Meppen  Warum die Vorstellungen einer Heimunterbringung nichts mehr mit der  Realität zu tun haben

Larissa Gorskowski
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Von Larissa Gorskowski
| 17.03.2025 10:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Foto: Backhaus Kinder- und Jugendhilfe
Foto: Backhaus Kinder- und Jugendhilfe
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Die Vorstellung von einem „Kinderheim“ ist für viele noch immer mit düsteren Bildern aus vergangenen Zeiten verbunden – strenge Regeln, lieblose Mehrbettzimmer und fehlende Bindungspersonen. Doch dieses Bild ist längst überholt. In der Backhaus Kinder- und Jugendhilfe erfahren Kinder und Jugendliche eine Heimat, die von Bindung, Förderung individueller Bedürfnisse und Beziehungen auf Augenhöhe geprägt ist. Hier haben junge Menschen die Möglichkeit, sich zu entfalten und ihre Zukunft selbst mitzugestalten – in einem modernen Zuhause, das ihren Bedürfnissen gerecht wird.

„Es ist ein ganz anderes Leben, als es sich viele vielleicht vorstellen“, meint Linda Suntrup, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei der Backhaus Kinder- und Jugendhilfe. „Unsere Wohngruppen befinden sich in normalen Wohnsiedlungen, eingebettet in freundliche Nachbarschaften und sind als solche nicht zu erkennen. Es sind keine riesigen Einrichtungen, sondern Häuser, die eine familiäre Atmosphäre schaffen. Hier wohnen die Kinder und Jugendlichen in einem familiären und geschützten Kontext, der den Unterschied ausmacht.“

In den Wohngruppen der Backhaus Kinder- und Jugendhilfe leben im Durchschnitt fünf bis zehn Kinder oder Jugendliche. Jedes Kind hat sein eigenes, modernes Zimmer und damit einen persönlichen Rückzugsort. Die Atmosphäre ist offen und familiär, statt strikt und institutionell. „Es gibt hier keine langen Flure und verschlossene Räume“, erklärt Suntrup. „Ein schönes Zuhause ist ein wichtiger Schritt, um ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu entwickeln. Deswegen legen wir darauf viel Wert.“

Auch der Alltag in einer Wohngruppe ist weit entfernt von der Strenge, die viele mit traditionellen Kinderheimen verbinden. Es gibt viel Raum für Austausch, gemeinsame Freizeit, aber auch individuelle Entfaltung und Gespräche. „Gemeinsam zu kochen, Ausflüge zu unternehmen oder abends zusammen Filme zu schauen – all das schafft eine Atmosphäre, in der sich die jungen Menschen geborgen fühlen und dadurch teilweise das erste Mal in ihrem Leben eine sichere Bindung erfahren“, so Suntrup weiter.„Für die individuellen Themen und Sorgen der jungen Menschen haben unsere Pädagogen immer ein offenes Ohr.“

Zusätzlich haben die jungen Menschen ein Budget für ihre Hobbys und Freizeitaktivitäten. Sei es für Musikunterricht, Sport oder kreative Projekte – jedes Kind hat die Möglichkeit, seinen Interessen nachzugehen und neue Fähigkeiten zu entdecken. „Diese Förderung von Hobbys und Talenten ist nicht nur eine Beschäftigung, sondern auch ein wichtiger Schritt in die Selbstbestimmung und das Selbstvertrauen“, betont Suntrup.

Die Backhaus Kinder- und Jugendhilfe verfügt zudem über mehrere Höfe, auf denen die Kinder und Jugendlichen mit Tieren aufwachsen. In diesen besonderen Wohngruppen leben Tiere wie Pferde, Schweine, Schafe, Katzen und Hühner. „Die pädagogische Arbeit mit Tieren hat eine unglaublich heilende Wirkung“, erklärt Suntrup. „Manche Kinder können sich Menschen gegenüber nur schwer öffnen oder Kontakt zulassen. Mit Tieren ist das häufig anders. Die Kinder lernen zudem, Verantwortung zu übernehmen, sich zu kümmern, und entwickeln dabei Empathie und Selbstvertrauen.“ Als besonderes Highlight kann die Backhaus Kinder- und Jugendhilfe auf einigen Höfen auch therapeutisches Reiten anbieten, geplant ist zudem die Anschaffung von Alpakas.

Auch in den Wohngruppen, die nicht tiergestützt arbeiten, zeigt sich die Backhaus Kinder- und Jugendhilfe offen für Haustiere oder Hunde von Mitarbeitern. „Es kann vorkommen, dass ein junger Mensch zum Beispiel mit seinen Meerschweinchen bei uns einziehen möchte. Wir versuchen dann natürlich alles, um diesen Wunsch zu erfüllen. Ähnlich verhält es sich, wenn ein Mitarbeiter den eigenen Hund mit in den Dienst bringen möchte. Sofern alle Rahmenbedingungen stimmen, stehen wir dem offen gegenüber“, erklärt die Referentin.

Natürlich ist der Weg nicht immer gerade. Für viele Kinder und Jugendliche, die mit belastenden Erfahrungen aus der Vergangenheit zu kämpfen haben, ist die Anpassung an das Leben in einer Wohngruppe eine Herausforderung. Konflikte in der Gruppe oder die Auseinandersetzung mit persönlichen Themen gehören zu ihrem Alltag. Doch genau hier liegt die Stärke der Backhaus Kinder- und Jugendhilfe: Den Kindern wird nicht nur eine sichere Umgebung geboten, sondern auch eine intensive Begleitung. „Es gibt Tage, an denen es nicht leicht ist“, weiß Linda Suntrup von ihren Kollegen und Kolleginnen. „Alle jungen Menschen bei uns kommen mit einer Geschichte hierher, die nicht einfach zu verpacken ist. Aber unsere Betreuer und natürlich auch psychologisches Fachpersonal sind da, um zuzuhören, zu unterstützen und den Kindern zu helfen, ihren Weg zu finden. Es geht nicht nur darum, irgendwo zu leben, sondern darum, dass die jungen Menschen ihre Themen und Traumata verarbeiten können und Vertrauen in ihre Zukunft fassen.“

Die pädagogischen Fachkräfte in den Wohngruppen haben dabei eine Schlüsselrolle. Sie sind nicht nur Verantwortliche für den Alltag, sondern auch emotionale Stützen. Ihre Aufgabe ist es, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, die den Kindern hilft, sich zu öffnen und mit ihren Sorgen umzugehen. „Das ist eine große Verantwortung“, sagt Suntrup. „Es braucht Zeit und Geduld, bis das Vertrauen da ist. Aber wenn es einmal da ist, können die jungen Menschen unglaublich wachsen. Und dann sehen wir auch, wie die Kinder und Jugendlichen nicht nur als Individuen wachsen, sondern auch als Teil einer Gruppe.“

Neben den Wohngruppen gibt es in der Backhaus Kinder- und Jugendhilfe das Konzept der Profifamilien®, das auf eine enge Bindung und Beziehung im familiären Kontext setzt.

Wer mehr über die Arbeit der Backhaus Kinder- und Jugendhilfe erfahren möchte, dem sei der Podcast „Heim.Kind“ empfohlen. In der zweiten Folge, „Das düstere, grausige Kinderheim?“, spricht die ehemalige Bewohnerin Leila über ihre Erfahrungen in einer Wohngruppe. „Leila räumt mit vielen Vorurteilen auf“, erklärt Linda Suntrup, die den Podcast mit ihrer Kollegin Bettina Veldhoff hostet. „Es ist spannend, ihre Perspektive zu hören, da sie sie anfangs auch sehr verschlossen war und Ängste hatte.“

Die Backhaus Kinder- und Jugendhilfe ist heute weit entfernt von der Vorstellung eines düsteren Kinderheims. Hier finden Kinder und Jugendliche nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern ein echtes Zuhause. Es ist ein Ort, an dem sie sich entfalten können – unterstützt durch ein starkes Betreuungsnetzwerk, die Arbeit mit Tieren und die Möglichkeit, die eigenen Bedürfnisse zu entdecken. Die Backhaus Kinder- und Jugendhilfe bietet jungen Menschen ein sicheres Umfeld und die besten Voraussetzungen, um ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

„Es ist unser Ziel, den Kindern zu zeigen, dass sie wertvoll sind und dass sie alles erreichen können“, sagt Suntrup abschließend. „Und wir sind jeden Tag stolz darauf, Teil dieses Prozesses zu sein.“

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