Streit um Anrufbus  Ab Juni gibt es keinen Auricher ÖPNV mehr in diesem Jahr

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 10.02.2025 12:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Auricher Anrufbus ist ab dem 31. Mai Geschichte. Foto: Romuald Banik
Der Auricher Anrufbus ist ab dem 31. Mai Geschichte. Foto: Romuald Banik
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Seit Jahren wird um ein Nachfolgesystem für den Auricher Anrufbus gerungen. Nun läuft das Angebot aus – ein Nachfolgesystem lässt noch lange auf sich warten.

Aurich - Deutlich länger als bislang angenommen wird die Stadt Aurich ohne eigenen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sein. Das wurde am Rande der Sitzung des Umweltausschusses am Donnerstag von Aurichs Verkehrsplaner Volker Alberts gesagt. Deutlich mehr als sechs Monate werde es kein stadteigenes Angebot geben, wenn ab dem 31. Mai der jetzige Anrufbus eingestellt wird. Selbst bei einem sofortigen Beschluss des Stadtrates für ein neues System würde diese Lücke auftreten. Denn bei einem solchen Auftrag ist die Stadt an Vergabeverfahren gebunden – und diese kosten einfach Zeit.

Dabei ist überhaupt noch nicht absehbar, wie ein neues ÖPNV-Konzept für die Stadt aussehen könnte. Der bestehende Anrufbus wurde zum 31. Mai dieses Jahres gekündigt. Weil die Politik sich nicht auf ein Nachfolgemodell einigen konnte im Frühjahr vergangenen Jahres, wird es ab dem 1. Juni nur noch die Regionalbusse des Landkreises Aurich geben. Ein Anrufbus oder gar feste Stadtbuslinien sind dann in weiter Ferne.

Drittes Beratungsbüro in sechs Jahren

Mitte Dezember vorigen Jahres hat dazu ein Workshop mit Teilnehmern aller Fraktionen sowie dem Planungsbüro „Mobilitätswerk“ aus Dresden und der Verwaltung stattgefunden, wie Alberts sagte. Die Veranstaltung habe die Augen geöffnet und Verständnis für das bislang bestehende System des Anrufbusses geschaffen. Er erwarte nun von den Ratsfraktionen bis Ende Februar Informationen darüber, welche Erkenntnisse sie aus der Veranstaltung gewonnen hätten. Das Mobilitätswerk könne diese Gedanken dann in die Modelle einfließen lassen.

Mitte April soll dann ein weiterer Workshop stattfinden, danach sollen die Fraktionen über die Ergebnisse beraten. Das Ziel sei es, so Alberts, bis Juni dieses Jahres einen endgültigen Beschluss über den künftigen ÖPNV in der Stadt Aurich zu erhalten. So oder so wird es aber wegen der notwendigen Ausschreibungen in diesem Jahr keinen städtischen ÖPNV mehr geben.

CDU und FDP zufrieden mit Einstellung des Anrufbusses

Das „Mobilitätswerk“ Dresden ist bereits das dritte Beratungsbüro, das sich mit einem Nachfolgesystem für den Anrufbus befasst hat. Egal, wie die Empfehlungen am Ende aussahen: Der Hälfte des Rates waren die Lösungen am Ende zu teuer. Von Politikversagen sprach denn auch Reinhard Warmulla (Linkspartei) am Donnerstag. Er schlug vor, zur Überbrückung der Lücke Sammeltaxis zu beauftragen oder die Kreisbahn Aurich. Beides aber sei nicht möglich, so Alberts. Denn für jede Lösung ab dem 1. Juni müsse es eine Ausschreibung sowie eine Genehmigung von der Landesnahverkehrsgesellschaft geben.

Zufrieden mit dieser Entwicklung zeigten sich Artur Mannott (CDU) und Menko Bakker (FDP). CDU/FDP sowie die AWG sind seit Langem erklärte Gegner des bestehenden Anrufbusses und beklagen ein Missverhältnis zwischen der Fahrgastzahl und den Kosten für die Stadt. „Dann sehen wir ja, ob Aurich ohne den Anrufbus zusammenbricht“, sagte Mannott. Und Bakker hat den Anrufbus einmal ausprobiert und beurteilte das Angebot danach negativ. Der Anrufbus sei nicht serviceorientiert. „Aurich wird nicht zusammenbrechen.“

Volker Rudolph (GAP) erwiderte, dass sich der Anrufbus in den vergangenen 20 Jahren durchaus eine Fangemeinde erarbeitet habe. Aber, so Rudolph in Richtung Bakker, es sei für Außenstehende sicherlich schwer, dort reinzukommen.

Ob es wenigstens im kommenden Jahr wieder einen Auricher ÖPNV geben wird, bleibt weiter unklar. Die Verwaltung hat der Politik Hausaufgaben aufgegeben. Nun sind die Ratsmitglieder an der Reihe, diese zu erledigen.

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