Überraschung im OP  Ärzte entdecken viertes Baby erst beim Kaiserschnitt

Stephanie Tomé
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Von Stephanie Tomé
| 20.02.2025 10:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im St. Marienhospital Vechta sind Vierlinge zur Welt gekommen. Mutter Vasilica-Florentina Imbrea und die vier Kinder (hier David Cristian) sind wohlauf. Foto: Daniel Meier/St. Marienhospital
Im St. Marienhospital Vechta sind Vierlinge zur Welt gekommen. Mutter Vasilica-Florentina Imbrea und die vier Kinder (hier David Cristian) sind wohlauf. Foto: Daniel Meier/St. Marienhospital
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Eine Emderin bringt gesunde Vierlinge zur Welt: Diese Schlagzeile ging vor wenigen Tagen deutschlandweit durch die Medien. Wie geht es Mutter und Kindern inzwischen?

Emden/Vechta - Statistisch gesehen werden bundesweit nur einmal im Jahr Vierlinge geboren, also bei einer von rund 600.000 Geburten. Dass Vasilica-Florentina Imbrea einmal selbst eine solche besondere Geburt erleben darf, hätte sie nie geglaubt. Auch als die Wehen einsetzten, hatte die 22-jährige Emderin noch keine Ahnung, dass sie wenig später Vierlinge entbinden würde. Bei den Untersuchungen während der Schwangerschaft hatten die Ärzte immer nur drei Kinder entdeckt, zwei Jungen und ein Mädchen. Erst während des Kaiserschnitts entdeckten sie ein weiteres Kind – einen Jungen. „Zuerst habe ich gelacht,“, erinnert sich die Mutter, die während der Operation bei Bewusstsein war. „Ich dachte, die Ärzte machen einen Witz. Aber als ich gesehen habe, dass es wahr ist, konnte ich nicht mehr aufhören zu weinen.“

Die Eltern der Vierlinge leben gemeinsam mit ihrem knapp zwei Jahre alten Sohn in Emden. Foto: Privat
Die Eltern der Vierlinge leben gemeinsam mit ihrem knapp zwei Jahre alten Sohn in Emden. Foto: Privat

Das alles liegt nun ein paar Tage zurück. Vasilica-Florentina Imbrea ist inzwischen aus dem Krankenhaus in Vechta entlassen worden. Sie erholt sich zu Hause in Emden von ihrem Kaiserschnitt und versorgt ihren knapp zweijährigen Sohn. Ihr Mann geht wieder zur Arbeit. Die vier neugeborenen Kinder werden derweil weiterhin intensivmedizinisch auf der Neonatologie – der Frühchen-Intensivstation – des Marienhospitals in Vechta versorgt. In wenigen Tagen wird Vasilica-Florentina Imbrea jedoch zusammen mit ihrem anderen Sohn ein Zimmer am Krankenhaus beziehen, um ihre Vierlinge jeden Tag besuchen zu können, ohne lange Fahrtwege bewältigen zu müssen.

Gefühlschaos aus Angst, Glück und Panik

Schwangerschaft und Geburt verliefen komplikationslos. Als Vasilica-Florentina Imbrea erfuhr, dass sie so kurz nach der Geburt ihres ersten Sohnes Mehrlinge erwartet, war das nicht nur eine große Überraschung, sondern auch ein kleiner Schock. „Ich kann die Worte nicht beschreiben, was ich in dem Moment gefühlt habe. Angst, Glück und Panik sind einige Worte, die passen würden. Aber die Tränen, die dann kamen, konnte ich nicht kontrollieren.“

Die Kinder wurden am 11. Februar mehr als zwei Monate vor dem errechneten Entbindungstermin geboren. Die Mutter kam mit vorzeitigen Wehen zunächst ins Auricher Krankenhaus, wurde von dort aus aber gleich nach Vechta verlegt. Das dort ansässige St. Marienhospital ist spezialisiert auf Frühgeburten und erfüllt die Anforderungen eines Perinatalzentrums der höchsten Versorgungsstufe Level 1. Ein großes Team aus Gynäkologen, Kinderärzten, einer Hebamme und Kinderkrankenschwestern war im Einsatz. Die Neugeborenen hatten ein Geburtsgewicht zwischen 1120 und 1480 Gramm. „Dass die Eltern in unser Krankenhaus vermittelt wurden, ist eine besondere Ehre und Auszeichnung für unser Haus und alle Beteiligten“, so Katharina Rindfleisch, Klinikmanagerin St. Marienhospital Vechta: „Alle haben professionell und sehr eingespielt zusammengearbeitet. So wurde durch unser erfahrenes Team die sichere Geburt unserer Vierlinge ermöglicht.“

Schwester half spontan bei der Auswahl der Namen

Die Kinder heißen Anais Rebeca, Eric Gabriel, Patrick Mathias und David Cristian. Sich für so viele Namen zu entscheiden, sei gar nicht so einfach gewesen, berichtet Vasilica-Florentina Imbrea, zumal die Eltern mit „nur“ drei Kindern gerechnet hatten. Auf die Schnelle half eine Schwester mit einem weiteren Namensvorschlag aus. Sie fragte, ob ihnen „Cristian“ gefallen würde. „Mein Mann und ich fanden auch David gut, und so haben wir uns dann für ,David Cristian‘ entschieden.“

Die vier Neugeborenen sind inzwischen auf einem guten Weg. „Sie machen das großartig“, sagt Vasilica-Florentina Imbrea, die jeden Tag Rücksprache mit dem Krankenhaus hält und sich über den Zustand ihrer Kinder informiert. Nachdem die Babys zuerst noch beatmet werden mussten, ist das nun nicht mehr nötig. Die Ärzte gehen davon aus, dass sie sich künftig wie Kinder entwickeln werden, die nicht zu früh geboren wurden. Voraussichtlich werden die Vierlinge noch bis zu ihrem errechneten Geburtstermin in Vechta bleiben müssen.

Familie ist auf der Suche nach einem Auto mit sieben Sitzen

Das verschafft der Familie, die aus Rumänien stammt und seit 2022 in Emden lebt, etwas Zeit, um sich auf den Alltag als Großfamilie vorzubereiten. Ein großes Haus mit fünf Schlafzimmern ist bereits gefunden, der Umzug ist für April geplant. Ein Problem, das noch gelöst werden muss, ist die Frage nach einem passenden Auto. „Wir brauchen ein Fahrzeug mit sieben Sitzen, da sind wir noch auf der Suche“, sagt Vasilica-Florentina Imbrea. Die Eltern der Vierlinge können in Emden nicht auf familiäre Hilfe hoffen, alle Verwandten leben zu weit weg. Die Stadt Emden bietet jedoch Unterstützung im Rahmen der „Frühen Hilfe“ an, um der Familie und den Kindern einen guten Start zu ermöglichen. „Diese Angebote beruhen auf Freiwilligkeit und sind für die Eltern nicht verpflichtend anzunehmen“, erklärt Stadtsprecher Eduard Dinkela dazu.

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