Hannover  Reichen die Maßnahmen des Ministeriums, damit sich die Abi-Panne von 2024 nicht wiederholt?

Jonas E. Koch
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Von Jonas E. Koch
| 18.03.2025 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein „Alarmtag“ sollte helfen, technische Pannen bei den Abiturprüfungen zu vermeiden. Foto: dpa/Sina Schuldt
Ein „Alarmtag“ sollte helfen, technische Pannen bei den Abiturprüfungen zu vermeiden. Foto: dpa/Sina Schuldt
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Im vergangenen Jahr legte ein Diebstahl der Klausuren landesweit das Politik-Abitur lahm. Damit sich das nicht wiederholt, hat das Ministerium Maßnahmen ergriffen. Fehler werden trotzdem weiter passieren, glaubt der Philologenverband.

Weil Unbekannte die Klausuren aus einer Goslaer Schule geklaut hatten, kam es in Niedersachsen im letzten Jahr zu einem Durcheinander bei den Abiturprüfungen im Fach Politik-Wirtschaft: Die Ersatzklausuren waren erst über eine Stunde verspätet verfügbar, einige Schulen hatten da noch gar nichts von der Panne mitbekommen.

Erst bewertete das Kultusministerium seine Arbeit während der Abi-Panne noch als „super“, räumte später aber Fehler ein. „Wir müssen schauen, wo und wie wir in solchen Fällen noch schneller und besser werden können“, so eine Sprecherin selbstkritisch.

Nun hat das Kultusministerium Konsequenzen gezogen. Drei Änderungen sollen in diesem Jahr „einen reibungslosen Ablauf der Abiturprüfungen ermöglichen“. Die wichtigste: Die Kommunikation soll besser werden. Als unsere Redaktion im letzten Jahr am frühen Morgen Schulen um eine Einschätzung der Lage bat, wussten einige Schulleiter noch gar nichts von der Panne.

„Es war teilweise wirklich so, dass man die Schulleiter, die dann in anderen Besprechungen waren, gar nicht mehr erreichen konnte“, berichtet auch Dr. Christoph Rabbow, Vorsitzender des niedersächsischen Philologenverbandes. „Es gab eine Schule im Landkreis Stade, wo bis zum Ende die erste Klausur geschrieben wurde.“ Das dürfe sich nicht wiederholen, findet er.

Das sieht auch Kultusministerin Julia Willie Hamburg so, der es „besonders wichtig“ war, die Kommunikationsstrukturen zu verbessern und „gleichzeitig die Voraussetzungen schaffen, um im Notfall sicher sowie flexibel und agil reagieren zu können“. Deshalb erhalten Schulleiter auf Wunsch nun im Notfall eine SMS auf ihr Smartphone. 85 Prozent der Schulen haben sich für diesen Service bereits angemeldet. Rabbow hält das für sinnvoll.

Der Wechsel auf die Ersatzklausuren müsse dann aber schneller erfolgen, findet der Chemie- und Mathelehrer aus Stade. „Dann kann es eben nicht sein, dass man erstmal einen halben Tag darauf wartet, bis das Ministerium zusammensitzt und den Ersatzvorschlag freigibt“, kritisiert er und schlägt vor: „Es wäre sinnvoll, wenn schon eine verschlüsselte Ersatzklausur auf den Rechnern der Schulen liegen würde, also man quasi schon den Plan B im Haus hätte.“

Ablauf, Regelungen und Verantwortlichkeiten können die Schulleiter nun zudem auch in einer Art Infobroschüre nochmal nachlesen. Für jedes einzelne Fach wurden außerdem Informationsseiten erstellt, die über die in den einzelnen Fächern zu beachtenden Bedingungen sowie zusätzlich zugelassene Hilfsmittel informieren.

Um sicherzustellen, dass alles glattläuft, gab es am 11. Februar bereits einen für alle Gymnasien verpflichtenden Alarmtag, bei dem die Kommunikationsstrukturen und Abläufe geprüft wurden. Kleinere Schwierigkeiten konnte das Kultusministerium dabei umgehend beheben, außerdem habe das Haus „zahlreiche positive Rückmeldungen aus den Schulen“ bekommen.

Trotzdem werde es weiterhin zu Abitur-Pannen kommen, ist sich Rabbow sicher: „Wo Menschen arbeiten, entstehen auch Fehler.“ Er hält das aber auch nicht für problematisch: „Dass Fehler in Abiturklausuren drin sind, das kommt vor. Das haben wir seit den letzten 20 Jahren immer wieder mal gehabt. Das ist auch nicht schlimm. Da arbeiten Menschen.“ Es komme dann aber darauf an, dass die Schulen schneller reagieren können, „damit die Schüler den möglichst geringen Schaden an dem Abiturtag von sich tragen.“

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