Osnabrück  Meister müssen aufsteigen: Vorzüge einer 4. Liga Nord und Süd für das System Fußball

Benjamin Kraus
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Von Benjamin Kraus
| 23.03.2025 09:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Zwei vierte Ligen unter der 3. Liga? Eine Idee der Helmut-Kalthoff-Stiftung (HKS). Foto: dpa/Daniel Karmann
Zwei vierte Ligen unter der 3. Liga? Eine Idee der Helmut-Kalthoff-Stiftung (HKS). Foto: dpa/Daniel Karmann
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Eine zweigeteilte 4. Liga, zwischen der 3. Fußball-Liga und den Regionalligen: Wohl die beste Idee, um den von Regionalligisten beklagten Flaschenhals auf den Weg in den bundesweiten Profifußball aufzulösen. Warum der Vorschlag viele Vorteile hat - aber auch Gegner im Schatten, die einer Umsetzung im Weg stehen.

Alle Meister in allen Ligen steigen auf - endlich wieder. Sogar alle Vizemeister, etwa jene der Regionalligen, erhalten eine Aufstiegschance. Es gibt keine U23-Teams mehr in der 3. Liga, die Plätze im bundesweiten Profifußball blockieren. Stattdessen kommt eine neue attraktive Übergangsspielklasse: für Teams mit Fokus auf Talente-Ausbildung und für ambitionierte Traditionsklubs. Mehr noch: Die Reform ließe sich innerhalb der komplizierten DFB-Verbandsstrukturen umsetzen, ohne dass ein Regionalverband Zuständigkeiten abgeben muss. All diese Punkte vereint die Idee der Helmut Kalthoff-Stiftung (HKS) zur Reform des Unterbaus der bundesweiten Profiligen: Die Einführung einer zweigleisigen 4. Liga (Nord+Süd).

Die bundesweiten Profiligen (Bundesliga, 2. Bundesliga, 3. Liga) bleiben so, wie sie aktuell sind - und die Regionalligen im Prinzip auch. Aber dazwischen wird eine neue Spielklasse eingeführt: Die zweizügige 4. Liga, eingeteilt in Nord und Süd. Aus ihr könnten die Meister direkt aufsteigen und die Vizemeister eine Aufstiegsrelegation in die 3. Liga spielen - und weil künftig aus den Regionalligen zwei übergeordnete 4. Ligen mit Aufsteigern befüllt werden, könnten auch aus den Regionalligen künftig alle Staffelsieger aufsteigen und sogar die Vizemeister ebenfalls Playoff-Runden spielen.

Der HKS-Plan würde die von Klubfunktionären und Fans beklagte - und auch seit Jahren in den Stadien durch Proteste der Fans angeprangerte - Verstopfung im Flaschenhals zwischen der aktuell fünfzügigen Regionalliga und der eingleisigen 3. Liga auflösen: Aktuell bleibt von fünf Regionalliga-Meistern stets einer in K.o.-Spielen auf der Strecke, weil es aus der 3. Liga nur vier Absteiger gibt.

Können aber künftig alle Meister sicher aufsteigen und die Vizemeister weitere Plätze in der übergeordneten Liga erspielen, ist die Chance groß, dass die Spiele sowohl in der neuen 4. Liga, als auch in den Regionalligen bis ins Saisonfinale spannender bleiben als derzeit: Momentan ist dort eine Saison für viele Teams sportlich tot, wenn sich eine Mannschaft oben in der Tabelle absetzt. Hat aber Platz zwei auch eine Belohnungsfunktion können weitere Teile der Liga sich bis zuletzt Chancen auf eine Belohnung ausrechnen.

Zusammengefasst: Alle Meister steigen auf, alle Vizemeister haben Aufstiegschancen, der Wettbewerb wird spannender, die Pyramide im Ligensystem wäre wiederhergestellt - und der vielbeklagte Flaschenhals wäre Geschichte.

Sie erhält von Ex-VfL-Manager Helmut Kalthoff, Vorstand der gleichnamigen Stiftung, bewusst das Label „Übergangsspielklasse“: Zwischen bundesweitem Lizenzfußball und dem semiprofessionellen Bereich. Absteiger aus der 3. Liga fallen weicher: in eine sportlich attraktive Liga mit ambitionierten Gegnern aus der ganzen Nord-, respektive Südhälfte Deutschlands. Sie würde durch ein Qualifikationsjahr gebildet aus den Topteams der aktuellen Regionalligen, die ihrerseits ernsthaft den Sprung in den bundesweiten Profifußball versuchen und sich dann auf einer höheren Ebene als der Aktuellen beweisen können. Zusammen mit den besten U23-Teams des Landes, die nach dem Kalthoff-Modell nur noch in der zweigeteilten 4. Liga, aber nicht mehr in der 3. Liga spielen dürfen.

Auch dies würde die Durchlässigkeit in Richtung Profifußball verstärken: Jedes U23-Team in der 4. Liga ist wegen des für sie wegfallenden Aufstiegsrechts ein Konkurrent weniger für Traditionsklubs auf dem Weg in den bundesweiten Profifußball. Und in der 3. Liga selbst werden keine Plätze mehr durch einen „U23-Sperrblock“ mit aktuell drei, in Hochzeiten aber schon vier Teams besetzt. Im Gegenzug erhalten U23-Mannschaften eine attraktivere Plattform zur bestmöglichen Ausbildung ihrer Toptalente als die aktuelle Regionalliga, in der sie natürlich künftig ebenso weiterhin spielen dürfen.

Es wird eine neue Spielklasse etabliert - die Zuständigkeiten für die bisherigen Spielklassen könnten einfach bei ihren bisherigen Trägern verbleiben. Während die DFL die Bundesligen (1 und 2) steuert, kümmern sich die DFB-Regionalverbände weiter um die Regionalligen als ihre Vorzeige-Spielklassen. Die DFB-Zentrale soll nach dem Kalthof-Modell neben der bundesweiten 3. Liga künftig auch die zweigeteilte 4. Liga managen - und so ihrem angedachten Charakter als professionell orientierte Übergangs-Spielklasse gerecht werden.

Aufstiegs-Playoffs zwischen allen Regionalliga-Meistern - und nicht nur rotierend zwischen den Staffeln Nord, Nordost und Bayern wie aktuell - haben die Nordost-Klubs jüngst als weitere Idee ins Spiel gebracht. Diese würde aber das Grundproblem, dass nicht alle Meister aufsteigen, nicht lösen und zudem viele zusätzliche und eigentlich nicht platzierbare Termine nach dem eigentlichen Saisonfinale erfordern. Der Aufspaltung der aktuellen 3. Liga in eine Nord- und Südstaffel - eine Idee aus Bayern - steht die Popularität der seit 2008 etablierten Spielklasse entgegen. Die 3. Liga hat sich wegen ihres ausgeglichenen Wettbewerbs bewährt und eilt bezüglich der Umsätze und des Interesses verlässlich von Rekord zu Rekord: In der aktuellen Saison wird der Zuschauerschnitt pro Spiel erstmals fünfstellig werden.

Ein fünfter Absteiger aus der 3. Liga indes wäre mit Blick auf die finanzielle Stabilität der Klubs und der Spielklasse an sich in der tiefsten Ebene des bundesweiten Profiliga sicher von Nachteil - schon in der Vergangenheit haben sich exakt an jener Grenze viele Klubs finanziell übernommen, wurden mit Punktabzügen und Lizenzentzügen bestraft und litten unter den Folgen davon noch jahrelang. Eine zur Entkräftung des Arguments vorgeschlagene Aufstockung der 3. Liga auf 22 Teams (bei dann fünf Absteigern) würde wiederum die Drittligisten, die ja zudem noch im Landespokal aktiv sind, terminlich und belastungstechnsich überfordern.

Die Klubs der 3. Liga hatten erst vor sechs Jahren überhaupt einen weiteren Absteiger (den Vierten) akzeptiert: Gegen das Versprechen, dass die Regionalligen auf vier Staffeln reduziert werden, was aber nie passiert ist. Jene nun auch wieder von den Nordost-Klubs ins Spiel gebrachte Reduktion scheiterte zuletzt immer wieder an geografisch und historisch gewachsenen Gegebenheiten, den Interessen der mächtigen fünf DFB-Landesverbände als Träger jeweils einer Regionalliga sowie an Teilen der dort aktiven Klubs.

Die Macht des Status Quo - und jene der DFB-Regionalverbände: Ihre Regionalligen als Prestige-Ligen würden mit der Einziehung einer neuen Spielklasse darüber in der Hierarchie abgestuft und könnten an sportlichem Wert verlieren, wenn die aktuellen Topteams künftig in der 4. Liga spielen. Zudem könnten auch einige Regionalliga-Klubs das nicht wollen - Klubs, die zwar öffentlichkeitwirksam wie fast alle aus dem Nordosten die fehlende Durchlässigkeit nach oben anprangern, aber es grundsätzlich schon ganz gut finden, in einer Staffel mit vielen Traditionsklubs zu spielen, deren Namen man zum Großteil noch aus der alten DDR-Oberliga kennt. Und die im Zweifel vielleicht auch den einen oder anderen Zuschauer mehr bewegen, ins eigene Stadion zu kommen - wo man sich dann gemeinsam darüber aufregen kann, dass die aktuelle Aufstiegsregelung doch eine Farce ist.

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