Teure Wartehäuschen  Vandalismus macht Landkreis Aurich zu schaffen

Heino Hermanns
|
Von Heino Hermanns
| 13.02.2025 15:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bislang gibt es 488 dieser gläsernen Wartehäuschen im Landkreis Aurich. Foto: Romuald Banik
Bislang gibt es 488 dieser gläsernen Wartehäuschen im Landkreis Aurich. Foto: Romuald Banik
Artikel teilen:

Gläserne Buswartehäuschen sollen der Standard im Landkreis werden. Leider werden sie oft zerstört – durch Vandalismus und Boßler.

Aurich - Transparent sollen die Buswartehäuschen im Landkreis Aurich sein. Denn nur mir einer durchsichtigen Verglasung gibt es mehr Sicherheit für die Wartenden. Und Busfahrer können so schnell erkennen, ob jemand an einer Haltestelle zusteigen möchte. Das Problem bei den verglasten Buswartehäuschen: Glas ist zerbrechlich. Sei es durch Vandalismus, Unfälle oder Boßelspiele: Jedes Jahr werden 3,7 Prozent der Scheiben in den Wartehäuschen zerstört. Das sagte Matthias Hayen, Leiter des Kreisstraßenamtes, am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Landkreises Aurich.

Anlass für seine Ausführungen war ein Antrag der SPD-Fraktion, die wissen wollte, wie hoch die Kosten für Ersatz-Scheiben sind und ob es sinnvoll sein könnte, an neuralgischen Punkten Videokameras zu installieren. Die Verwaltung wurde auch gebeten, Vorschläge zur Kostenreduzierung zu machen.

16 Haltestellen jährlich werden umgerüstet

Im Schnitt, so Hayen, müssten pro Jahr 100 Scheiben an den Wartehäuschen ersetzt werden. Schlimmer sei es nur, wenn es wie zuletzt 2023 Zerstörungsserien gebe. Damals seien in kürzester Zeit 35 Scheiben im nördlichen Kreisgebiet zerschlagen worden. Bis zu 60.000 Euro koste es jährlich, diese Scheiben zu ersetzen.

Insgesamt gibt es im Landkreis Aurich rund 1300 Haltestellenpunkte. Nicht alle sind ausgebaute Haltestellen. An vielen steht nur ein Mast mit einem Schild als Bedarfshaltestelle. Aber es gibt 800 qualifizierte Haltestellen, so Hayen. An diesen steht auch ein Wartehäuschen, sei es aus Glas, Beton oder Holz. Insgesamt 550 Haltestellen sind barrierefrei ausgebaut, und 488 sind transparente Haltestellen mit Glasscheiben. Bis zu 16 Haltestellen werden pro Jahr umgerüstet.

Boßel-Häuschen mit Plexiglas

Einen Landkreisstandard gibt es für diese gläsernen Buswartehäuschen. Die Scheiben sind genormt, sodass der Kreis immer Ersatz auf Lager hat, wenn irgendwo im Kreisgebiet wieder etwas zu Bruch geht. Und die Chance ist groß, denn derzeit gibt es rund 3000 Scheiben an Buswartehäuschen. Neben Vandalismus sind Autounfälle und Boßler die größten Gegner des Glases. „Die Boßler aber melden jeden Schaden sofort“, so Hayen. Die Regulierung der Schäden sei nie ein Problem gewesen.

Haltestelle mit Boßelschutz: Das untere Ende der Seitenscheiben besteht nicht aus Glas – zum Schutz vor Boßelkugeln. Foto: Romuald Banik
Haltestelle mit Boßelschutz: Das untere Ende der Seitenscheiben besteht nicht aus Glas – zum Schutz vor Boßelkugeln. Foto: Romuald Banik

Immer seltener komme es vor, dass Boßelkugeln die Scheiben, die aus Sicherheitsglas bestehen, in 1000 Stücke zerlegen. Denn an den Boßelstrecken sind die Seitenscheiben der Wartehäuschen laut Hayen im unteren Drittel mit Plexiglas ausgerüstet worden. Das halte auch Boßelkugeln stand, sei aber relativ teuer. Deswegen könne man auch nicht die kompletten Häuschen so ausrüsten.

Blechwände sind keine Lösung

Bei Vandalismus bleibt der Landkreis auf den Kosten sitzen, wenn die Täter nicht gefasst werden. Und das ist die Regel, wie Hayen sagt. Bei den Serien 2023 habe sogar die Staatsanwaltschaft die Funkzellen des Mobilfunknetzes ausgewertet. Dennoch habe man keinen Täter feststellen können. Eine Videoüberwachung habe man aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht einführen wollen. „Und es gibt auch keinen Schwerpunkt beim Vandalismus“, so Hayen. Betroffen sei das gesamte Kreisgebiet.

Der Landkreisstandard verhindert einen Vorschlag der SPD: Man könnte, so heißt es in dem Antrag, zerstörte Scheiben durch Blechwände ersetzen. Abgesehen davon, dass dann die gewünschte Transparenz fehle, so Hayen, müsste dafür das Design der Wartehäuschen geändert werden. Das beginne bei den Profilen, die für diese Bleche ausgelegt sein müssten.

Viel Geld wird in die Buswartehäuschen investiert. Die Obergrenze der förderfähigen Kosten ist seit 2005 von 50.000 Euro auf nun 100.000 Euro je Haltestelle gestiegen. Für den Unterhalt sind im Landkreis vier Mitarbeiter zuständig. Für Reinigung, Winterdienst und Grünpflege werden drei weitere Mitarbeiter beschäftigt. Das Austauschen der Scheiben sowie deren Reinigung viermal im Jahr übernimmt ein externer Dienstleister. Alleine für das Putzen der Scheiben werden jährlich 40.000 Euro fällig.

Ähnliche Artikel