Nach Anschlägen mit Pkw  So will Norden in Sachen Sicherheit aufrüsten

| | 06.03.2025 16:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Torfmarkt in Norden ist rechts und links bereits mit Metallpollern versehen. Foto: Rebecca Kresse
Der Torfmarkt in Norden ist rechts und links bereits mit Metallpollern versehen. Foto: Rebecca Kresse
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Nicht erst seit den Anschlägen in München und Magdeburg ist Sicherheit bei Veranstaltungen für alle Städte ein Thema. Auch in Norden soll jetzt investiert werden. Aber reicht das?

Norden - Berlin, Magdeburg, München, Mannheim – diese Städte stehen mittlerweile auch als Synonym für Anschläge auf Menschen mit einem Pkw. Die Gefahr für Nachahmer gibt es überall. Niemand weiß, ob, wann und wo es einen weiteren Anschlag geben wird. Deshalb will jetzt auch die Stadt Norden in Sachen Sicherheit aufrüsten. Im kommenden Haushalt sind bereits entsprechende Gelder eingeplant. Die Mittel werden aber nicht ausreichen, um die komplette Innenstadt abzusichern.

Laut Stadtverwaltung gibt es bisher ein Sicherheitskonzept für den Weihnachtsmarkt, den die Stadt Norden seit zwei Jahren wieder ausrichtet. „Aus nachvollziehbaren Gründen werden wir dieses im Detail nicht vorstellen“, teilte die Verwaltung auf Nachfrage mit. Trotzdem will die Stadt das Konzept überarbeiten. Hintergrund: Mehrfach stellten Mitarbeiter fest, dass Autofahrer durch abgesperrte Straßenbereiche am Weihnachtsmarktgelände gefahren sind, sagte Christoph Carls, Leiter des Fachdienstes Bürgerdienste und Sicherheit der Stadt Norden, jüngst in einer Ratssitzung.

Poller sollen Marktplatz sichern

Im kommenden Doppelhaushalt sind entsprechende Gelder für Sicherheitspoller eingeplant, teilte die Stadt mit. Solche Poller kosten gut und gerne eine sechsstellige Summe. Wie viel Geld am Ende in Norden zur Verfügung stehen wird, ist noch offen. Der Haushalt muss noch beraten und genehmigt werden. Das wird voraussichtlich noch einige Monate dauern.

Am Übergang zwischen Osterstraße und Marktplatz ist der Torfmarkt aber offen, genauso im hinteren Bereich in Richtung Marktpavillon. Foto: Rebecca Kresse
Am Übergang zwischen Osterstraße und Marktplatz ist der Torfmarkt aber offen, genauso im hinteren Bereich in Richtung Marktpavillon. Foto: Rebecca Kresse

Dann müsse auch noch geprüft und entschieden werden, wo die Poller aufgestellt werden, heißt es. Klar sei aber schon jetzt: „Vorrangig bleibt aber sicherlich, den Weihnachtsmarkt und weitere Veranstaltungen auf dem Norder Marktplatz abzusichern“, so die Antwort der Verwaltung. Bedeutet übersetzt so viel wie: Die Poller werden aufgestellt, um die noch offenen Flächen am Marktplatz zu sichern. Zurzeit sind im vorderen Bereich, dem Torfmarkt, rechts und links Metallpoller verankert. Trotzdem ist die Einfahrt auf den Torfmarkt vom Marktpavillon aus und am Übergang zur Osterstraße befahrbar. Diese müssten bei Festen mit flexiblen Sperren gesichert werden.

Auch die Einkaufsstraßen müssen gesichert werden

Bleibt es bei den Plänen, schieben Politik und Verwaltung die Sicherung der Innenstadt von sich und den Geschäftsleuten und dem Wirtschaftsforum Norden zu. Denn längst nicht alle Veranstaltungen finden in Norden auf dem Marktplatz statt. Auch Osterstraße und Neuer Weg werden bei Festen wie beim Norder Eiskunstfestival, Erntedankfest, Sommerstaffel bespielt. Ausrichter oder Mitausrichter in diesen und weiteren Fällen das Wirtschaftsforums Norden.

Das Problem: Die Norder Einkaufsstraßen sind von mehreren Straßen aus befahrbar. Sowohl für den Lieferverkehr als auch für Anwohner – und somit auch für potenzielle Attentäter. Gleichzeitig können aber nicht alle Ein- und Ausgänge für Feste komplett abgeriegelt werden. Brandschutz ist in der engbebauten Innenstadt ein großes Thema.

Wirtschaftsforum arbeitet an einer Lösung

Die Aufgabe der Sicherheit ist beim Norder Wirtschaftsforum bereits angekommen. „Wir haben das ganz oben auf der Agenda“, sagte der Vorsitzende des Vereins, Günter Schneider, im Gespräch mit unserer Zeitung. Eine Lösung oder gar ein fertiges Konzept gebe es aber noch nicht. In der nächsten Vorstandssitzung stehe das Thema auf der Tagesordnung. Danach seien Gespräche mit der Stadt aber auch mit der Feuerwehr geplant.

Im hinteren Bereich, dem Beestmarkt, gibt es noch gar keine Sicherung. Im Gegenteil: Zwischen den Bäumen ist so viel Platz, dass Autos dort problemlos auf den Marktplatz fahren können. Foto: Rebecca Kresse
Im hinteren Bereich, dem Beestmarkt, gibt es noch gar keine Sicherung. Im Gegenteil: Zwischen den Bäumen ist so viel Platz, dass Autos dort problemlos auf den Marktplatz fahren können. Foto: Rebecca Kresse

Ganz so einfach, wie es sich die Stadt anscheinend machen will, wird es nicht. Denn nicht nur das Norder Wirtschaftsforum, auch die Stadt selbst richtet Veranstaltungen in der Innenstadt aus, etwa mit dem Sommerfest und dem Kleinkunstfestival.

Auf der anderen Seite findet das Genuss Weinfest des Wirtschaftsforums auf dem Torfmarkt in Norden statt. In Sachen Sicherheit für Schneider gar kein Grund zur Sorge. „Einen Marktplatz abzusperren ist kein Problem“, so Schneider. Außerdem mache das in diesem Fall die Stadt.

Am Ende wird wohl nicht eine einzige Instanz in Norden für die Sicherheit sorgen können – es wird eine Gemeinschaftsaufgabe bleiben.

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