Schapen  Tomatenpflanzen selbst vorziehen: Tipps für Hobbygärtner vom Tomaten-Experten

Arlena Schünemann
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Von Arlena Schünemann
| 02.04.2025 11:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Vom Samenkorn bis zur reifen Frucht: Tomatenpflanzen sind bei vielen Gartenfreunden beliebt. So gelingt die Voranzucht. Foto: Imago/Zoonar.com/Peter Himmelhuber
Vom Samenkorn bis zur reifen Frucht: Tomatenpflanzen sind bei vielen Gartenfreunden beliebt. So gelingt die Voranzucht. Foto: Imago/Zoonar.com/Peter Himmelhuber
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Selbstangebaute Tomaten schmecken meist am besten – vor allem, wenn man die Pflanze sogar selbst ausgesät hat. Doch was gilt es bei der Voranzucht zu beachten? Tomaten-Experte Tim Schniedergers gibt Hobbygärtnern Tipps.

Tomatenpflanzen sind bei vielen Hobby-Gemüseanbauern beliebt. Setzlinge verschiedener Sorten gibt es im Frühjahr in Gärtnereien oder Fachmärkten zu kaufen. Man kann die Pflanzen jedoch auch selbst vorziehen. Doch wann sollte man mit der Aussaat beginnen? Und unter welchen Bedingungen gedeihen die Tomaten am besten?

Tim Schniedergers ist leidenschaftlicher Tomaten-Fan. Geerbt hat der gebürtige Emsländer die Begeisterung auch von seinem Großvater Carl, der mehr als sieben Jahrzehnte lang seine eigene Tomatensorte – die Carls Emslandtraube – in seinem Garten in Schapen gezüchtet hat. Rund ums Thema Voranzucht beantwortet Tim Schniedergers die wichtigsten Fragen.

In südlichen Ländern können Tomaten im Frühjahr direkt im Freien ausgesät werden. Da die Sommer in Deutschland dafür zu kurz sind, ist man auf eine Voranzucht angewiesen, wie Tim Schniedergers erklärt. Ins Freie sollten die Tomatenpflanzen nämlich erst umziehen, wenn es mit Sicherheit nicht mehr friert. „Das ist erst nach den Eisheiligen gegeben, also ab Mitte Mai“, bezieht sich Schniedergers auf die Bauernregel.

„Tomaten sind recht schnell in der Entwicklung, sie brauchen etwa sechs bis acht Wochen in der Voranzucht“, erläutert er. Um sie Mitte Mai auspflanzen zu können, sollte man also frühestens Mitte März mit der Aussaat beginnen.

In einem Gewächshaus können die Setzlinge allerdings schon Mitte April ausgepflanzt werden, ergänzt Schniedergers. In dem Fall können die Pflanzen bereits einen Monat vorher, also ab Mitte Februar, vorgezogen werden.

Für die Voranzucht empfiehlt Tim Schniedergers eine Saatschale, die mit etwa drei Zentimetern feuchter Erde gefüllt wird. Die Saatkörner sollten etwa einen halben bis einen Zentimeter tief und mit etwas Abstand zueinander in die Erde gedrückt werden. Wer sich später einen Schritt beim Umtopfen sparen möchte, kann die Pflanzen auch direkt einzeln in Anzuchttöpfen aussäen.

Der Standort sollte möglichst hell und sonnig sein. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Pflanzen „vergeilen“, wie der Fachmann es nennt. „Sie wachsen dann sehr stark in Richtung Licht und kriegen dadurch einen langen, dünnen Stängel. Das werden keine stabilen Pflanzen“, erklärt Schniedergers. Alternativ könne man mit einer Pflanzenlampe nachhelfen.

Ein entscheidender Faktor in der Anfangsphase ist die Temperatur. Für die Keimung mögen es Tomaten warm, „zwischen 20 und 25 Grad“, so Schniedergers. „Aber sobald sie gekeimt sind, sollten sie kühl stehen, zwischen 14 und 18 Grad.“ Das sei wichtig, damit die Pflanzen kompakt und stabil wachsen. Wintergärten oder Treppenhäuser seien etwa als Standort geeignet – sofern es dort ausreichend hell ist.

Sobald es im Freien warm genug ist, kann man die Keimlinge auch tagsüber regengeschützt nach draußen stellen. „Aber man sollte langsam anfangen, denn die Pflanzen müssen sich erst an das UV-Licht gewöhnen“, warnt Schniedergers. Ansonsten könnten Blattschäden entstehen.

Auch nach dem Auspflanzen gilt: Der Standort sollte so sonnig wie möglich sein. Das benötigen die Pflanzen für die Zuckerproduktion und die Bildung der Geschmacksstoffe, weiß Schniedergers. Allerdings sollten die Pflanzen vor Regen geschützt werden, denn bei Feuchtigkeit sind sie anfällig für Pilzkrankheiten, wie etwa die Kraut- und Braunfäule.

Für die Aussaat ist spezielle Anzuchterde gut geeignet, erklärt Schniedergers. Die darin enthaltenen Nährstoffe sind für die zarten Keimlinge ausreichend. Beim Umsetzen in den Anzuchttopf sollte man auf Gemüseerde zurückgreifen. Diese sei vorgedüngt und biete den jungen Pflanzen genügend Nährstoffe. „In der ersten Zeit sollte man daher gar nicht zusätzlich düngen“, so der Tomaten-Experte.

Ist die Pflanze ausgewachsen und bildet Früchte, benötigt sie mitunter einen Nachschub an Nährstoffen. In diesem Fall empfiehlt Schniedergers vor allem für Anfänger einen Volldünger für Gemüse oder speziell für Tomaten. Dieser enthält Hinweise zur korrekten Dosierung. Wer sich in der Thematik auskennt, kann auch auf biologischen Dünger, beispielsweise aus Brennnesseljauche, zurückgreifen.

Für die Keimung sollte die Erde in der Saatschale ausreichend feucht gehalten werden. Im frühen Stadium ist beim Gießen allerdings Vorsicht geboten, damit die Samenkörner und Keimlinge nicht freigeschwemmt werden, warnt Schniedergers. Sein Tipp: eine Sprühflasche verwenden.

„Tomaten stammen aus den Halbwüsten Südamerikas und kommen daher grundsätzlich mit weniger Wasser klar“, führt der Tomaten-Fan aus. Er rät daher, die Erde eher trocken zu halten. Vor allem im Anfangsstadium sorge das für ein stabileres Wurzelwachstum, weil die Pflanzen nach Wasser suchen.

Beim Umsetzen in den Anzuchttopf und später beim Auspflanzen sollte man sie aber einmal kräftig angießen, damit sich die Erde gut an die Wurzeln setzt. „Danach kann man abwarten, bis die Blätter leicht schlaff werden und dann wieder einmal kräftig gießen“, erläutert Schniedergers.

Sparsames Gießen hat nämlich noch einen Vorteil: „Dadurch schmecken die Tomaten später aromatischer“, weiß Schniedergers. Denn hat die Pflanze viel Wasser zur Verfügung, lagert sie es in den Früchten ein, wodurch diese verwässern.

Eine Ausnahme bildet die Tomatenpflanze im Topf. Dort sollte etwa das untere Drittel der Erde stets etwas feucht sein. „Sonst wird die Nährstoffzirkulation unterbrochen und es können Gewebeschäden an den Früchten entstehen“, weiß Schniedergers.

„Tomatensamen keimen recht schnell, meist in vier bis sieben Tagen“, erklärt der Tomaten-Experte. Für den passenden Zeitpunkt zum Umtopfen kann man sich am Blattwachstum orientieren. Denn wie die meisten Pflanzen bilden Tomaten zunächst Keimblätter, die an ihrer ovalen Form zu erkennen sind. „Nach ein bis zwei Wochen kommt dann das erste normale Blattpaar, das typisch für die Tomatenpflanze ist“, beschreibt Schniedergers. Ab diesem Zeitpunkt sollten die Sämlinge in Anzuchttöpfe umziehen.

Dabei sollte man allerdings darauf achten, die Pflanzen nicht zu beschädigen. Tim Schniedergers verwendet dazu gern ein altes Tafelmesser oder einen Teelöffel, um die Sämlinge aus der Erde zu heben. „Am besten sollte man die Pflanze dabei gar nicht anfassen, höchstens an den Keimblättern“, erklärt er. „Denn der Stängel ist noch sehr zart. Wenn er gequetscht wird, ist der Nährstofftransport unterbrochen und die Pflanze geht schnell kaputt.“

Beim Umtopfen sollte die Pflanze außerdem tiefer in die Erde gesetzt werden. „So, dass nur noch die Keimblätter aus dem Boden gucken“, beschreibt Schniedergers. „Denn die Tomatenpflanze bildet am Stängel neue Wurzeln und wird dadurch stabiler.“

Das Umsetzen an den Endstandort sollte wetterabhängig geschehen. Nach den Eisheiligen Mitte Mai können die Tomaten-Setzlinge ausgepflanzt werden.

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