Gesundheit in Aurich und Ostfriesland  So sehen ostfriesische Ärzte die elektronische Patientenakte

| | 05.03.2025 08:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mareike Grebe und Mark Barjenbruch bei der Auricher Pressekonferenz zum neuesten Stand der elektronischen Patientenakte. Foto: Lasse Paulsen
Mareike Grebe und Mark Barjenbruch bei der Auricher Pressekonferenz zum neuesten Stand der elektronischen Patientenakte. Foto: Lasse Paulsen
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Testweise ist die elektronische Patientenakte schon in einigen Regionen eingeführt. Doch ostfriesische Ärzte sehen noch erhebliche Probleme.

Aurich - Ärzte in Ostfriesland fordern, die flächendeckende Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) zu verschieben. Zumindest, bis eine Reihe von Problemen gelöst sei. Die Sicherheit der Daten und die Anwendung der Akte seien in der aktuellen Form nicht praxistauglich, erklärten Mareike Grebe, Vorsitzende des Auricher Bezirksausschusses der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) und Mark Barjenbruch Vorstandsvorsitzender der KVN, bei einer Pressekonferenz in Aurich. Derzeit wirke das System wie „eine lose Blättersammlung“ und „ein spannendes Abenteuer“, sagt Grebe, die selber Allgemeinmedizinerin in Hesel ist.

Seit 15. Januar läuft eine Testphase des Systems in den Regionen Hamburg, Franken, Westfalen-Lippe und Nordrhein. Am 15. Februar sollte das System eigentlich deutschlandweit in der medizinischen Versorgung eingeführt werden. Das wurde vorerst auf unbestimmte Zeit verschoben. Laut Barjenbruch sei der 15. April von der verantwortlichen Firma, Gematik, angepeilt. Doch ob an dem Datum festgehalten werden kann, bezweifelt er.

Rechtliche Probleme bei Akten für Kinder

Neben Problemen bei der Umsetzung des Systems birgt die Akte für Kinder derzeit auch ein rechtliches Problem, erklärt Barjenbruch. Kinder können einer Erstellung der Akte nicht widersprechen. Das müssen ihre Eltern für sie tun. Derzeit ist es so, dass jeder eine ePA bekommt, der keinen Einspruch dagegen erhebt. Die KVN empfiehlt jedoch, dass nur derjenige, der eine ePA anfordert, auch eine bekommt. Die Akte könne entscheidend für die Zukunft eines Menschen sein. Habe ein Jugendlicher eine Diagnose bekommen, könne ihn das etwa daran hindern, in bestimmten Berufen zu arbeiten.

Zurückhaltung herrscht auch bei den Ärzten. „Wir wollen nicht die Versuchskaninchen für ein System sein, das nicht funktioniert“, sagt Grebe. Schlechte Erfahrungen bei der Einführung von Digitalisierung in den Praxen würden die Meinung einiger Ärzte beeinflussen. Das könne sie nachvollziehen, trotzdem sei es nicht der richtige Weg, grundsätzlich gegen solche Projekte zu sein. Denn obwohl beispielsweise das E-Rezept oder elektronische Krankschreibungen holprige Starts gehabt hätten, seien sie inzwischen eine Entlastung. Doch so weit müsse die elektronische Patientenakte erst noch kommen. Derzeit sei sie eher belastend als entlastend.

System soll Bürokratie entgegenwirken

Entlastung ist das Stichwort, auf das die ePA abzielt. Ärzte, Patienten und Krankenkassen sollen davon langfristig profitieren. Derzeit verlieren Ärzte laut Barjenbruch jährlich 62 Tage für Bürokratie. Dieser Aufwand soll minimiert werden. Durch das System sollen alle Befunde eines Patienten für die behandelnden Ärzte auf einmal sichtbar und zugleich übersichtlich sein. Doch zuverlässig ist das nicht: Patienten können die Einsicht in die Akte für bestimmte Ärzte sperren. Auch Befunde könnten sie verbergen lassen. „Dann kann man dem Arzt aber keinen Vorwurf machen, wenn er nicht die optimale Behandlung bieten kann“, so Barjenbruch.

Schwierig wird es für die Ärzte, wenn ein Patient viele Einträge in der Akte hat, sagt Grebe. Denn eine Suchfunktion gebe es aktuell noch nicht. Ebenso würden zum Beispiel Röntgenbilder oder ein Medikamentenplan nicht in der Akte angelegt werden können. Auch den Zugriff im Notfall hat ein Arzt nicht. Er braucht immer die Zustimmung des Patienten. Barjenbruch verglich das System mit der ehemaligen A-Klasse von Mercedes: Die hatten damals auch nicht mit dem Elch-Test gerechnet, sagt er. Und ebenso sei die elektronische Patientenakte noch nicht ausreichend geprüft worden.

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