Hamburg/Hannover Klima-Kanzler Friedrich Merz? Warum Nabu und Versicherer mehr Klimaschutz fordern
Welche Rolle sollten Klima und Umwelt für den kommenden Kanzler Friedrich Merz spielen? Eine möglichst große, fordern die Versicherungen in Deutschland und der Naturschutzbund Nabu. So begründen sie ihren Appell an Union und SPD.
Dürre, Starkregen, Sturmfluten: Extremwetterereignisse verursachen jetzt schon jährlich Schäden in Milliardenhöhe in Deutschland. Durch den Klimawandel könnte alles noch viel schlimmer kommen, warnen der Naturschutzbund Nabu und der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) in einem gemeinsamen Appell. Dieser richtet sich an die Verhandler von Union und SPD in Berlin, die um eine neue Regierungskoalition ringen.
Klimawandel und sogenannte Klimaanpassungen spielen dabei dem Vernehmen nach aber nicht die Rolle, die sie nach Ansicht von Nabu und GDV spielen sollten. „Die Klimakrise kostet uns schon heute Milliarden und bedroht Existenzen. 2024 haben Unwetter und Hochwasser in Deutschland Schäden von über 5,5 Milliarden Euro verursacht – Tendenz steigend“, teilte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen mit. Die nächste Bundesregierung müsse Klimafolgenanpassung zur Priorität machen, „denn es geht nicht nur um den Schutz der Natur, sondern um eine widerstandsfähige Wirtschaft und ein sicheres Leben für alle“, so Asmussen weiter.
Für den Nabu-Präsidenten Jörg-Andreas Krüger ist der „Schutz der Lebensgrundlagen“ neben Wirtschaft und Krieg die größte Herausforderung für die neue Bundesregierung. „Wirtschaft kann nur dann langfristig wachsen und erfolgreich sein, wenn sie im Einklang mit Natur und Klima agiert“, sagt er. Daher erwarte man einen entschlossenen Kurs bei der Transformation der Wirtschaft hin zu mehr Klimafreundlichkeit. Intakte Ökosysteme sichern unsere Lebensgrundlagen und die seien letztendlich die Basis für eine stabile Wirtschaftsentwicklung – „von der Landwirtschaft bis hin zur Industrie“, betonte Krüger.
GDV und Nabu fordern, dass Klimaanpassung als „zentrale Grundlage einer zukunftsorientierten Wirtschaftspolitik“ im möglichen Koalitionsvertrag von Union und SPD verankert wird. Das Thema sei zumindest im Sondierungspapier der Parteien bislang recht kurz gekommen.
Länder und Kommunen beklagen schon länger, dass sie auf den Kosten der Klimafolgen sitzenbleiben. Alleine Schleswig-Holstein und Niedersachsen wollen dieses Jahr mehrere Millionen Euro für Deiche und Hochwasserschutz ausgeben. Der Städte- und Gemeindebund hatte zudem schon 2023 gefordert, Klimaanpassung mit ins Grundgesetz zu nehmen.