der ursprünglichen Bewertung.

Auch zwei Jahre später, inmitten der Corona-Pandemie, gab es in Bayern einen Aufschrei unter den Mathe-Prüflingen. Doch der damalige bayerische Kultusminister Michael Piazolo ließ sich davon nicht beeindrucken. So wollte er den Vorwurf, die Schüler seien durch den Corona-bedingten Distanzunterricht schlecht vorbereitet gewesen, nicht gelten lassen. Entsprechend sah das Ministerium auch keinen Handlungsbedarf bei einer Anpassung der Bewertung.

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