Osnabrück „Entschuldige dich“: Theaterprojekt in Osnabrück fördert Toleranz bei Kindern
„Fremd ist man nur, solange man sich nicht kennt“ ist die Botschaft vom Theaterstück „Wolle und Gack“. Jetzt startet das Osnabrücker Musiktheater Lupe mit dem GZ Ziegenbrink das gemeinsame Projekt „Mit Wolle durch das Jahr“ für Kinder.
Schaf Wolle ist entsetzt: Auf dem Nachbargrundstück zieht kein Schaf ein, sondern ein Huhn mit einem langen, fremd klingenden Namen. Viel zu lang und kompliziert, findet Herr Wolle, und nennt es schlicht Gack. Können die beiden Tiere aus unterschiedlichen Kulturen sich akzeptieren und friedlich zusammenleben?
Darum geht es im Stück „Wolle und Gack“ vom Osnabrücker Musiktheater Lupe. Es bildete am 31. Januar im Gemeinschaftszentrum am Ziegenbrink den Auftakt für das Theaterprojekt „Mit Wolle durch das Jahr“.
Am Projekt nehmen rund 35 Grundschulkinder des kooperativen Horts Rosenkinder teil. Sie schauten am Freitag das Theaterstück und lernten so zuerst die Hauptfiguren Wolle und Gack und ihre Eigenheiten kennen: Herr Wolle liest gerne Zeitung, pflegt gewissenhaft seinen Rasen, ernährt sich rein vegetarisch und ist stolz, langjähriger Mitarbeiter des Schafamts zu sein.
Seine neue Nachbarin, Frau Gack, ist zu seinem Entsetzen ganz anders: Sie scharrt im Sand, frisst Würmer, betet jeden Tag zu einer Eier-Statue und spricht mit Akzent. Für Wolle ist das zu viel des Anderssein und der Ärger ist vorprogrammiert.
Über den Zeitraum von einem Jahr machen die Kinder nun jeden Monat bei Theaterworkshops und Bastelaktionen rund um die Geschichte von Wolle und Gack mit. Dabei geht es um die Themen Vielfalt, Vorurteile und Toleranz. Projektleiterin Ronja Klauschke vom Musiktheater Lupe freut sich schon: „Es ist toll, so viel Zeit zu haben. Wir können mit den Kindern ins Gespräch kommen und dabei auch in die Tiefe gehen.“
Material und Ideen gibt es genug. Schließlich ist das Stück „Wolle und Gack“ ein Dauerbrenner des Musiktheaters Lupe. Seit 2014 spielt das Ensemble um Katrin Orth, Tine Schoch und Ralf Siebenand das Theaterstück in ganz Deutschland.
Das Stück bekam bereits Auszeichnungen wie den Kinderkulturkönig 2019. Über die Jahre entwickelten die Theaterpädagogen rund um die Figuren Schulworkshops, Unterrichtsmaterialien, Bücher und sogar einen Film. Aus diesem Fundus kann das Team vom Musiktheater Lupe nun für das Projektjahr schöpfen.
Das Stück kam auch am Freitag im Ziegenbrink wieder gut an. Schon zu Beginn wurde laut mit Schaf Wolle geblökt und gelacht und ein Junge aus dem Publikum bekam kurzerhand eine Rolle als Postbote. Wenig später waren die Kinder gefragt, als es zwischen Wolle und Gack zum Streit kommt. Wie können es die beiden Tiere schaffen, nett zueinander zu sein? Die Kinder halfen und riefen den Figuren Tipps zu wie: „Entschuldige dich!“
Mit dem Projekt „Mit Wolle durch das Jahr“ wolle das Musiktheater Lupe Begeisterung fürs Theater wecken und den Kindern die Möglichkeit geben, sich als Schauspieler auszuprobieren, so Ellen Gottschlich. Gleichzeitig wollen die Theaterpädagogen beim Spielen und Entwickeln der Stücke mit den Kindern über Fremdheit, Vorurteile und kulturelle Vielfalt ins Gespräch kommen.
Das Theaterspielen sei dafür eine tolle Möglichkeit, findet Ronja Klauschke und erklärt: „Wie drücke ich Gefühle aus? Wie fühlt es sich an, abgelehnt zu werden? Wie kann ich mitfühlend sein? Darum soll es gehen.“
Gefördert wird das Projekt von der Felicitas und Werner Egerland-Stiftung. Dorit Schleissing-Stengel von der Stiftung sieht die Langfristigkeit als großen Mehrwert des Projekts: „Durch die regelmäßigen Treffen und Workshops kann das Projekt nachhaltig wirken und bekommt dadurch eine Intensität.“ Katrin Orth vom Musiktheater Lupe wünscht sich von dem Projekt letztlich vor allem eins: „Dass die Kinder etwas Neues lernen und am Ende gestärkt und einen Kopf größer aus dem Projekt gehen.“