Berlin Das sind die fünf kuriosesten Abi-Pannen in Deutschland
Die Anspannung in der Abiturprüfung dürfte bei den meisten Schülern enorm hoch sein. Umso ärgerlicher ist es, wenn es zu Fehlern in den Abläufen kommt. Doch das passiert erstaunlich häufig.
Sie haben monatelang gelernt und auf diesen Augenblick hingefiebert: Für mehr als 30.000 Schüler in Niedersachsen haben die Abiturprüfungen begonnen. Zum Start gab es jedoch gleich einen Dämpfer. Wie das Kultusministerium am Mittwoch erklärte, waren bestimmte Zahlen in der Prüfung für das Fach Erdkunde falsch.
Konkret ging es um die Energiestrategie der Republik Senegal, zu der die Schüler unter anderem statistische Daten über das Land erhielten. Darin seien die Warenexporte und –Importe vertauscht gewesen. Obwohl den Schülern durch den Fehler keine Nachteile entstehen sollen, dürfte der Ärger bei einigen dennoch groß sein.
Zumal es längst nicht die erste Panne ist, die den Verantwortlichen bei den Abiturprüfungen unterlaufen ist. Wir werfen einen Blick auf die kuriosesten Fälle in den vergangenen Jahren.
Worum genau mag es thematisch in den einzelnen Prüfungen gehen? Darüber zerbrechen sich viele Schüler in den Wochen vor dem Abitur den Kopf. 2016 gaben die Verantwortlichen in Berlin den Prüflingen ungewollt einen Tipp. Einige Tage vor dem geplanten Termin der Biologie-Abiturprüfung wurden auf dem offiziellen Bildungsserver Berlin-Brandenburg versehentlich Informationen und Materialien veröffentlicht, die konkrete Hinweise auf die kommenden Prüfungsthemen gaben.
Zwar reagierte die Senatsverwaltung relativ schnell und entfernte die betreffenden Informationen wieder von der Internetseite. Allerdings war die Verunsicherungen unter vielen Schülern groß. Es stellte sich die Frage, ob weiterhin eine Chancengleichheit besteht, wenn einige Prüflinge die Materialien auf der Website gesehen haben und andere wiederum nicht. Zu einer Wiederholung der Prüfung kam es jedoch nicht.
Drei Jahre nach diesem Fall unterlief den Verantwortlichen in Thüringen ebenfalls eine Panne bei der Abiturprüfung im Fach Mathematik. An einigen Gymnasien wurden versehentlich Aufgaben aus dem vorherigen Abiturjahrgang anstelle der aktuellen Aufgaben für 2019 verwendet. Ursache waren offenbar Probleme bei der Verteilung der Prüfungsunterlagen durch das zuständige Ministerium.
Um die Chancengleichheit wiederherzustellen und faire Prüfungsbedingungen zu gewährleisten, entschied das Thüringer Bildungsministerium, dass die betroffenen Schüler die Mathematik-Abiturprüfung wiederholen mussten.
Gefühlt jedes Jahr kommen Beschwerden auf, wonach die Abituraufgaben im Fach Mathematik zu schwer waren – so auch in Bayern vor vier Jahren. Viele Schüler empfanden die Aufgaben als deutlich härter als in den Vorjahren. Sogar einige Lehrer schätzten den Schwierigkeitsgrad als ungewöhnlich hoch ein. Kurzerhand starteten einige Prüflinge eine Online-Petition mit der Forderung nach einer angepassten Bewertung beziehungsweise neuen Abi-Klausuren.
Doch der damalige bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) ließ sich davon nicht beeindrucken. So wollte er den Vorwurf, die Schüler seien durch den Corona-bedingten Distanzunterricht schlecht vorbereitet gewesen, nicht gelten lassen. Entsprechend sah das Ministerium auch keinen Handlungsbedarf bei einer Anpassung der Bewertung.
Die Durchführung einer Abiturprüfung ist mit einem enormen logistischen Aufwand verbunden. Das bekamen im Jahr 2023 auch einige Schulen in Nordrhein-Westfalen zu spüren. Am Morgen des geplanten Prüfungstermins für mehrere Fächer (betroffen waren unter anderem Deutsch und Mathematik) kam es zu massiven Problemen beim Zugriff auf die Server des Schulministeriums in NRW.
Die Folge: Die Schulen konnten die zentral bereitgestellten Abituraufgaben nicht oder nur sehr langsam herunterladen, sodass die Prüfungen nicht pünktlich beginnen konnten. Entsprechend musste improvisiert werden. In einigen Fällen wurden die Aufgaben gar telefonisch diktiert oder per Fax übermittelt. Teilweise mussten die Prüfungen an besonders betroffenen Schulen kurzfristig auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.
Bei der kürzlichen Abi-Panne in Niedersachsen dürften viele Menschen in ein Déjà-vu gehabt haben. Denn erst im vergangenen Jahr hatte es einen Zwischenfall bei der Durchführung der Prüfungen gegeben. Im April 2024 waren Unbekannte in ein Gymnasium in Goslar eingebrochen. Aus einem Tresor entnahmen sie die Prüfungsbögen für das Fach Politik und verteilten sie anschließend auf dem Schulhof.
So gelangten die Unterlagen rasch landesweit in Umlauf. Das Kultusministerium Niedersachsen entschied kurzerhand, dass die Gymnasien die Ersatzklausuren nutzen sollen. Diese waren eigentlich für Nachschreibtermine gedacht.