Berlin Trotz Krise beim Autozulieferer: So viel Geld und Extras bekommen Continental-Vorstände – und Mitarbeiter
Krisenzeit beim Autozulieferer: Continental streicht Stellen und steht massiv unter Druck. Die Vorstandsgehälter können sich dennoch sehen lassen. Wie hoch sind sie und was verdienen „normale“ Mitarbeiter? Welche Extras gibt es? Ein Überblick.
Die Zuliefererbranche steht unter enormen Druck. Die Entlassungswellen reißen nicht ab. Zuletzt verkündete ZF Friedrichshafen einen Milliardenverlust. Bis zu 14.000 Stellen könnten gestrichen werden. Der nach Umsatz weltweit größte Zulieferer Bosch und Continental planen ebenfalls Tausende Stellen abzubauen. Vor einer „dramatischen Beschäftigungslage“ warnten die Unternehmen bereits in einem Appell an Olaf Scholz. Entsprechend alarmiert ist auch die IG Metall und sorgt sich massiv um den Automobilstandort Deutschland.
Dabei machen nicht allein die Konjunkturflaute und mit ihr die eingebrochene Nachfrage der Branche zu schaffen. Auch die Umstellung auf klimaneutrale Mobilität und damit verbunden die Digitalisierung schlagen ins Kontor der Zulieferer. Zu spät und zu schleppend hat die Automobilindustrie den Aufbau der E-Sparte vorangetrieben. Mit der bekannten Folge: ein dramatischer Jobkahlschlag.
Inwiefern die Rüstungsindustrie einen Hoffnungsschimmer bieten kann, ist noch nicht ganz ausgemacht. Rheinmetall hat rund 100 Beschäftigten eines Bremsen-Werks von Continental in Niedersachsen den Wechsel in eine Munitionsfabrik offeriert. Der Rüstungselektronik-Hersteller Hensoldt übernimmt womöglich Beschäftigte von Continental und Bosch – hier und da sogar inklusive bestehender Gehälter. Und wie viel verdienen Mitarbeiter in der niedersächsischen Zuliefererbranche aktuell?
Vom reinen Reifenhersteller hat sich Continental mit Sitz in Hannover vor einigen Jahren zum bedeutenden Automobilzulieferer gemausert. Im vergangenen Jahr beschäftigte das Unternehmen weltweit 190.000 Mitarbeiter, das sind 12.600 Angestellte weniger als 2023. In Deutschland haben zuletzt 21 Prozent und damit knapp 40.000 Mitarbeiter für Conti gearbeitet.
Die Krise macht aber auch vor Conti nicht Halt: Der Konzernumsatz ist 2024 um über vier Prozent zurückgegangen auf 39,72 Milliarden Euro. An fünf deutschen Standorten soll die Produktion eingestellt werden, einer davon liegt im niedersächsischen Stolzenau.
Der Vorstand sprach von „schmerzhaften Schritten“. Die Vorstandsmitglieder haben zwar Gehaltseinbußen zu verzeichnen, aber haben im Vergleich zu den Mitarbeitenden angesichts der Höhe ihrer Einkünfte sicher weniger existenzielle Nöte zu befürchten.
Die sechs Vorstände werden neben ihrem Festgehalt nach Erfolg bezahlt. Da der Unternehmenserfolg aber wegen des schwierigen Marktumfeldes gesunken ist, reduzierte sich auch die Vergütung im Vergleich zum Vorjahr.
Mehr als 13 Millionen Euro hat der Autozulieferer Continental im vergangenen Jahr den Vorstandsmitgliedern als Vergütung zugesprochen. Rund 3,3 Millionen Euro davon erhielt laut Vergütungsbericht der Vorstandsvorsitzende Nikolai Setzer.
Neben dem Festgehalt gibt es für die Chefs verschiedene Nebenleistungen: So bekommt jeder Vorstand jeweils einen Dienstwagen, der auch privat genutzt werden darf. Zudem werden Reisekosten sowie gegebenenfalls Umzugskosten und Aufwendungen für eine betrieblich bedingte doppelte Haushaltsführung erstattet. Dazu kommen verschiedene Versorgungsleistungen.
Im Rahmen der variablen Vergütung der Vorstandsmitglieder gibt es zusätzlich einen Bonus. Dazu wird ein Zielbetrag vereinbart, der bei 100 Prozent Zielerreichung gewährt wird. Die Maximalvergütung des Vorstandsvorsitzenden wird gedeckelt und liegt bei 11,5 Millionen Euro, die eines normalen Vorstandsmitgliedes bei 6,2 Millionen Euro.
Je nach Einsatzbereich werden Mitarbeiter nach verschiedenen Tarifverträgen entlohnt. Für solche im Unternehmensbereich Automotive gilt der Tarifvertrag der IG Metall (Niedersachsen), während für Beschäftigte der Unternehmensbereiche ContiTech sowie Tires der Tarifvertrag der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (BCE) gilt. In Niedersachsen fällt der Großteil der Conti-Beschäftigten unter den Chemie-Tarif der IG BCE. Nur der Standort Continental Teves in Gifhorn wird von der IG Metall betreut.
Im Juni vergangenen Jahres haben sich die Chemie-Arbeitgeber und die Gewerkschaft auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Wie hoch das jeweilige Monatsentgelt im Chemie-Tarif ausfällt, hängt von der jeweiligen Entgeltgruppe ab. Je nach Tätigkeit, Qualifikationen und Berufserfahrungen fallen die Mitarbeiter unter eine der 13 Gruppen.
Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt laut Tarifvertrag 37,5 Stunden beziehungsweise monatlich 163 Stunden. Wer Vollzeit arbeitet, bekommt 30 Urlaubstage.
Zum Gehalt gibt es weitere Zuschläge: Conti zahlt einen jährlichen Zusatzbeitrag, der 23 Prozent eines Monatsentgelts beträgt und jeweils im Januar ausgezahlt wird, sofern er nicht für die Alter- oder Gesundheitsvorsorge genutzt oder in zusätzliche freie Tage umgewandelt wird.
Neben Urlaubs- und Weihnachtsgeld – beides in Höhe eines Monatsgehaltes – bekommen Mitarbeiter bei Continental unter anderem eine Zulage für die betriebliche Altersvorsorge sowie eine tarifliche Pflegezusatzversicherung.
Des Weiteren gibt es neben Betriebskindergarten unter anderem Angebote zur Gesundheitsvorsorge, wie beispielsweise Impfungen, Vorsorge-Untersuchungen, Stressprävention oder vergünstigte Massagen, wie es heißt.
Nach den erfolgreichen Tarifverhandlungen im Juni 2024 wurde das Entgelt für Azubis um zwei Prozent im September angehoben und soll noch einmal um 4,85 Prozent im April dieses Jahres ansteigen. Damit gibt es innerhalb eines Jahres fast 7 Prozent mehr Entgelt.
Im ersten Jahr bekommen Auszubildende in Niedersachsen 1.131 Euro monatlich, während es im vierten Jahr 1.331 Euro sind.