Osnabrück Alles andere als genial: Darum taugen Trumps Gaza-Pläne nicht für Frieden in Nahost
Donald Trump spricht sich für die Vertreibung der Palästinenser aus Gaza in arabische Länder aus. Das mag israelischen Fanatikern gefallen – als ernsthafter Vorschlag für Frieden im Nahen Osten taugt die Idee nicht.
„Nun hat er endgültig den Verstand verloren“ – so unmissverständlich reagierte der demokratische Senator Chris Murphy auf die Ankündigung von Donald Trump, die Kontrolle über den Gazastreifen übernehmen zu wollen und das von Israels Armee im Kampf gegen die Hamas-Terroristen nahezu komplett in Schutt und Asche gelegte palästinensische Küstengebiet wirtschaftlich zu entwickeln.
Dass dies ohne die fast zwei Millionen dort lebenden Palästinenser geschehen soll, versteht sich für den US-Präsidenten von selbst. Sie würden nach Ägypten, Jordanien und in andere arabische Länder umgesiedelt, schlug er nun beim Besuch von Israels Premier Benjamin Netanjahu in Washington vor.
Tatsächlich wirkt der Vorschlag auf den ersten Blick total absurd. Und auf den zweiten Blick wird es nicht besser. Die Idee entspringt dem Geist eines skrupellosen Immobilienentwicklers, dem für Gaza eine Geschäftsidee vorschwebt, nämlich aus dem Küstengebiet eine „Riviera des Nahen Ostens“ zu machen – egal auf wessen Kosten.
Das eigentliche Problem, nämlich das Zusammenleben von Palästinensern und Israelis, wird kurzerhand ausgelagert und so für nicht länger existent erklärt.
Der Vorschlag des US-Präsidenten – Kritiker nennen es Hirngespinst – bedeutet nichts anderes als die Vertreibung eines Volkes, sprich: eine ethnische Säuberung.
Allein den religiös-nationalistischen, von einem Groß-Israel träumenden Hardlinern dürfte das Herz ob solcher Aussichten höher schlagen. Für sie steht schon lange fest, dass es westlich des Jordanflusses keinen palästinensischen Staat geben könne.
Will Trump eine solche Entwicklung tatsächlich vorantreiben? Es wäre eine Abkehr von der bisherigen US-Nahost-Politik, die sich allerdings während Trumps erster Amtszeit abgezeichnet hat. Schon damals hatte der US-Präsident einer Zwei-Staaten-Lösung den Rücken gekehrt.
Die arabische Welt wird diesen Weg ohnehin nicht mitgehen, daran lassen die Reaktionen auf Trumps jüngste Gaza-Äußerungen keinen Zweifel. Trumps unausgegorenen Gedankenspiele hinterlassen mehr Fragen, als dass sie Antworten geben. Für die Region ist das vor allem eins: gefährlich.