Hannover  Jugendarbeitsschutz für Influencer-Kinder: Niedersachsen sagt Familienbloggern den Kampf an

Stefan Idel
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Von Stefan Idel
| 31.01.2025 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
„Lächel doch mal“ – Familieninfluencer verdienen damit, die Privatsphäre ihrer Kinder zu verletzen. Foto: IMAGO/Depositphotos
„Lächel doch mal“ – Familieninfluencer verdienen damit, die Privatsphäre ihrer Kinder zu verletzen. Foto: IMAGO/Depositphotos
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Immer mehr Kinder verdienen als Social-Media-Stars Geld – angetrieben von ihren Eltern und Unternehmen. Doch wo endet das Spiel, und wo beginnt Kinderarbeit? SPD und Grüne fordern strengere Gesetze, um Minderjährige vor Ausbeutung zu schützen. Ist Influencing eine Grauzone im Jugendarbeitsschutz?

Nastya ist auf YouTube ein Star. Sie testet Spielzeug, Kleidung oder ein Müsli. Sie gewährt Einblicke in ihren Alltag und zeigt, was in ist. Sie generiert Millionen Klicks in den sozialen Netzwerken und verdient damit viel Geld. Doch Nastya ist erst sechs Jahre alt.

Immer mehr Kinder werben als junge Influencer in sozialen Medien für Produkte. Animiert dazu werden sie von ihren Eltern. Es existiert ein großer kommerzieller Markt für sogenannte Familien-Influencer. Ohne Kinder funktioniere das Geschäftsmodell nicht. „Samstag ist Drehtag, heißt es heute in vielen Kinderzimmern“, meint Jörn Domeier, Sprecher für Verbraucherschutz der niedersächsischen SPD-Landtagsfraktion. Aus seiner Sicht sind die Auswüchse der neuen Geschäftsfelder „oft gravierend“.

SPD und Grüne wollen den Schutz der Kinder in den sozialen Medien stärken und haben dazu am Freitag einen entsprechenden Antrag im Landtag eingebracht. Influencing sei für die Kinder Arbeit, so Swantje Schendel (Grüne) in der Debatte. In den sozialen Medien seien die Eltern auch Auftraggeber, Regie und Vermarktungsstelle in Personalunion. Wie oft müssten Kinder eine Treppe herablaufen oder sich über den neuen Schulranzen freuen, bis die Mimik passe, fragt Schendel. „Auch in den Sozialen Netzwerken haben Kinder das Recht auf Schutz vor Ausbeutung und auf Achtung ihrer Privatsphäre.“ Und Domeier weist auf diesen Aspekt hin: „Je privater die Aufnahmen, desto erfolgreicher. Je freizügiger, desto mehr Klicks.“

Das Internet sei „kein rechtsfreier Raum“, sagt Laura Hopmann (CDU). Schnappschüsse, die auf Instagram geteilt würden, könnten schnell in die falschen Hände geraten. Vanessa Behrendt (AfD) spricht von „digitalem Kidnapping“. Mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) könnte Pädophile diese Bilder zudem entsprechend bearbeiten. „Mehr Staat“ sei aber keine Lösung.

Die Regierungsparteien SPD und Grüne setzen sich für die Übertragung der Jugendarbeitsschutzregelungen für Influencer ein. Kinderarbeit sei in Deutschland zwar gesetzlich verboten, doch für Social-Media-Aktivitäten gäbe es bisher keine ausreichenden Regelungen, heißt es in dem Antrag. Daher soll Influencing ins Jugendarbeitsschutzgesetz aufgenommen werden. Unternehmen sollen verpflichtet werden, Ausnahmegenehmigungen einzuholen, wenn Kinder an Werbeinhalten beteiligt sind – analog der Regelungen für Kinder und Jugendliche beim Fernsehen oder im Musikgeschäft.

Zudem streben SPD und Grüne eine behördliche Erlaubnis für Familieninfluencer sowie eine Einkommenssicherung an. Frankreich gilt hierbei als Vorbild: Dort müssen Eltern Genehmigungen einholen und ein Teil der Einnahmen muss auf ein Sperrkonto eingezahlt werden. Auch Schutzmaßnahmen gegen die Verletzung der Privatsphäre von Kindern seien erforderlich. In Zusammenarbeit mit Jugendämtern sollen dazu Strategien entwickelt werden.

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