Verkehr in Carolinensiel und Harlesiel Ortsumgehung – Zubringer zum Hafen wird gebaut
Es sind nur 642 Meter, doch die sollen den Unterschied machen: Die Umgehungsstraße Carolinensiel wird verlängert. Wann die Baumaschinen kommen, was das kostet – und warum es garantiert Stau gibt.
Carolinensiel/Harlesiel - Die Ortsumgehung Carolinensiel wird verlängert. Der Durchstich zum Fähranleger in Harlesiel, an dem die Fähre nach Wangerooge ablegt, kommt. „Ab Herbst sollen Baumaschinen rollen“, kündigt Frank Buchholz, Geschäftsführer der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich, am Dienstag, 18. März 2025, in Carolinensiel an. Endlich, sollte man aus Sicht der Carolinensieler wohl ergänzen: Der Plan ist nicht neu, sogar die planerischen Voraussetzungen seitens des Landkreises Wittmund sind längst da. 2017 erfolgte die Planfeststellung, 2022 der Beschluss, fasst Buchholz zusammen.
Und doch hakte es: Der Ankauf der Grundstücke, über die die neue Verkehrsführung verlaufen sollte, war schwierig. Zwischenzeitlich herrschte Stillstand – dann drohte die Landesbehörde sogar mit einer möglichen Enteignung. Es handelt sich um Ackerflächen, auf denen Kartoffeln angebaut werden. Das ist nun vom Tisch und Buchholz zeigt sich versöhnlich: „Boden ist knapp, gerade auch für Landwirte.“ Die insgesamt drei Grundbesitzer haben dem Verkauf mittlerweile zugestimmt. Mit zwei Eigentümern gibt es Kaufverträge. Mit einem dritten habe die Behörde einen Bauerlaubnisvertrag abgeschlossen. Das bedeutet, ein Verkauf gilt als sicher – es geht nur noch um Details wie die Kaufsumme. „Da ist die grundsätzliche Bereitschaft da.“
Die Eckdaten der Baustelle
Baubeginn ist für Herbst 2025 vorgesehen. Fertigstellung ein Jahr darauf, im Herbst 2026. Die ersten sichtbaren Arbeiten erfolgen voraussichtlich im September 2025 am Kreisverkehr an der Schnittstelle Bahnhofstraße und Cliner Straat, landläufig aufgrund des dort ansässigen Edeka-Marktes auch Scheidemann-Kreisel genannt. Dort wird es im Verlauf der Bauarbeiten immer wieder zu Einschränkungen für die Verkehrsteilnehmer kommen. Vom Kreisel aus führt die zukünftige Trasse gerade in nördliche Richtung auf eine Baulücke an der Gerhard-Tjarks-Straße zu. Die aktuelle Verbindung aus dem Ort in Richtung Strand wird gekappt. Sie ist nach Fertigstellung den Radfahrern und Fußgängern vorbehalten, die neue Bundesstraße 461 den Autos.
Zunächst wird die künftige Trasse mit Sand aufgeschüttet. Dann heißt es Warten, bis zu vier Monate. Der teils weiche Meeresgrund Carolinensiels werde zu Senkungen führen, kündigt Michael Kuhn von der Landesbehörde an. Er wird die Baumaßnahme vor Ort begleiten. Denn dort, wo die Straße verläuft, war einst noch Meer. Erst wenn keine weiteren Setzungen angenommen werden, kann unter anderem asphaltiert werden. Das Areal bekomme zudem ein neues Entwässerungskonzept und in westlicher Ausrichtung einen Lärmschutzwall. Zuletzt wird das neue Teilstück an die Gerhard-Tjarks-Straße angebunden und die bisherige Hauptstrecke zum Strand abgehängt. Schätzungsweise im Mai 2026 wird das passieren. Dann wird es garantiert zu Staus und Behinderungen kommen, das ist allen Beteiligten klar: Viele Arbeiten in dem Bereich längs der Harle würden unter halbseitiger Sperrung oder auch nachts passieren, so Kuhn. Die vielen Urlauber, die Versorgung Wangerooges – all das soll bestmöglich mit der Baustelle unter einen Hut gebracht werden, versicherte Buchholz.
Drei Millionen Euro, die Perspektiven schaffen sollen
Unterm Strich sind es nur noch 642 Meter – der Ankauf der rund drei Hektar Flächen und die Baukosten werden auf insgesamt drei Millionen Euro kalkuliert. Ein stolzer Preis für einen so kurzen Teilabschnitt. Doch der soll den Unterschied machen. Denn Carolinensiel hat ein Verkehrsproblem, darin sind sich Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen (parteilos), der Carolinensieler Ortsvorsteher Simon Lübben (CDU) und Geschäftsführer der Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel GmbH, Kai Koch, einig. Es sind zu viele Autos im Dorf. Das Prädikat Nordseeheilbad ist darum in Gefahr. 2027 steht das nächste Luftgutachten an, unterstreicht Kai Koch. Und: „Wir hatten echte Probleme beim letzten Mal.“
Die 642 Meter sollen konkret bewirken, dass das Gros an Autofahrern künftig die Umfahrung statt den Weg quer durch den Ort nutzt, um die Fähre oder den Strand in Harlesiel anzusteuern. Und sie sollen den Stau verhindern, der regelmäßig im Zuge der Rückreisewelle auf der Gerhard-Tjarks-Straße entsteht. Seit 2011 ist die Ortsumgehung von besagtem Kreisel am Edeka-Markt über den Ortsausgang nach Wittmund via B 461 und weiter in Richtung Neuharlingersiel bis zur Mühlenstraße fertig. Doch erst der Durchstich bringt die tatsächliche Ortsentlastung, stellt Rolf Claußen klar. Mehr noch: Er ist die Eintrittskarte, damit der Doppelsielort sich weiterentwickeln kann. Er schaffe Perspektiven – ermöglicht beispielsweise eine Verkehrsberuhigung im Kernbereich rund um den Museumshafen von Carolinensiel.