Kriminalstatistik  Rädelsführer der Norder Marktplatzszene in Haft

| | 28.03.2025 10:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Rund um den Marktpavillon halten sich immer wieder Gruppen auf. Im Jahr 2023 fiel eine besonders große Gruppe sehr negativ auf. Foto: Rebecca Kresse
Rund um den Marktpavillon halten sich immer wieder Gruppen auf. Im Jahr 2023 fiel eine besonders große Gruppe sehr negativ auf. Foto: Rebecca Kresse
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Nach zahlreichen Vorfällen am Norder Marktplatz sind die Rädelsführer in Haft. Die Kriminalität ist rückläufig. Zusätzlich gibt es Maßnahmen, mit der die Polizei die Jugendlichen unterstützen will.

Norden - Immer wieder gab es Ärger am Norder Marktplatz. Nachrichten von Überfällen machten die Runde. Die Bürger fühlten sich nicht mehr sicher. Eine Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen sorgte für Ärger. Im Jahr 2023 erreichten die Zahlen der Straftaten, aber auch der Beschwerden der Bürger ihren Höhepunkt. Doch das ist nun vorbei. Die Polizei hat die Marktplatz-Szene, wie die Beamten sie selber nennen, gesprengt. Und nicht nur das: Die Rädelsführer sind im Jugendarrest beziehungsweise in Haft. Seitdem ist wieder Ruhe eingekehrt, sagte Polizeioberrat und Leiter des Polizeikommissariats Norden Ingo Brickwedde in dieser Woche bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2024 für Norden.

„Wir haben die Rädelsführer der Marktplatzszene von der Straße geholt“, sagte der Erste Kriminalhauptkommissar Michael Pape, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes. Dabei hätten alle zusammengespielt inklusive der Justiz. Die Rädelsführer seien nicht ohne Grund inhaftiert, denn sie haben laut Pape „massivst die Grenzen überschritten“. Das habe auch die Raubtaten in der Statistik nach oben getrieben. Das blieb auch in der Bevölkerung nicht ohne Folgen.

Polizeichef: Sicherheitsgefühl in Norden war gestört

„Das subjektive Sicherheitsgefühl in Norden, das geprägt ist von persönlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen, war gerade im Jahr 2023 massiv ins Wanken geraten – auch durch unsere Marktplatz-Szene, durch schwadronierende Jugendliche hier in Norden“, sagte Ingo Brickwedde. Das mache etwas mit Menschen. Und die würden dann nicht mehr differenzieren, dass es nur am Marktplatz so ist, sondern es werde verallgemeinert.

Auch im Zuge der Polizeiarbeit rund um den Marktplatz ist die Zahl der Raubstraftaten um rund 57 Prozent auf insgesamt 37 Taten gesunken. Im Jahr 2023 waren es noch 86. Dreiviertel der Taten konnten laut Polizei aufgeklärt werden. Auch die registrierten Sachbeschädigungen nahmen deutlich um 150 Taten ab, von 593 Taten in 2023 auf 443 Taten in 2024 (minus 25,30 Prozent).

Natürlich wachse auch in diesen Szenen wieder was nach, sagte Pape, „da müssen wir uns nichts vormachen“. Die Marktplatzszene sei keine feste Szene. Das sei ein Kommen und Gehen. Das seien problembehaftete Familien. „Da kommen neue Kinder dazu. Die werden dann auf einmal strafmündig und tauchen auf in der Statistik“, so Pape. Aber die Sprengung der Marktplatz-Szene habe zur Beruhigung geführt und auch das sichtbare, das subjektive Sicherheitsgefühl wieder gestärkt. „Wenn hier weniger los ist, weniger Krawall ist, weniger Glasscherben rumliegen beobachten die Bürger das auch und nehmen das positiv wahr“, sagte Pape.

Polizei: Jugendliche wirkten überall in der Stadt negativ

„Wir reden hier nicht über zwei drei Jugendliche, die da am Marktplatz unterwegs waren“, ergänzte Brickwedde. Ursprünglich seien es drei bis vier unterschiedliche Gruppierungen gewesen, die sich dann zufälligerweise gefunden und getroffen hätten. „Und dann war es eben eine große Gruppe. Eine, die nach der Vermischung unterwegs war, ob am Marktplatz oder am Norder Tor. Überall waren sie zu sehen, überall wirkten sie negativ“, so Brickwedde. Es seien „schon teilweise ordentliche Straftaten“ gewesen, die die Polizei den eigentlichen Rädelsführern, die auch als schlechtes Vorbild fungiert hätten, zuschrieb. Teilweise seien sie auch weggezogen, das heißt, sie wurden in Einrichtungen untergebracht, außerhalb des Zuständigkeitsbereichs, erklärten die Beamten. „Siehe da, die Rädelsführer sind weg und die Trittbrettfahrer hören auf, mitzufahren. Denen fehlt das Trittbrett sozusagen, auf das sie aufspringen können“, sagte Brickwedde.

Genau um diese Jugendlichen ging es der Polizei im vergangenen Jahr auch in ihrer Präventionsarbeit. Mit einem Runden Tisch, an dem neben der Polizei verschiedene Netzwerkpartner zusammen kommen, versuchen die Beteiligten ein nachhaltiges Gerüst aufzubauen. „Wir wollen versuchen Strukturen zu schaffen für Kinder- und Jugendliche, damit da nicht mehr das passiert, was da passiert ist“, so Brickwedde. Auch mit Hilfe des Präventionsrates werde die Polizei weitere Maßnahmen treffen, in unterschiedlichen Bereichen das subjektive Sicherheitsgefühl zu stärken. „Darin liegt auch weiterhin unsere Verantwortung“, sagte Brickwedde.

Norder Polizeichef setzt Vertrauen in Jugendliche

Die Polizei will die Jugendlichen abholen, die noch Orientierung brauchen, die danach suchen, die nach Leitplanken suchen. Gemeinsam mit dem Runden Tisch gehe es jetzt darum, Begegnungs- und Bewegungsorte für Jugendliche in Norden zu schaffen. In Umfragen habe die Polizei festgestellt: Alles, was sich die Jugendlichen wünschen, sei Ort, an denen sie zusammenkommen können. „Das waren ganz einfache Dinge, die uns als Wünsche genannt wurden – ein Pavillon, wo sie windgeschützt sitzen können, einen Bereich, wo sie Sport machen können“, sagte Brickwedde. Es seien die einfachen Dinge, die fehlen. Mit der Stadt Norden ist die Polizei deshalb dabei, was künftig in Norden sein könne. „Wir wollen einen anderen Weg für unsere Jugendlichen gehen, die wir mitnehmen wollen“, so der Norder Polizeichef.

Deshalb findet er auch den ersten Schritt der Stadt gut, die Schulhöfe nachmittags wieder für die Allgemeinheit zu öffnen. Es gebe ohnehin viel zu wenige Möglichkeiten für Jugendliche, sich auszutoben. „Wir wollen sie ja wegholen vom Handy, vom Computer raus auf die Straße. Aber dann muss man sich auch überlegen, wo sie sich aufhalten können“, sagte er. Große Sorgen, dass auf den Schulhöfen etwas passiert, hat Brickwedde nicht. „Wir müssen Vertrauen haben in die Jugendlichen und schauen, wie sie mit der Öffnung umgehen. Wenn wir den Jugendlichen das Vertrauen nicht schenken, wo sollen wir denn da ansetzen? Das ist unsere Zukunft. Da spielt Vertrauen immer eine Rolle“, sagte Brickwedde.

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