Maroder Jahnplatz Keine Sportabitur-Prüfungen in Norden möglich
Die Schüler des Norder Ulrichsgymnasiums stehen vor einer Herausforderung: Die Sportplätze der Stadt stehen für ihre Abiturprüfung nicht zur Verfügung. Der Jahnplatz ist auf unbestimmte Zeit gesperrt.
Norden - Weil die Leichtathletik-Anlagen auf dem Jahnplatz in einem katastrophalen Zustand sind, können die Sport-Abiturienten des Ulrichsgymnasiums (UGN) ihre Prüfungen in diesem Jahr nicht in Norden absolvieren. Denn auch der Ausweichplatz an der Wildbahn steht mindestens in diesem Jahr wegen Sanierungsarbeiten nicht zur Verfügung. Nach Auskunft der Stadt gelten Einschränkungen für den Jahnplatz auch für den Sportunterricht im kommenden Schuljahr. Im UGN wurde deshalb landkreisweit nach anderen Möglichkeiten für die Abiturprüfungen gesucht.
Dass der Jahnplatz in einem schlechten Zustand ist, ist in Norden kein Geheimnis. Seit Jahren wird in den politischen Gremien um die Sanierung des Platzes gerungen. Mittlerweile ist der Zustand aber so schlecht, dass die Stadt Norden die Leichtathletik-Anlagen aus Sicherheitsgründen gesperrt hat. „Die Sportanlage Jahnplatz, insbesondere die Tartanbahn ist abgängig“, sagte Nico de Vries, Leiter vom Fachdienst Jugend, Schule, Sport und Kultur in Norden. Die Rundumlaufbahn ist seit vielen Jahren gesperrt. Bisher war die Innenbahn noch einigermaßen nutzbar gewesen. „Aber auch das hat sich mittlerweile geändert, sodass ich diese Anlage nicht mehr guten Gewissens für Schüler freigeben kann“, sagte de Vries. Das habe im Bereich Leichtathletik auch Auswirkungen auf den Schulsport. Der Grund dafür ist laut dem Fachdienstleiter klar: „In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist es versäumt worden, die Sanierung auf dem Jahnplatz in die Hand zu nehmen“, sagte er. Jetzt könne die Stadt Norden nicht alles gleichzeitig in Angriff nehmen. Deshalb werde nun zunächst mit der Anlage an der Wildbahn begonnen. Dort wurden in den letzten Jahren auch die Abiturprüfungen im Leistungskurs Sport abgenommen.
Jahnplatz soll nur noch für Schulsport nutzbar gehalten werden
Das geht mindestens in diesem Jahr aber auch nicht. Grund: Die Anlage an der Wildbahn wird vollständig saniert. Start der Bauarbeiten soll nach bisherigen Planungen noch im zweiten Quartal 2025 sein. An der Wildbahn wird die komplette Leichtathletikanlage saniert. Danach geht es an die Funktionsgebäude und Flutlichtanlagen. Diese Maßnahmen sind Teil des 2023 in Norden verabschiedeten Sportentwicklungsplans. Der macht aber auch deutlich: Zwei Tartan-Rundumlaufbahnen sind für eine Stadt wie Norden zu viel.
Die Anlage auf dem Jahnplatz soll deshalb lediglich für den Schulsport nutzbar gehalten werden, wie es de Vries formulierte. Dazu gebe es bereits Gespräche mit dem Kreis. Eine neue Tartanbahn werde es aber auf dem Jahnplatz nicht mehr geben. Aus rein sportlicher Sicht brauche die Stadt Norden die Anlage auf dem Jahnplatz nicht für die Leichtathletik – den Schulsport ausgenommen. Der Schulsport am Gymnasium ist aber nicht Aufgabe der Stadt Norden. Der Landkreis Aurich ist der Träger der Gymnasien. „Oldenburg ist die nächste Stadt, die zwei Leichtathletikanlagen mit Kunststoffbelag hat“, sagte de Vries zum Vergleich.
Abiturienten sollen nach Pewsum ausweichen
Für die Sanierung der Sportanlage Wildbahn hat die Stadt 1,3 Millionen Euro eingeplant. Eine solche Summe wäre theoretisch auch nötig, um die Anlage Jahnplatz wieder vollständig auf Vordermann zu bringen – inklusive Tartanbahn, rechnete de Vries vor. Klar ist: „Wenn die Wildbahn fertig ist, werden wir dem UGN und dem Kreis immer ermöglichen, dort die Abiturprüfungen abzulegen“, sagte er. Wann das sein wird, ist aber noch nicht klar. Das hänge von verschiedenen Faktoren – unter anderem dem Wetter – ab, heißt es von der Verwaltung. Denn das Aufbringen des Kunststoffbelags brauche einen gewissen stabilen Temperaturbereich und Trockenheit. Diese Arbeiten seien eigentlich für den Spätherbst vorgesehen. Spielt das Wetter nicht mit, müssen die Arbeiten auf das folgende Frühjahr verschoben werden. „Wir müssen darauf hoffen, dass es einen milden, trockenen Herbst gibt“, so de Vries. Dafür stehe der Stadt Norden mit dem neuen Belag eine Bahn zur Verfügung, die knapp unter den Voraussetzungen für Olympia liege. Der hochwertigere Belag sei zwar etwas teurer, zeichne sich aber auch durch seine Langlebigkeit aus und sei dadurch nachhaltiger.
Laut Claudia Terstegen, Schulleiterin des UGN, werden die Abiturienten in diesem Jahr ihre Prüfungen an der IGS Pewsum absolvieren. Die Fachgruppe der Schule habe nach Alternativen im Kreisgebiet gesucht. Auch Aurich sei im Gespräch gewesen. Die Suche sei schwierig gewesen, weil die meisten Anlagen nur eine Aschebahn hätten, sagte Terstegen. Das reiche für die Abiturprüfungen aber nicht aus.
Schulleiterin klingt optimistischer als Fachdienstleiter
Die Schulleiterin geht davon aus, dass der Jahnplatz für den Schulsport im kommenden Schuljahr aber zur Verfügung stehen wird. „Da gab es Gespräche zwischen dem Schulträger und der Stadt Norden“, sagte sie. Die seien dabei, den Jahnplatz soweit wieder herzustellen, dass die Kurzstrecken dort gelaufen werden könnten und die Sprunggrube erneuert werde. Das sei Anfang des Jahres eingetütet worden.
Das klingt bei Nico de Vries nicht ganz so optimistisch. Zwar bestätigte er im Gespräch mit dieser Zeitung auch die Gespräche mit dem Landkreis darüber, wie eine Sanierungsmaßnahme auf dem Jahnplatz aussehen kann. Zum einen müsse die Stadt dafür wissen, wie der schulische Bedarf ist. Dann stelle sich die Frage, wie die Anlage ausgestaltet sein muss, was das kostet und wie sich der Kreis an diesen Kosten beteiligt, so de Vries. Er machte aber auch klar: „Wenn ich aber sehe, welche personellen Ressourcen ich im Fachdienst zur Verfügung habe für diese Sachen, sprechen wir für Arbeiten am Jahnplatz über einen Zeithorizont von ein bis zwei Jahren.“ Dafür spricht auch, dass die politischen Gremien in Norden dafür gestimmt haben, das Geld, das im Haushalt für die Sanierung des Jahnplatzes vorgesehen war, zunächst für die Sanierung der Anlage Wildbahn freizugeben. Entsprechend wurden die Mittel umgeschichtet und stehen zurzeit nicht mehr zur Verfügung. Zwar sollen die Mittel im kommenden Haushalt wieder eingestellt werden – der ist aber noch nicht verabschiedet.