Hamburg  Viel Geld und noch mehr Schlick: Meyer Werft fordert Millionenbetrag von Stadt Papenburg

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 15.02.2025 05:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Hafen in Papenburg ist Heimat der Meyer Werft – und birgt zugleich ein riesiges Problem. Foto: Lars Penning/dpa
Der Hafen in Papenburg ist Heimat der Meyer Werft – und birgt zugleich ein riesiges Problem. Foto: Lars Penning/dpa
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Die Meyer Werft hat ihren Heimathafen in Papenburg. Doch der muss stetig ausgebaggert werden, damit Kreuzfahrtschiffe nicht im Schlick stecken bleiben. Für entsprechende Arbeiten fordert das Unternehmen nach Informationen unserer Redaktion mehrere Millionen Euro von der Kommune.

Die Meyer Werft und die Stadt Papenburg – das gehört seit Jahrhunderten einfach zusammen. Das Unternehmen ist der größte Arbeitgeber in der Region und Anziehungspunkt für zig Tausende Touristen. Busweise kommen sie in die Stadt, um zu erleben, wie sie in den Werfthallen die modernsten Kreuzfahrtschiffe der Welt bauen und später über die eigentlich viel zu kleine Ems in Richtung Nordsee überführen.

Der Standort ist Faszinosum und gewaltiger Nachteil zugleich. Denn die Ems ist nicht nur recht schmal. Bei Flut wird auch stets mehr Schlick den Fluss hinauf getragen, als bei Ebbe wieder hinausgespült wird. Ohne Baggerarbeiten würden die Schiffe der Werft und andere im Schlick stecken bleiben. Etwa 750 Millionen Euro hat der Staat, dem die Werft mittlerweile mehrheitlich gehört, in den vergangenen 25 Jahren für entsprechende Baggerarbeiten im Fluss ausgegeben. Davon profitiert, wenn auch nicht ausschließlich, die Meyer Werft mit ihrem Sitz weit im Binnenland.

Das Schlickproblem betrifft nicht nur die Ems selbst, sondern auch die Häfen entlang des Flusses. Der in Papenburg ist der südlichste Seehafen Deutschlands, wie die Touristen bei ihren Werftbesuchen erfahren. Was hier in der Regel kein Thema ist: Der Hafen gehört zu weiten Teilen der Stadt Papenburg. Derzeit liegt die „Asuka III“ am Kai und wird für die Übergabe an eine japanische Reederei hergerichtet.

Würde nicht regelmäßig per Bagger der Schlick aus den Hafenbecken entfernt, käme die Asuka nicht bis Japan, vielleicht nicht einmal bis in die Ems. Der Hafen in Papenburg drohte zu versanden. Doch darüber, wer sich wie um die Baggerarbeiten im Becken kümmert beziehungsweise gekümmert hat und wer wie viel bezahlt, will in Papenburg niemand so gern reden.

Nach Informationen unserer Redaktion liegen der Stadt offene Forderungen der Meyer Werft in Millionenhöhe vor. Die Werft will demnach von der Kommune Geld dafür, dass sie auf Unternehmenskosten die Hafenbecken im städtischen Besitz freibaggern ließ, unter anderem wohl, damit ihre Schiffe überführt werden können. Die Summe soll sich im unteren zweistelligen Millionenbereich bewegen. Für eine klamme Kommune wie Papenburg wäre eine entsprechende Belastung erheblich.

Sowohl das Rathaus als auch das Unternehmen äußern sich auf Anfrage sehr zurückhaltend zu der Thematik. Ein Sprecher der Stadt teilt mit, „dass derzeit Gespräche und Beratungen darüber stattfinden, inwieweit Forderungen berechtigt sein könnten oder nicht“. Die Werft verweist auf die Vertraulichkeit der Gespräche, deren Inhalt man nicht öffentlich machen könne.

Offenbar herrschen unterschiedliche Auffassungen davon vor, welche Arbeiten die Stadt als Hafenbesitzerin leisten muss und welche nicht. Aus dem Rathaus heißt es: Die Arbeiten, die in der Verantwortung der Stadt lägen, habe die Stadt beauftragt und gezahlt. Es könne aber sein, dass einzelne Hafenanrainer „spezifische Anforderungen“ hätten. „Die dazu erforderlichen Arbeiten sind dann jedoch von diesem Unternehmen zu tragen“, so der Rathaus-Sprecher, der die Meyer Werft allerdings nicht explizit als Forderungssteller nennt.

Aus informierten Kreisen heißt es, dass die Baggerkosten in der Vergangenheit zwischen Stadt und Werft kein großes Thema gewesen sein sollen. Gebaggert wurde trotzdem, schließlich mussten die Schiffe ja raus aus dem Hafenbecken. Daran hatten sowohl die Werft als auch die Stadt ein Interesse. Was wurde aus den Kosten? Es ist von Absprachen zwischen der alten Werft-Leitung und früheren Rathaus-Spitzen die Rede. Wie genau die ausgesehen haben, bleibt unklar.

Auf der Werft sind mittlerweile andere in Verantwortung. Die namensgebende Familie Meyer hat im Zuge der existenziellen Krise 2024 das Sagen in Papenburg verloren. Denkbar ist, dass die neue Werftspitze die Sachlage anders bewertet als die alte und der Stadt die Arbeiten im städtischen Hafen in Rechnung stellt. Schließlich muss die Werft effizienter werden, um aus der Krise wieder herauszukommen: Unnötige oder vielleicht sogar unrechtmäßige Kosten gilt es zu vermeiden.

Nach Informationen unserer Redaktion hat es der Schlick im Hafenbecken gar ins Sanierungsgutachten für die Werft geschafft. Das war im vergangenen Jahr erstellt worden, um zu prüfen, ob das Unternehmen überhaupt sanierbar ist und, falls ja, wie das Unternehmen wieder auf Kurs gebracht werden kann. Die Baggerarbeiten im Hafen sollen dabei einer der Punkte sein, an dem die Sanierungsgutachter Regelungsbedarf durch die neue Geschäftsführung sehen.

Vorbei scheint jedenfalls die Zeit, in der die Schlickfrage stillschweigend geklärt werden konnte. Vorbei auch die Zeit der Corona-Hilfsprogramme. Das Land Niedersachsen hatte eine millionenschwere Maßnahme für die Häfen im Land aufgelegt. Besonders profitierte davon Papenburg. Dabei wurde in Pressemitteilungen auch auf die zig Tausenden Jobs, die Meyer Werft sowie die notwendigen Baggerarbeiten im Hafen verwiesen. Mit 9,2 Millionen Euro würden die 2021 gefördert, hieß es damals aus dem Wirtschaftsministerium in Hannover.

Die Stadt bestätigt auf Anfrage, dass zumindest Teile der Hilfsmillionen auch für solche Baggerarbeiten aufgewendet wurden, die das Überführen der Kreuzfahrtschiffe möglich machen.

Das Hilfsprogramm ist mittlerweile Geschichte, die Forderungen der Werft dem Vernehmen nach aber noch nicht. Genauso wenig wie die Frage, wie mit den künftigen Baggerkosten verfahren werden soll. Stadt und Werft befinden sich dazu im Austausch, heißt es aus Papenburg.

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