Osnabrück Trump glaubt an Annexion: Bald deutlich mehr US-Soldaten auf Grönland stationiert?
Der Konflikt um Souveränität und Bodenschätze in Grönland spitzt sich weiter zu. US-Präsident Trump drängt auf eine größere US-Militärpräsenz und spricht von einer Annexion der arktischen Insel - Nato-Generalsekretär Rutte widerspricht ihm nicht.
Will Donald Trump Grönland militärisch besetzen, wie 2014 Wladimir Putin die Krim? Der US-Präsident bejahte die Frage eines Journalisten, ob er Grönland annektieren wolle. Aus Gründen der „internationalen Sicherheit“ sei dies notwendig, erklärte der 78-Jährige während eines Pressetreffs im Weißen Haus.
Dabei solle nach Trumps Willen auch die NATO involviert sein. Anwesend war auch NATO-Generalsekretär Mark Rutte, dieser wollte aber die Verteidigungsallianz aus der möglichen „Besetzung“ Grönlands heraushalten.
Der Niederländer unterstützte Trumps Forderung nach mehr militärischer Präsenz angesichts von russischer und chinesischer Präsenz in der Arktis und widersprach dem Amerikaner auch nicht, als jener drohte, „vielleicht sehen wir mehr und mehr Soldaten dort (Grönland) hingehen“.
Das locker anmutende Kamin-Geplauder im Oval Office schockierte vor allem die dänische und grönländische Öffentlichkeit. „Man behandelt uns ohne Respekt. Genug ist genug“ meinte Mute B. Egede, der scheidende Regierungschef der arktischen Insel. Ein ohnmächtig anmutendes Machtwort.
Jens-Frederik Nielsen, der Sieger der Parlamentswahl vom vergangenen Dienstag, widersprach eher kleinlaut, der Dänemark-freundliche wie außenpolitisch vollkommen unerfahrene Politiker hält Trumps Aussagen für „unangebracht“.
Die Vorsitzenden der grönländischen Parteien fanden sich am Freitag in der Hauptstadt Nuuk zu einer Krisensitzung zusammen, um eine gemeinsame Position gegen die Ansprüche des US-Amerikaners auszuhandeln.
Trump wiederholte nach seiner Wiederwahl die Ansprüche auf die Insel, welche er bereits 2019 erhoben hatte – Grönland von Dänemark abzukaufen. Die Sicherheits- und Außenpolitik des halbautonomen Gebiets mit begehrten Bodenschätzen wird von dem Königreich bestimmt – noch. Die meisten grönländischen Parteien streben die Unabhängigkeit an, wollen gleichzeitig aber nicht Teil der USA werden.
Mit Washington will man weder in Nuuk noch in Kopenhagen eine direkte Konfrontation riskieren, hofft aber auf die Vernunft des transatlantischen Verteidigungsbündnisses, in dem Dänemark selbst Mitglied ist. „Ich habe überhaupt keinen Zweifel daran, dass die NATO selbstverständlich für Dänemark einsteht, und man kann kein verbündetes Land oder überhaupt irgendein anderes Land annektieren“ meinte Dänemarks Außenminister Lars Lökke Rasmussen. Auch verwies er auf das Völkerrecht.
Allerdings demonstrierte Trump seine Verachtung für die Ansprüche des skandinavischen Landes. „Sie (Dänemark) sagen, ein Boot habe dort mal vor 200 Jahren angelandet und sie hätten darum Rechte“, was der Amerikaner als falsch ansieht.
„Die EU will weiterhin die Prinzipien der nationalen Souveränität unterstützen“ erklärte Anitta Hipper, Sprecherin der EU-Kommission am Freitag, welche versicherte, dass jene Werte verteidigt würden, „besonders wenn die territoriale Integrität eines EU-Mitglieds infrage gestellt wird.“
Allerdings hängt der Beistandsbekundung aus Brüssel ein völkerrechtlicher Schönheitsfehler an: Grönland ist keineswegs Teil der EU, das Land ist 1985, sechs Jahre nach der Teil-Unabhängigkeit von Dänemark, aus der damaligen Europäischen Gemeinschaft ausgetreten.
Auch ist das arktische Land nicht unmittelbar, sondern über Dänemark Mitglied der NATO, wenn auch Nuuk seit 2022 eine eigene Vertretung in Brüssel einfordert.