Hannover  Wegen Scheidungsdrama in die Politik: Dieser Emsländer sitzt nun für die AfD im Landtag

Jonas E. Koch
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Von Jonas E. Koch
| 27.03.2025 10:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ingo Kerzel rückt für die AfD in den Landtag nach. Foto: dpa/ Julian Stratenschulte
Ingo Kerzel rückt für die AfD in den Landtag nach. Foto: dpa/ Julian Stratenschulte
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Weil der Bippener Marcel Queckemeyer nach der Wahl in den Bundestag wechselt, wird sein Sitz im Landtag frei. Ein Tierarzt aus dem Emsland übernimmt, der wegen Entscheidungen von Jugendämtern und Familiengerichten in die Politik ging.

Der Emsländer Ingo Kerzel ist neuer Landtagsabgeordneter der AfD. Der Tierarzt aus Freren rückt für Marcel Queckemeyer aus Bippen im Osnabrücker Land nach, der nach der Bundestagswahl über die AfD-Landesliste nach Berlin wechselt.

Sein Beruf als Tierarzt sei für ihn immer Berufung gewesen, stellte sich Kerzel auf einer Pressekonferenz vor. Der gebürtige Bielefelder hat in Hannover Chemie, Physik und Tiermedizin studiert und während seines Studiums Praktika in den USA und Schweden absolviert. „Schulisch ist er auch geisteswissenschaftlich geprägt“, fügt die Pressestelle der AfD hinzu.

Zur Jahrtausendwende übernimmt Kerzel eine Tierarztpraxis in Lengerich, ist aber aufgrund seines Schwerpunktes in der Bestandsbetreuung im Nutztierbereich viel bei Landwirten in der Region im Einsatz.

Im Jahr 2014 durchlebt der Vater von drei Söhnen eine Scheidung, die ihn offenbar prägt. Er wisse inzwischen aus eigener Erfahrung, dass der Staat „die Probleme eines Elternteils ausnutzt, um vermeintlich den Kindern zu helfen, damit aber das Gegenteil bewirkt und sich keiner Kritik annimmt“, sagte er unserer Redaktion im Jahr 2022. Aus seiner Sicht zweifelhafte Entscheidungen von Jugendämtern und Familiengerichten spielten für ihn eine maßgebliche Rolle, in die Politik zu gehen.

2020 musste er seine Praxis aufgeben, seitdem bekommt er eine Berufsunfähigkeitsrente. „Da sind viele Dinge in der Vergangenheit gewesen“, erklärt er die Schließung auch mit „persönlichen Gründen“. Auch bürokratische Lasten hätten ihn zu dem Fazit geführt, „das kann ich so nicht weitermachen“, erklärte der 59-Jährige auf der Pressekonferenz.

Bei der Landtagswahl 2022 kandidierte Kerzel im Wahlkreis Papenburg als Direktkandidat und auf Platz 19 der AfD-Landesliste, was damals nicht für den Einzug in den Landtag reichte. Nun rückt er für Queckemeyer nach und wird die AfD-Fraktion im Ausschuss für Umwelt, Energie und Klimaschutz als Sprecher vertreten.

Deutlich grenzte sich Kerzel 2022 gegenüber unserer Redaktion von rechtsextremen Kräften innerhalb der AfD ab: „Das sind Sandkastenrocker. Die hauen auf den Putz, um Aufmerksamkeit zu bekommen, aber schaden damit der Partei. Auf die muss man sich nicht fokussieren.“

Ein Gespräch mit unserer Redaktion zum Einzug in den Landtag lehnte Kerzel ab. Der neue Abgeordnete bereite sich „sehr intensiv“ auf seine Abgeordnetentätigkeit beziehungsweise seine Mitarbeit im Ausschuss vor und habe daher keine Zeit.

Seine erste Rede im Landtag hielt Kerzel am vergangenen Dienstag. Beim Deichschutz attestierte der neue Abgeordnete der Landesregierung ein „bürokratisches Monster“ und forderte, „die Beiträge der Grundeigentümer effizient und gerecht einzuziehen“. Er werde sich „jeder übermäßigen Paragrafenflut entgegenstellen“.

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