Heide  Northvolt in Heide: Kommt aus China die Rettung für die Batteriezellenfabrik?

Martin Schulte
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Von Martin Schulte
| 28.02.2025 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hält eine Kooperation mit China für sinnvoll: IfW-Präsident Moritz Schularick Foto: dpa
Hält eine Kooperation mit China für sinnvoll: IfW-Präsident Moritz Schularick Foto: dpa
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Die Zukunft des Batterieherstellers Northvolt hängt von erfolgreichen Investoren-Gesprächen ab. Eine Lösung könnte die Zusammenarbeit mit China sein.

Es wird weiter gebaut. Davon konnten sich auch am Freitag hunderte Autofahrer überzeugen, die auf der B5 am Northvolt-Gelände bei Heide vorbeifuhren. Ein Indiz, dass das Geld noch reicht beim schwedischen Batteriezellenhersteller, mehr nicht. Die Restrukturierung des Start-Ups ist in vollem Gange, aus Unternehmenskreisen und aus der Kieler Politik heißt es, dass derzeit intensive Gespräche mit mehreren interessierten Investoren geführt würden. Wer nach den Namen der möglichen Partner fragt, erntet allerdings nur Schweigen.

„Wenn da jetzt irgendein möglicher Name öffentlich werden sollte, würde dieser sofort vom Tisch aufstehen. Das ist gerade eine sensible Phase”, verrät ein Beteiligter. Auch der Zeitpunkt für eine Präsentation von Investoren ist nicht zu erfahren. Sicher ist nur: Allzu lange wird es wohl nicht mehr dauern, in den kommenden sechs Wochen sollte eine Entscheidung gefallen sein. 

Dabei geht es gar nicht unbedingt ums Geld und auch nicht das Vertrauen in die Technik, sondern um die Beseitigung der Mängel in der Produktion. Die Probleme beim sogenannten „Ramp-Up”, die Entwicklung einer standardisierten Fertigung, hat die Northvolt-Krise ausgelöst. Zu viel Ausschuss, zu geringe Produktionszahlen - das sind Faktoren, die Aufträge gekostet haben. Und die von den Verantwortlichen bei Northvolt falsch eingeschätzt wurden. 

Denn die Autobauer brauchen natürlich vor allem eines: Verlässlichkeit bei den Lieferzahlen und der Qualität. Die europäische Politik dagegen will immer noch eine wichtige Technik für Elektroautos nach Europa holen - Strategie schlägt hier Wirtschaftlichkeit. 

Eine Einschätzung, die auch Moritz Schularick bestätigt. Der Präsident des Kiel Institut für Weltwirtschaft hält die Intention der staatlichen Investitionen grundsätzlich für richtig: „Die Umsetzung des Northvolt-Projektes ist, milde gesagt, nicht gut gelaufen. Aber der Versuch, in der Batterietechnologie Fuß zu fassen, geht in die richtige Richtung, zumal Schleswig-Holstein bei diesem Projekt mit Windenergie und Erneuerbaren punkten kann.” Die Heider Standortvorteile im Bereich der erneuerbaren Energien sollen auch bei den Investoren-Gesprächen eine wichtige Rolle spielen. 

Bleibt die Frage nach der technischen Entwicklung und der standardisierten Produktion der Batteriezellen. Der Umstand, dass die Chinesen in diesen Bereichen Marktführer sind, mündet für Schularick in einer für ihn nahe liegenden Konsequenz: „Ich kann mir vorstellen, dass Northvolt in Heide am Ende in chinesischer Hand sein wird.” So lange die Produktion in Deutschland liege, könne man bezüglich der Eigentümerstrukturen entspannt sein: „Entscheidend ist dabei, sich nicht zu abhängig zu machen, sondern dass Softwareentwicklungen und Produktionsprozesse transparent laufen.”

Dann, so Schularick, sei es egal, ob das Werk in Deutschland Chinesen oder Indern oder Belgiern gehöre. Der IfW-Präsident würde das Modell, das China an die weltwirtschaftliche Spitze geführt hat, gerade bei den Zukunftstechnologien nach Deutschland holen: „Ich habe schon oft gesagt, dass wir das Prinzip, dass die Chinesen groß und stark gemacht hat, umkehren müssen: Also Joint Ventures zu gründen, bei denen der Technologietransfer Teil der Zusammenarbeit ist.”

In Spanien ist diese Idee Ende vergangenen Jahres schon Realität geworden: In Saragossa hat der europäische Autokonzern Stellantis, zu dem unter anderem die Marken Opel, Fiat, Peugeot und Chrysler gehören, mit dem chinesischen Batteriehersteller Catl eine gemeinsame Batteriezellenfabrik geplant - für vier Milliarden Euro. 

Es scheint also nicht abwegig, dass die Zukunft der europäischen Batteriezellenproduktion aus China importiert wird. Auch nach Heide. Immerhin hat Northvolt schon die Maschinen größtenteils in Asien gekauft. Eine komplett autarke europäische Batteriezelle sei ohnehin unmöglich, heißt es in Fachkreisen, nicht nur, weil wichtige Rohstoffe wie Lithium aus dem außereuropäischen Raum importiert werden müssten. 

Von Northvolt selbst gibt es derzeit nur ein karges Statement zur Investorensuche: „Wir sind in intensiven Gesprächen. Parallel laufen die Bauarbeiten in Heide weiter”, sagte ein Sprecher. Und es sei gerade ein weiterer großer Auftrag in die Region vergeben worden. Ein Unternehmen aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde soll für mehr als zwei Millionen Euro einen 4,6 Kilometer langen Zaun um das gesamte Werksgelände bauen. Im Juli soll alles fertig sein, bis dahin gibt es für die Autofahrer an der B5 also noch einiges zu sehen. Immerhin das.

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