Hannover Meyer Werft verliert Millionenklagen gegen Sparkassen – Warum geklagt wurde
Die Meyer Werft hat zwei Gerichtsverfahren in Bayern verloren. Es ging um Millionenforderungen gegen das Unternehmen aus Papenburg. Wie die Klagen mit der Rettung der Schiffbauer zusammenhängen.
Am Ende waren alle im Boot: Der Bund, das Land, die Familie Meyer, die Banken – alle hatten zugestimmt, ihren Anteil zu leisten, damit die Meyer Werft in Papenburg nicht untergeht. Alle? Das stimmt nicht ganz. Zwei Sparkassen aus dem großen Pool der Geldgeber des Unternehmens weigerten sich, bei der Rettungsmission mitzumachen.
Mehr noch: Sie verklagten die Meyer Werft im vergangenen Jahr auf Rückzahlung von Darlehen in Millionenhöhe – und bekamen jetzt vor dem Landgericht München Recht. Das bestätigte eine Justizsprecherin unserer Redaktion. Das mittlerweile mehrheitlich in staatlicher Hand befindliche Schiffbauunternehmen muss demnach gut fünf Millionen Euro zahlen. Nach Informationen unserer Redaktion an die Kreissparkasse Stendal und die Sparkasse Dachau.
Die Werft teilte auf Anfrage mit, man plane derzeit nicht, Rechtsmittel gegen die Entscheidungen einzulegen.
Angesichts der Milliarden-Summen, um die es letztlich bei der Werft-Rettung im vergangenen Jahr ging, muten die Beträge wie Peanuts an. Tatsächlich zeigen die Klagen aber, wie schnell es 2024 mit der Meyer Werft hätte vorbei sein können:
Seinen Ursprung hat der Rechtsstreit im Jahr 2017: Die Werft schloss mit der Bayrischen Landesbank einen Schuldscheindarlehensvertrag ab – Höhe: ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag. Mit dem Geld sollte der Bau neuer Schiffe finanziert werden.
Zur Erinnerung: Die Werft muss in der Regel in Vorleistung treten. 80 Prozent des Preises der rund eine Milliarde Euro teuren Kreuzfahrtschiffe bekommt das Unternehmen erst nach Fertigstellung von den Reedereien überwiesen. Mit einer entsprechenden Finanzierungsstruktur sicherte die Werft ausreichend Liquidität in den Bauphasen. Schuldscheindarlehen waren neben staatlich verbürgten Krediten Teil dieser Struktur.
Über die Landesbank beteiligten sich Dutzende Geldinstitute an der Finanzierung und wurden damit zu Darlehensgebern der Werft. Die wiederum hatte eine Rückzahlung bis zum 19. Juni 2024 vertraglich zugesichert. Was bei Vertragsschluss 2017 so nicht absehbar war: Als die Rückzahlung fällig wurde, drohte der Werft akut die Pleite. Die Anschlussfinanzierung war nicht gesichert, die Werft steuerte auf ein Milliarden-Loch zu.
Sanierer Ralf Schmitz war zwischenzeitlich in Papenburg im Einsatz, mit dem Ziel einer Restrukturierung des Unternehmens. Mit den Darlehensgebern des Bankenkonsortiums handelten die Papenburger einen Aufschub der Rückzahlung bis Mitte September 2024 aus. Der Großteil der Geldinstitute stimmte zu.
Nur Stendal und Dachau ließen sich offenkundig nicht überzeugen. Und das, obwohl sich im Sommer abzeichnete, dass der Bund und das Land in die Meyer Werft einsteigen könnten – am Ende mit einer Eigenkapitalspritze von 400 Millionen Euro. Warum die beiden Sparkassen dennoch nicht an Bord bleiben wollten, lassen sie auf Anfrage unserer Redaktion unbeantwortet.
In Bankenkreisen aber heißt es, bei Restrukturierungen wie auf der Meyer Werft sei es üblich, dass einzelne Geldgeber ausscherten. Zum Problem wäre es dann geworden, hätten sich noch weitere Banken aus dem Konsortium angeschlossen und den Aufschub verweigert: Die Werft wäre vermutlich in die Insolvenz gerutscht.
Am Ende ging zumindest vorläufig alles gut. Der Bund und das Land stiegen ein. Bis Ende 2028 ist das Unternehmen nun durchfinanziert. Und danach? Gelingt die laufende Sanierung, dürfte die Anschlussfinanzierung kein Problem darstellen.