Obdachlosigkeit in Aurich Container als letzte Option für Wohnungslose
Die Unterkünfte sind voll. Die Stadt Aurich kann ihrer Pflicht, Obdachlose unterzubringen, nicht mehr nachkommen. Welche Lösungen es geben könnte.
Aurich - Verpflichtet ist die Stadt Aurich, obdachlose Menschen in Unterkünften unterzubringen. Eine Pflicht, der die Stadt Aurich nur noch bedingt nachkommen kann. Denn die städtischen Wohnungen, die dafür vorgesehen sind, sind belegt. Ein Aufruf der Stadt vor wenigen Wochen, geeignete Wohnungen anzubieten, hat nichts ergeben. Das sagte die zuständige Fachbereichsleiterin Dr. Edith Ulferts am Dienstag im Sozialausschuss der Stadt. Es gebe nun nur noch die Möglichkeit, Zimmer in Hotels oder Pensionen sowie Ferienwohnungen anzumieten.
Die einzige andere Möglichkeit sei es, so Ulferts, Container aufzustellen, um Obdachlose unterbringen zu können.
Standort Tannenhausen in der Kritik
So sollen in Tannenhausen auf einer städtischen Fläche an der Bürgermeister-Siebolds-Straße zehn Einzelcontainer sowie zwei Doppelcontainer errichtet werden und insgesamt Platz für 14 Personen bieten. Das hatte die Stadt Mitte Februar im Gespräch mit unserer Redaktion angekündigt. Es ist laut Ulferts die einzig zur Verfügung stehende Fläche. Parallel wird in der Stadtverwaltung ein eingeschossiger Schlichtbau mit Einzelappartements geplant. Der Bau soll, so Stadtsprecher Cord Cordes im Februar, 15 Wohneinheiten umfassen und Platz für 15 bis 20 Personen bieten.
Beides, der Containerstandort in Tannenhausen ebenso wie die Planung des Neubaus, sorgte in der Politik für Kritik. In der Sitzung des Rates in der vorigen Woche machte Hendrik Siebolds (Linke) seinem Ärger Luft. Denn die Politik habe von den Vorhaben nur aus der Presse erfahren, sei nicht von der Verwaltung informiert worden. Einen politischen Beschluss für einen Neubau gebe es nicht. „Wann wird die Politik damit befasst?“, fragte Siebolds.
Forderung: Wohnungsbau zur Chefsache machen
Der Standort Tannenhausen sei einfach schlecht gewählt. Denn es gebe dort keine Busverbindungen und keine Einkaufsmöglichkeiten. „Das ist eine Notlösung der Notlösung.“ Das Problem sei überhaupt erst entstanden, weil im Wohnungsbau jahrelang nichts passiert sei. Die Stadtwerke Aurich, die eigentlich nun in den Wohnungsbau einsteigen sollten, würden damit nicht in die Gänge kommen, so Siebolds. Dabei habe das Wohnraumversorgungskonzept des Landkreises Aurich gezeigt: „Es herrscht Alarmstufe Rot.“
Siebolds hat bereits mehrfach vorgerechnet, wie Sozialwohnungen mit Fördermitteln finanziert werden können. „Sie belasten den Haushalt nicht“, bekräftigte er nochmals. Es sei an der Zeit, parallel mehrere Projekte anzuschieben. Bürgermeister Horst Feddermann müsse den Wohnungsbau zur Chefsache machen.
Obdachlose stammen mehrheitlich aus Aurich
Siebolds hatte seine Anmerkungen am Ende der Ratssitzung gemacht. Mitglieder der anderen Ratsfraktionen nutzten den Sozialausschuss am Dienstag, um näher auf das Thema der Unterbringung von obdachlosen Menschen einzugehen.
Obdachlosigkeit kann jeden treffen, jederzeit. Das betonte Ulferts am Dienstag im Sozialausschuss. Sie berichtete von einem Fall im eigenen Bekanntenkreis, bei dem ein persönlicher Schicksalsschlag dazu geführt habe, dass ein Mensch fast die Wohnung verloren hätte. Auch bei den Obdachlosen, die von der Stadt Aurich untergebracht werden müssten, handele es sich überwiegend um Einzelpersonen und Familien, die in Aurich gelebt hätten und die Wohnung verloren hätten.
Grundstück in Rahe wird geprüft
Die Stadt habe 46 Wohnungen zur Verfügung, so Ulferts. Und die seien größtenteils belegt. Deswegen sollten nun vorübergehend auf einem Gelände in Tannenhausen Container aufgestellt werden. Vorübergehend auch deswegen, weil für ein Gebäude im Kreihüttenmoorweg, das eigentlich verkauft werden sollte, kein Käufer gefunden werden konnte. Laut einer Beschlussvorlage für den Finanzausschuss soll das Haus nun als Unterkunft für Wohnungslose genutzt werden.
Der Standort Tannenhausen für die Containerunterkünfte ist weit von der Innenstadt entfernt. Darin waren sich die Ratsfraktionen einig. Denn wer obdachlos ist, verfügt in der Regel nicht über ein eigenes Auto, um zum Einkaufen fahren zu können. Reinhard Warmulla (Linke) schlug daher das Kasernengelände als Standort für die Container vor. Das aber ist nicht möglich, weil das Gelände bisher noch nicht der Stadt Aurich gehört.
Das Grundstück eines verfallenen Hofes in Rahe, direkt an der Landesstraße 1 in Richtung Westerende, brachte Johann Reiter (AWG) ins Spiel. Das Gelände hat die Stadt gekauft, weil dort eine neue Kindertagesstätte gebaut werden sollte. Einen Beschluss darüber gibt es noch nicht. Daher, so Reiter, könnten dort doch die Container aufgestellt werden. Platz genug sei da ja vorhanden. Ein Vorschlag, der laut Ulferts nun geprüft werden soll.
Auch andere Optionen will sich die Stadtverwaltung offenhalten. In der zweiten Hälfte dieses Jahres soll es eine umfangreiche Beschlussvorlage geben, in der auch weitere Lösungsmöglichkeiten aufgelistet werden sollen, so Ulferts.