Innenstadt-Projekt  Planung für Postgelände in Leer – Details bleiben im Dunkeln

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 25.03.2025 11:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So sehen die Pläne für das neue Quartier aus. Visualisierung: Johann Bunte Bauunternehmung SE & Co. KG
So sehen die Pläne für das neue Quartier aus. Visualisierung: Johann Bunte Bauunternehmung SE & Co. KG
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Ein neues Quartier zum Wohnen, Arbeiten und für Gewerbe soll in Leer auf dem Post-Gelände entstehen. Was verraten die Beteiligten?

Leer - Einen Schönheitspreis gewinnt er sicherlich nicht, der große Post-Klotz in Leer: Das Gebäude aus den 1970ern am Bahnhofsring ist mit das Erste, was Zugreisende sehen, wenn sie den Bahnhof verlassen. Ein Aushängeschild ist es nicht. Umso größer war die Freude, als der Eigentümer, das Papenburger Bauunternehmen Johann Bunte, seine Pläne für den Abriss und ein neues Quartier mit der Stadt Leer 2024 vorstellte. „Auf einer Fläche von knapp 8000 Quadratmetern im Zentrum von Leer (Bahnhofsring/Georgstraße)“ plane man „die Entwicklung eines neuen nachhaltigen und gemischt genutzten Quartiers“. Zeit nachzufragen, was aktuell los ist.

Das Gebäude soll abgerissen werden. Foto: Ortgies/Archiv
Das Gebäude soll abgerissen werden. Foto: Ortgies/Archiv

Was sagt die Stadt Leer zum aktuellen Stand?

Im Juni 2024 sei seitens der Politik im nichtöffentlichen Teil des Ausschusses für Stadtentwicklung ein positives Signal gegeben worden. Auch jetzt steht die Stadt Leer hinter dem Projekt: „Wir begrüßen und unterstützen das Bauvorhaben der Johann Bunte Bauunternehmung SE & Co. KG. Bereits vor Längerem haben wir eine gemeinsame Arbeitsgruppe gebildet, die sich regelmäßig trifft“, erklärt Edgar Behrendt, Sprecher der Stadt Leer. „Die Gespräche sind gut und zielführend.“ Für den Investor stünden im Rathaus verschiedene Ansprechpartner zur Verfügung.

„Das ist ein Meilenstein für die Stadt Leer“, wird Bürgermeister Claus-Peter Horst in der gemeinsamen Mitteilung 2024 zitiert. Er sprach von „einem der wichtigsten städtebaulichen Entwicklungsprojekte der nächsten Jahre“. Nach der ZOB-Modernisierung und dem Neubau des Liesel-Aussen-Platzes vor dem Zollhaus sei das Bunte-Vorhaben quasi das letzte fehlende Puzzlestück, um den Abschnitt zwischen Mühlenplatz und Bahnhof entscheidend aufzuwerten.

In dem Quartier soll Wohnraum und mehr entstehen. Visualisierung: Johann Bunte Bauunternehmung SE & Co. KG
In dem Quartier soll Wohnraum und mehr entstehen. Visualisierung: Johann Bunte Bauunternehmung SE & Co. KG

Gibt es schon Anträge?

Nein. „Anträge zu dem Bauvorhaben liegen uns derzeit nicht vor“, so Behrendt. Aber dennoch tue sich etwas: „Zuletzt sind Verkehrszählungen vorgenommen worden, die wichtige Basisdaten für die künftige Erschließung – sprich: für die Zufahrt zum künftigen Gebäudekomplex – liefern sollen“, sagt er.

Anfang März 2025 wurden zwei sogenannte Knotenstromerhebungen am Kreisverkehr am Bahnhof sowie am Kreisverkehr Ledastraße/Georgstraße/Am Dock durchgeführt.

Was sagt Bunte zum Stand der Dinge?

Die Planungen laufen auf Hochtouren. Aber „aufgrund des laufenden Planungsprozesses können wir aktuell keine weiteren Infos und Antworten geben“, sagt Bunte-Unternehmenssprecherin Susanne Porsch.

Die Architektur der Gebäude soll sich in das bestehende Essemble einpassen. Visualisierung: Johann Bunte Bauunternehmung SE & Co. KG
Die Architektur der Gebäude soll sich in das bestehende Essemble einpassen. Visualisierung: Johann Bunte Bauunternehmung SE & Co. KG

Welche Art von Gebäuden ist geplant?

Die bestehenden Gebäude auf dem Gelände an der Georgstraße/Bahnhofsring sollen vollständig abgerissen werden, um Platz für drei neue Gebäudekörper zu schaffen, teilte das Unternehmen mit. „Der Gebäuderiegel entlang der Georgstraße wird Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss und Eigentumswohnungen in den Obergeschossen beherbergen.“

An der Ecke Georgstraße/Bahnhofsring sei ein Wohn- und Geschäftshaus geplant. Parallel zum angrenzenden Zollhaus entsteht ein weiterer Gebäuderiegel, in dem derzeit eine Gewerbe- oder Wohnnutzung vorgesehen ist. Man wolle dabei die „charakteristische Architektur der Stadt Leer“ in eine moderne Formensprache übersetzen.

Das Projekt der inneren Nachverdichtung erfolge auf einem ehemaligen Gewerbegrundstück und man wolle „energieeffiziente Gebäude ohne fossile Brennstoffe“ anstreben. Bunte wirbt in der Mitteilung schon jetzt mit hervorragender Lage des neuen Quartiers und kurzen Wegen ins Stadtzentrum, zu Nahversorgern, zum Bahnhof und anderen wichtigen Einrichtungen.

Welche Geschäfte wollen sich dort ansiedeln?

Das Papenburger Unternehmen will sich auch aktuell auf Nachfrage noch nicht dazu äußern, ob es schon Interessenten für die Gewerbeeinheiten gibt und welche Art von Geschäften sich dort ansiedeln soll.

Seit wann gehört das Gelände Bunte?

Das Papenburger Bauunternehmen hatte sich das Eigentum am Postgebäude im Jahr 2017 gesichert. Mit der Bremer Residenz-Gruppe um den Unternehmer Rolf Specht betreibe man ein Joint Venture, eine gemeinsame Besitzgesellschaft, der das Postgebäude nun gehört, hatte ein Sprecher damals dieser Zeitung mitgeteilt. Mittlerweile ist Bunte alleiniger Eigentümer der Fläche. Die Residenz-Gruppe ist nicht mehr beteiligt.

Das Postgebäude am Leeraner Bahnhofsring wurde in den 1970er Jahren gebaut. Foto: Ortgies/Archiv
Das Postgebäude am Leeraner Bahnhofsring wurde in den 1970er Jahren gebaut. Foto: Ortgies/Archiv

Was passiert mit der Post?

Schon 2023 wurde bekannt, dass das in die Jahre gekommene Post-Gebäude mittelfristig abgerissen und das Gelände neu bebaut werden soll. Die Planungen dafür laufen. Dennoch hält sich die Post bedeckt. „Es gibt noch keine Neuigkeiten zu diesem Thema“, schreibt die Sprecherin der Deutschen Post AG, Maike Wintjen, auf Nachfrage.

Wird es in der Umgebung weitere Veränderungen geben?

Geplant ist, eine Entlastungsstraße vom Bahnhofs-Kreisel, am Zollhaus vorbei in Richtung Kreisel an der Georgstraße zu führen. Wenn der Durchgangsverkehr dorthin umgeleitet wird, könnte die Georgstraße ein Stück weit zurückgebaut werden. Dem Vernehmen nach könnte dort ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich entstehen. Eine Fußgängerzone ist nicht geplant.

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