Osnabrück Familien müssen draußen bleiben – die neue deutsche Kinderfeindlichkeit
Die Kinderfeindlichkeit in der deutschen Öffentlichkeit nimmt zu: Ob im Museum oder im Restaurant, Familien fühlen sich immer öfter unerwünscht. Diese Entwicklung ist erschreckend. Aber es gibt Lichtblicke.
„Achtung, Familie unerwünscht!“ Das Gefühl, mit Kindern in der Öffentlichkeit zunehmend als Belästigung wahrgenommen zu werden, beschleicht mich immer häufiger.
Vergangene Woche erlebten wir einen solchen Moment in einem Museum an der Nordseeküste. Dieses Schifffahrtsmuseum – das sich übrigens selbst als „besonders kinderfreundlich“ anpreist – sollte unser Highlight am regnerischen Vormittag werden. Wir waren keine zehn Minuten dort, als die Leiterin einer Führungsgruppe meine Kinder harsch zurechtwies: „Ihr seid zu laut! Die Teilnehmer verstehen mich so schlecht!“ Wir hatten uns begeistert über ein Ausstellungsstück unterhalten.
Für unsere beiden Kinder war es genauso irritierend, wie für mich. Eine Mitarbeiterin dieses „kinderfreundlichen“ Museums hatte ihnen gerade vermittelt, dass ihr kindlicher Enthusiasmus unerwünscht sei.
Es ist ein Trend, der sich nicht nur in Museen zeigt. Kürzlich hat meine Kollegin Julia Falkenbach über die „neue Ungastlichkeit“ in Restaurants geschrieben. In ihrem Text schreibt sie: „Strafen für verfallene Reservierungen, Laptopverbot im Café, begrenzte Essenszeiten und Trinkgeldforderungen bei Selbstbedienung: Haben Gastronomen vergessen, wie Gastlichkeit funktioniert?“
Als Familienvater möchte ich ergänzen: Zunehmend mehr Restaurants signalisieren – manchmal subtil, manchmal erschreckend direkt –, dass Familien mit Kindern dort nicht erwünscht sind. Die skeptischen Blicke beim Betreten, die genervten Seufzer, wenn der Kinderstuhl aufgestellt werden soll – wenn es überhaupt einen gibt. Der Kreuzfahrtveranstalter Tui Cruises wirbt mit expliziten „Adults Only“-Reisen – und storniert Familien bereits gebuchte Urlaube.
Ich frage mich: Muss eine ganze demografische Gruppe pauschal ausgeschlossen werden? Als wären Familien mit Kindern grundsätzlich ein Störfaktor?
Zum Glück gibt es noch Lichtblicke. In derselben Küstenstadt, in der wir die Museumserfahrung gemacht hatten, entdeckten wir abends ein italienisches Restaurant. Der Laden war voll, aber als die Wirtin uns mit den beiden müden Kindern sah, organisierte sie sofort einen Extra-Tisch für uns. „Für Familien haben wir immer Platz!“, sagte sie mit breitem Lächeln.
Die Bedienung begegnete uns herzlich, schaute immer wieder nach dem Rechten, ertrug geduldig unsere Unentschlossenheit bei der Bestellung und scherzte mit den Kindern. Das Essen war fantastisch, die Atmosphäre warm, und am Ende ließen wir ein großzügiges Trinkgeld da – nicht nur wegen des guten Essens, sondern weil wir als Familie willkommen waren.
Was die Wirtin begriffen hat und viele andere Gastronomen, Museumsbetreiber und Hoteliers offenbar vergessen haben: Kinder sind keine Störfaktoren, sondern künftige Gäste. Die Kinder, die schöne Erinnerungen an die Zeit an der Küste haben, kommen später als Erwachsene mit eigenen Kindern wieder. Macht es wie die italienische Wirtin – „für Familien ist immer Platz!“