Osnabrück Das Versagen der Nachrichtendienste in sechs Teilen: Diese Serie sollten Sie nicht verpassen
Der ARD-Politthriller "Das zweite Attentat" mit Desirée Nosbusch rollt das Versagen des BND auf, das mitverantwortlich für den Irak-Krieg war.
Als Kind musste Alex Jaromin (Noah Saavedra) vor 20 Jahren erleben, wie sein Vater und seine Schwester auf offener Straße ermordet wurden. Ein traumatisierendes Erlebnis mit weit reichenden Folgen. Seither lebt er mit seiner Mutter im Zeugenschutzprogramm und unter falschem Namen in Athen. Die Tat, so heißt es, gehe auf das Konto serbischer Nationalisten, die sich an Alex‘ Vater wegen dessen Einsatz im Kosovo-Serbien-Konflikt rächen wollten. Wirklich?
Als seine Mutter stirbt, findet Alex in ihren Hinterlassenschaften einige Hinweise, dass das so nicht stimmen kann. Offensichtlich war sein Vater Frank (Daniel Lommatzsch) gar kein einfacher Gebirgsjäger. Und möglicherweise lebt er sogar noch. Eine erste Spur führt Alex zu Ivo Rebic (Luc Schiltz), einen Kameraden seines Vaters, den Alex für dessen Mörder hält. Aber Ivo, der ein einsames Einsiedlerdasein in irgendeiner Waldhütte führt, beteuert seine Unschuld.
Noch ahnt Alex nicht, dass er längst ins Visier des BND und anderer Geheimdienste geraten ist. Und je mehr er recherchiert, desto näher kommt er einer tödlichen Lüge, die letztendlich den Irakkrieg 2003 ermöglicht hat. Damals hatte ein Informant mit dem Decknamen „Curveball“ dem BND Behauptungen unterjubelt, die belegen sollten, dass der Irak fleißig mit der Produktion von Massenvernichtungswaffen beschäftigt sei. Eine glatte Lüge, wie heute jeder weiß. Aber ganz offensichtlich war Alex‘ Vater als Scharfschütze damals maßgeblich daran beteiligt, die Wahrheit zu töten. Und diese Wahrheit darf auch jetzt niemals ans Licht kommen.
Bereits vor vier Jahren kam mit dem Film „Curveball“ ein Film in die Kinos, der sich in Form einer bitterbösen Satire diesem traurigen Tiefpunkt deutscher Geheimdienste widmete. Jetzt weitet Chef-Drehbuchautor Oliver Bottini das Versagen der Geheimdienste zu einer sechsteiligen Thrillerserie aus, die zwischen Gegenwart und den Ereignissen im Jahr 2003 pendelt. Dabei verzichtet die Produktion unter der Regie von Barbara Eder und Philipp Osthus auf jegliche Formen von Ironie und Satire. Schon lange nicht mehr hat man eine solch durchgehend bierernst erzählte Serie zu sehen bekommen wie diese ARD-High-End-Produktion „Das zweite Attentat“.
Für Spannung und allerlei Wendungen in diesem Politthriller um Loyalität, Lügen und Verrat ist auf jeden Fall gesorgt. Insbesondere das Spiel mit den verschiedenen Zeitebenen gelingt hier auf eine sehr reizvolle Art und Weise. Eine Herausforderung nicht nur für die Maskenbildner, die 20 Jahre Unterschied bei zahlreichen Darstellern glaubhaft erscheinen lassen mussten.
Wobei dann auch die hochkarätige Besetzung bis in die Nebenrollen überzeugt. Insbesondere Desireé Nosbusch als BKA-Beamtin Hanne Lay, die einst den vermeintlichen Zeugen „Curveball“ überprüfen sollte und dabei vom BND nach allen Regeln der Kunst ausgebremst wurde, überzeugt in ihrem Ringen zur Aufdeckung eines ungeheuerlichen Skandals. Und Jakob Diehl als äußerlich unscheinbarer ehemaliger BND-Mitarbeiter und nun ambitionierter Polit-Profi Josef Bardeaux wirkt erschreckend authentisch.
Bestseller-Autor Bottini, der nach eigenen Angaben „zwei, drei Jahre lang“ parallel am Drehbuch und einer Romanfassung gearbeitet hat, hat sich während dieser Arbeit autodidaktisch und in Workshops zum Drehbuchautor weitergebildet. Und dabei einige Erkenntnisse gewonnen. „Meistens wollte der Romanautor anders als der Drehbuchautor“, schreibt er in einer WDR-Pressenotiz. „Eigentlich kein Wunder angesichts der großen Unterschiede zwischen den beiden Disziplinen, aber es hat eine Weile gedauert, bis ich damit umgehen konnte“. Die Romanfassung des Polit-Thrillers ist im Dumont-Verlag unter dem Titel „Einmal noch sterben“ erschienen.
„Das zweite Attentat“. ARD Mediathek ab Mittwoch, 02. April. Linear am 09. und 11. April im Ersten.