Hamburg  Standortnachteil Papenburg? Hadern mit dem Heimathafen der Meyer Werft

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 09.03.2025 09:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Meyer Werft ist fest verwurzelt mit der Stadt Papenburg. Braucht die Werft weitere Standorte? Foto: dpa/Izabella Mittwollen
Die Meyer Werft ist fest verwurzelt mit der Stadt Papenburg. Braucht die Werft weitere Standorte? Foto: dpa/Izabella Mittwollen
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Bei der laufenden Sanierung der Meyer Werft in Papenburg bleibt kein Stein auf dem anderen. Auch die Frage nach dem Standort wird gestellt. Dabei geht es allerdings nicht darum, wo künftig Kreuzfahrtschiffe gebaut werden. Das sind die Hintergründe.

Die Leitung der Meyer Werft trägt sich mit dem Gedanken, neue Standorte außerhalb Papenburgs zu eröffnen. Hintergrund sollen Probleme sein, Führungs- und Fachkräfte ins Emsland zu locken. Die benötigt das Unternehmen aber, das nach der staatlichen Rettung im vergangenen Jahr eine tiefgreifende Sanierung und Neuaufstellung durchläuft. Schon die Sanierungsgutachter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte sollen dieses Thema aufgeworfen haben.

Bei den Überlegungen soll es vorrangig um Büroräume gehen, die im Umfeld von Großstädten angemietet werden könnten. Hier könnten, so die Überlegung, künftig Mitarbeiter aus Abteilungen arbeiten, die nicht zwangsläufig direkt an oder in den Werfthallen tätig sein müssen. Im Gespräch sind kaufmännische oder technische Aufgaben.

Ein Sprecher der Werft erklärte dazu, das sei „aktuell kein relevantes Thema für uns“. Tatsächlich werden im Zuge der laufenden Sanierung viele Dinge auf der Werft grundlegend neu aufgestellt und strukturelle Probleme versucht zu beheben. Als kritisch gilt dabei unter anderem die mangelnde Transparenz bei der Kostenentwicklung einzelner Projekte, heißt es aus informierten Kreisen.

Aber auch die Standortfrage wird gestellt, ist aus dem Unternehmensumfeld, aber auch dem politischen Raum zu hören. Nach Informationen unserer Redaktion soll dabei erwogen werden, Standorte im Umland von Metropolen wie etwa Hamburg zu eröffnen.

Entsprechende Überlegungen sind auf verschiedenen Ebenen hochsensibel. Zum einen läuft auf der Werft derzeit eigentlich ein Stellenabbau, um Kosten zu sparen. Nun andernorts Standorte zu eröffnen, um die Rekrutierung von Führungs- und Fachkräften zu erleichtern, dürfte Fragen innerhalb der eng mit Papenburg verwurzelten Belegschaft aufwerfen.

Zum anderen halten der Bund und das Land Niedersachsen nach der staatlichen Rettung im vergangenen Jahr jeweils 40 Prozent an der Meyer Werft. Ein neuer Standort außerhalb Niedersachsens – und seien es nur Büroräume in Hamburg – dürfte der Landesregierung in Hannover schwer zu vermitteln sein. Selbst dann, wenn mit dem Unternehmen „MAC“ aus dem Meyer-Kosmos bereits eine Firma in Hamburg seinen Sitz hat. Die Mitarbeiter entwickeln Klimasysteme für Schiffe.

Spekuliert wird daher über Räumlichkeiten südlich der Metropole, etwa im Landkreis Harburg. Auch eine Eröffnung entsprechender Büros in Rostock scheint denkbar. Die Hansestadt an der Ostsee mit ihren gut 200.000 Einwohnern ist Sitz der Neptun Werft, die zur Meyer Werft gehört. Allerdings hatte sich das Land Mecklenburg-Vorpommern vergangenes Jahr nicht an der Rettung des Unternehmens beteiligt.

Rückenwind könnte die Sitz-Überlegung bekommen, wenn sich eine Idee aus dem Krisenjahr 2024 konkretisiert, die zwischenzeitlich zumindest in der Öffentlichkeit in den Hintergrund geraten ist: Ursprünglich war angedacht, eine europäische Holding zu gründen.

Unter deren Dach sollten die vom deutschen Staat gerettete Meyer- und Neptun Werft mit der Werft „Meyer Turku“ in Finnland zusammenkommen. Das Unternehmen ist im Besitz der Familie Meyer verblieben und wird aktuell von Tim Meyer geleitet.

Eine Holding könnte beispielsweise den Einkauf der Werften bündeln und so helfen, Kosten zu sparen. Hier würde sich die Frage stellen, von wo solche Aufgaben am besten erledigt werden können und ob ein neutraler Holding-Sitz jenseits von Papenburg oder Turku nicht am sinnvollsten wäre.

Die Gründung einer entsprechenden Dachgesellschaft steht allerdings unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden. Auch die finnische Regierung dürfte hier Interesse an einer Mitsprache haben, hatte sie sich doch schon auf den letzten Metern der Meyer-Rettung im Jahr 2024 zu Wort gemeldet.

Seinerzeit war der Konzernsitz der Werftengruppe aus Luxemburg zurück nach Deutschland geholt worden. Die Meyers hatten die Dachgesellschaft 2015 in das Großherzogtum verlegt, um deutsche Gesetze zur Mitarbeiterbeteiligung zu umgehen. Diese würden Entscheidungsprozesse auf der Werft ausbremsen, hieß es damals. Dass nun, wo die Meyer Werft weit überwiegend im deutschen Staatsbesitz ist, ein Standort außerhalb Deutschlands für eine Holding gewählt wird, ist indes kaum vorstellbar.

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