Pläne für Kinderbetreuung Alte Kitas im Brookmerland sollen verschwinden
Mit Blick auf ihre Kindertagesstätten will sich die Samtgemeinde Brookmerland neu aufstellen. Wie das gehen soll und welche Rolle ein Neubau dabei spielt.
Brookmerland - Vor einem Umbruch steht die Kita-Landschaft im Brookmerland: Mit Blick auf Krippen und Kindergärten will die Samtgemeinde künftig personell und räumlich flexibler werden. Das sieht ein Konzept vor, das die Brookmerlander Kita-Koordinatorin und Qualitätsbeauftragte Sandra Ficek in der jüngsten Sitzung des Ratsausschusses für Soziales, Integration und Sport in Wirdum (wir berichteten) vorgestellt hat.
Derzeit gibt es zehn Kindertagesstätten, von denen sich zwei (Marienhafe und Osteel) in kirchlicher Trägerschaft befinden. Laut Ficek stehen damit Plätze für 520 Kinder zur Verfügung. „Das ist eine Menge“, sagte sie. Der Grundbedarf werde damit gedeckt. Trotz des Fachkräftemangels werde „gute Arbeit“ geleistet, sei die „pädagogische Qualität sehr gut“, betonte Ficek.
„Bestandsimmobilien“ schränken ein
Das aber dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Räumlichkeiten teilweise schlecht und wir wenig flexibel sind“, sagte die Verwaltungsmitarbeiterin. Beispielhaft nannte sie die beiden Containerkrippen in Upgant-Schott und Rechtsupweg. Diese seien als Provisorien ursprünglich nur für einen gewissen Zeitraum gedacht gewesen. „Ein Container ist und bleibt ein Container“, sagte Ficek. Nicht mehr zeitgemäß sei die Einrichtung „Bunte Socke“ in Rechtsupweg. „Problematisch“ und „im Grenzbereich“ sind laut Ficek die Einrichtungen „Konfetti“ in Leezdorf und „Rummelpott“ in Upgant-Schott. Diese und andere „Bestandsimmobilien“ schränkten räumlich, aber auch mit Blick auf eine moderne Pädagogik ein. „Das ist durch Sanierung dort nicht mehr hinzukriegen“, so Ficek. „Wir wollen in Zukunft flexibler werden“, kündigte die Kita-Beauftragte an.
Dabei helfen soll der Neubau einer Einrichtung mit fünf Gruppen. Der soll laut Ressortchefin Manuela Isokeit im „Steckkastensystem“ entstehen und flexibel nutzbar sein, je nachdem, ob Krippen- oder Kindergartengruppen benötigt würden. „Mit den vorhandenen Gebäuden können wir so flexibel jetzt nicht reagieren“, erklärte Isokeit.
Nicht alle Einrichtungen blieben bestehen, so Ficek. Langfristig aufgelöst werden sollen laut dem von ihr präsentierten Entwicklungskonzept die „Bunte Socke“ und das „Wimmelhuus“ in Rechtsupweg sowie das „Swaalvkenüst“ und das „Krabbelnüst“ in Upgant-Schott. Letzteres befindet sich in einer zweistöckigen Stadtvilla, die die Samtgemeinde einst von einem Leezdorfer Kaufmann kaufte. Das sei wegen der Raumaufteilung und der Außenanlagen keine „optimale Lösung“ gewesen. „Man merkt es in der pädagogischen Arbeit“, so Ficek. Das Gebäude wäre als Mehrfamilienhaus besser geeignet, befand sie.
Aus dem alten Kindergarten „Rummelpott“ ließe sich ihrer Ansicht nach ein Familienzentrum machen, so wie es mit dem „Schneckenhaus“ bereits eines in Osteel gibt.
Die Grenze der Leistungsfähigkeit bestimmter Objekte sei erreicht, stellte Brookmerlands stellvertretender Samtgemeindebürgermeister und Bauamtsleiter Jochen Behrends fest. Diese müssten „zur Disposition“ gestellt werden, sagte er. Selbst in die neuesten Einrichtungen wie der Kita „Lüttje Lüü“ in Rechtsupweg müsse fortlaufend investiert werden. „Wir kommen da nie zum Abschluss. Das ist ein dynamischer Prozess“, sagte Behrends.
Unklar blieb vorerst, wo die neue Kita mit fünf Gruppen entstehen soll. Sie nehme an, dass das neue Gebäude nicht in Osteel gebaut werde, obwohl sie und alle Osteeler dies begrüßen würden, merkte Ida Bienhoff-Topp (BfB) ironisch an. „Wir sehen den Neubau nicht in Osteel“, so Ficek.
Das Problem bestehe darin, passende Grundstücke dafür zu finden, sagte Brookmerlands Verwaltungschef Gerhard Ihmels (SPD). Schon jetzt komme es vor vorhandenen Einrichtungen und auch vor Schulen regelmäßig zum „Verkehrschaos“.
Diskussion über Standorte
Bienhoff-Topp empfahl dringend, bei der Festlegung künftiger Kita-Standorte die wieder eingeführten Einzugsbereiche der Schulen im Blick zu behalten, um Eltern mit mehreren Kindern nicht noch weiter einzuschränken und ihnen unnötige Fahrten zu ersparen.
Er halte nichts von „konstruierten Fällen“, entgegnete Ihmels und plädierte dafür, sich „an der Realität“ und am tatsächlichen Bedarf zu orientieren. Man benötige gut erreichbare und verkehrsgünstig gelegene Standorte. Wo die seien, dürfe keine Rolle spielen, so Ihmels. Eine Diskussion darüber sei für ihn „Kleinstaaterei“. „Sind wir im Mittelalter oder wollen wir groß denken?“, fragte er und forderte: „Wir müssen groß in Richtung Brookmerland denken und nicht kleinteilig in Richtung Gemeinde.“ Wichtig seien die Kinder und Eltern. Und denen sei es egal, ob die Kita direkt vor der Haustür liege oder nicht. Bienhoff-Topp sagte, sie höre immer wieder Gegenteiliges.