Gabriele Boschbach Journalistin veröffentlicht ersten Roman – trotz Krebs
Mit 65 Jahren veröffentlicht Gabriele Boschbach ihren ersten Roman. Er spielt auf ihrer Lieblingsinsel Norderney. Von einer schlimmen Diagnose lässt sie sich nicht entmutigen.
Aurich - Gabriele Boschbach hat ihr Leben lang geschrieben. Sie hat Germanistik und Kunstpädagogik studiert und arbeitet seit Jahrzehnten als Journalistin, seit vielen Jahren auch als Reporterin für diese Zeitung in Aurich. Doch erst jetzt, mit 65 Jahren, veröffentlicht sie ihren ersten Roman. „Tote Hummer beißen nicht“ heißt das Buch, das am 12. März 2025 in den Handel kommt.
Vom Verlag wird der Roman, der auf Boschbachs Lieblingsinsel Norderney spielt, als Küstenkrimi vermarktet. Doch ein Krimi im eigentlichen Sinne ist es nicht. „Eher eine Krimi-Groteske“, sagt die Autorin über das Buch, an dem sie mehr als ein Jahr geschrieben hat. In Urlauben, an den Wochenenden und in so mancher schlaflosen Nacht befasste sie sich mit Inselkommissar Ole Lokeldiek und dem Strudel aus Intrigen und Missgunst, in den dieser gezogen wird. Sie schrieb den Roman neben ihrem Vollzeitjob als Redakteurin.
Im November 2024 kam der Schock
Ende 2023 war das Manuskript fertig. Zu ihrer eigenen Überraschung fand Boschbach schnell einen Verlag, der Interesse zeigte und mit dem sie schließlich handelseinig wurde. Ihr Buch erscheint im Gmeiner-Verlag aus Baden-Württemberg, der sich auf Regionalkrimis, historische Romane und Thriller spezialisiert hat.
Lektorat, Überarbeitung, Titelsuche, Gestaltung: Bis aus einem eingereichten Manuskript ein verkaufsfertiges Buch wird, vergehen Monate, manchmal mehr als ein Jahr. Das ist normal. Gabriele Boschbach ereilte in der Zwischenzeit ein Schicksalsschlag: Im November 2024 erhielt sie die Diagnose Brustkrebs. Seitdem ist die 65-Jährige krankgeschrieben.
„Ich finde es falsch, sich zu verstecken“
Seit Monaten unterzieht sie sich einer ambulanten Chemotherapie. Die Haare sind längst ausgefallen, die Erschöpfung nach den Sitzungen ist groß. Dennoch: Wie Boschbach am Tisch sitzt und über ihr Buch redet, wirkt sie fast wie die Alte. Ihr Lebensmut ist ungebrochen, ihre Zuversicht ebenso. Die Heilungschance sei relativ hoch, sagt die Autorin, die noch einige Monate der Therapie vor sich hat. Sie geht sehr offen mit ihrer Krankheit um. „Ich finde es falsch, sich zu verstecken.“
Ihr Buch bewirbt sie seit einigen Wochen mit einer Art Countdown auf Facebook und Instagram. Jeden Sonntag erscheint ein neues Video, in dem sie dem Publikum den Mund wässrig macht. In einem davon ist sie mit Glatze zu sehen. Der haarlose Kopf steht ihr so gut, dass eine Userin sogar fragte, ob sie sich aus modischen Gründen die Haare abrasiert habe.
Vielleicht hat sie die Krankheit geahnt
Was Boschbach wurmt: Außenstehende könnten auf die Idee kommen, dass sie die Auszeit genutzt hat, um ein Buch zu schreiben. Eine in jeder Hinsicht abwegige Vorstellung.
Dennoch: Im Nachhinein denkt die Autorin, dass sie vielleicht etwas geahnt habe von der Krankheit. Unbewusst sei das Thema in das Buch eingeflossen, erklärt sie. Es trifft eine der Hauptfiguren in dem Roman. Details sollen an dieser Stelle nicht verraten werden.
Insulaner befürchten Ausverkauf der Insel
Dass sie ein Buch über Norderney schreiben will, das war Boschbach schon lange klar. „Es hat die ganze Zeit in mir gegärt wie ein Sauerteigansatz“, sagt sie schmunzelnd. Drei Jahre lang, von 2008 bis 2011, hat sie auf der Insel gewohnt und gearbeitet. In dieser Zeit berichtete sie unter anderem über ein Tötungsdelikt. Ein 24-Jähriger und ein 20-Jähriger brachten im Januar 2010 einen 69 Jahre alten Kellner um. Sie waren in einen Streit um Geld geraten.
Nach wie vor fährt Boschbach mehrmals im Jahr auf die Insel, meist für Kurzurlaube. Sie kennt die Konfliktlinien: zwischen Urlaubern, die Ruhe suchen, und solchen, die Party machen wollen, zwischen Einheimischen und Zugezogenen, zwischen denjenigen, die Geschäfte machen wollen, und solchen, die Überfrachtung und Ausverkauf der Insel befürchten. „Sie fühlen sich weggejagt“, sagt Boschbach. Ein solches Minenfeld biete idealen Stoff für einen Roman.
Leiche wird an den Strand gespült
Auch Boschbachs Vorliebe für Themen rund um Gastronomie und Kochkunst fließt in den Roman ein. Es ist kein Zufall, dass zu den Hauptfiguren ein ehemaliger Restaurantkritiker und eine Food-Bloggerin gehören. Schon die erste Szene spielt im Frühstücksraum eines Nobelhotels.
Wie es sich für einen Krimi gehört, gibt es in „Tote Hummer beißen nicht“ auch Gewalt und Tote. Ein Hotel und ein Auto sind Ziele von Sprengstoffanschlägen. Eine Leiche wird am Strand angespült. Genug Stoff, um den Inselkommissar ins Schwitzen zu bringen.
Auf eine möglichst realistische Darstellung der Polizeiarbeit oder gar auf Plausibilität komme es ihr dabei nicht an, sagt Boschbach lächelnd. Ihre Devise: „Literatur darf alles.“ Die Autorin ist gespannt, wie ihr erstes Buch ankommt. Eine Fortsetzung soll folgen. Denn Norderney bietet so viel Stoff, den kann man unmöglich in nur einem Roman abhandeln.
Gabriele Boschbachs Roman „Tote Hummer beißen nicht“ erscheint am 12. März 2025 im Gmeiner-Verlag. ISBN 978-3839207888. 272 Seiten, 14 Euro.