Osnabrück  Drama um Block-Kinder: Kubicki spricht von Katastrophe

Michael Clasen
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Von Michael Clasen
| 23.03.2025 10:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki von der FDP unterstützte Steakhouse-Erbin Christina Block in ihrem Sorgerechtsstreit. Foto: dpa/Christian Charisius
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki von der FDP unterstützte Steakhouse-Erbin Christina Block in ihrem Sorgerechtsstreit. Foto: dpa/Christian Charisius
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Das Drama um die Block-Kinder beschäftigt Hamburgs High Society seit Jahren – und die Justiz. Unterstützung bekam Christina Block in dem Sorgerechtsstreit auch vom Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Kubicki (FDP). Warum?

Die Textnachricht beginnt mit Neujahrswünschen. „Und wenn es stimmt, was ich lese, alles Glück dieser Erde. Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“ Die Textnachricht hatte Wolfgang Kubicki (FDP) an Neujahr 2024 kurz vor 20 Uhr an Christina Block geschickt, wie aus Dokumenten hervorgeht, die unserer Redaktion vorliegen. 

Der Bundestagsvizepräsident und FDP-Spitzenpolitiker aus Schleswig-Holstein streitet das Verfassen dieser Nachricht auch gar nicht ab. „Ich hatte Anfang Januar lediglich Kenntnis aus den Medien, dass die Kinder wieder bei der Mutter in Hamburg seien“, teilte Kubicki auf Anfrage mit und verneint klar, dass er damals womöglich einen mutmaßlichen Akt der Selbstjustiz hätte befürworten wollen.

Die Geschehnisse der Silvesternacht 2023/2024 sind bis heute nicht aufgeklärt. Mehrere maskierte Männer hatten Stephan Hensel kurz nach Mitternacht in Dänemark laut Polizei überfallen und zusammengeschlagen, um dann die beiden minderjährigen Kindern Klara und Theo zu entführen. Zwei Tage später tauchten die beiden Kinder mit Christina Block in Hamburg wieder auf. Gerichte entschieden, dass die beiden Kinder wieder zum Vater gebracht werden mussten. Wer waren die Täter, wer die Hintermänner?

Es geht um Ex-Mossad-Agenten und ehemalige LKA-Beamte, aber auch um Hamburger Prominente. Der Kreis der Beschuldigten ist groß, darunter Block-House-Gründer Eugen Block und der ehemalige Sportmoderator Gerhard Delling wegen des Verdachts der Entziehung Minderjähriger, wie die Ermittlungbehörden mitteilten. Delling ist der Lebensgefährte von Christina Block.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg teilte auf Anfrage mit, dass die polizeilichen Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. „Einen Zeitpunkt für deren Abschluss vermag ich nicht zu prognostizieren“, so die Oberstaatsanwältin.

Vor Familiengerichten liefern sich die Block-House-Erbin Christina Block und ihr Ex-Mann Stephan Hensel seit Jahren einen Schlagabtausch, der auch die Boulevard-Medien beschäftigt. Hensel hatte 2021 seine beiden Kinder Klara und Theo in Dänemark behalten. Dabei hatte ein Hamburger Gericht in höchster Instanz das Aufenthaltsbestimmungsrecht der leiblichen Mutter zugesprochen.

Der Vater behauptet aber, die beiden hätten wie die ältere Tochter Johanna nicht mehr zur Mutter zurückgewollt. Es habe Fälle von psychischer und körperlicher Gewalt gegeben. Die Steak-House-Erbin wies die Vorwürfe stets vehement zurück und warf ihrem Ex-Mann vor, die Kinder „entführt“ zu haben. Er würde sie zudem manipulieren und sie gezielt von der Mutter entfremden.

Kubicki stand seit 2021 während der Gerichtsverfahren auf dänischer und deutscher Seite in Kontakt mit Christina Block. Er bot ihr an, die deutsche Botschaft in Kopenhagen einzuschalten, auch mit der dänischen Botschaft in Deutschland wollte er sprechen. Einmal schlug er sogar vor, mit seinem Dienstwagen zu einer Gerichtsverhandlung in Dänemark zu kommen, um Christina Block persönlich den Rücken stärken, als Vizepräsident des deutschen Bundestages stände er „protokollarisch ganz weit oben“. 

Das Angebot habe sich lediglich auf Anwesenheit während der Verhandlung vor dem dänischen Gericht ohne jede Verfahrensbeteiligung bezogen, als „moralische Unterstützung“, erklärt Kubicki nun auf Nachfrage. „Dabei war mir klar, dass dies auch in Dänemark - wie in Deutschland - nicht möglich sein wird, da Sorgerechtsverfahren nicht öffentlich sind.“

Rückblickend spricht Kubicki, der selbst Strafrechtler ist, von einer Tragik, ja von einer Katastrophe: „Ich halte das Rechtsproblem in diesem Fall, dass Dänemark dem Haager Übereinkommen von 1980 über Kindesentführungen nicht beigetreten ist, für tragisch. Beide Elternteile müssen sich jetzt in der einen oder anderen Form für eine Kindesentziehung verantworten. Das ist sowohl für sie, wie auch für die Kinder, um deren Wohl es doch eigentlich gehen sollte, eine Katastrophe.“

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