Hamburg  Eigenmarke-Lebensmittel bald kein Schnäppchen mehr? Warum die Preise 2025 weiter steigen

Sophie Wehmeyer
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Von Sophie Wehmeyer
| 30.01.2025 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eigenmarken im Supermarkt: Warum No-Name-Produkte immer teurer werden. Foto: dpa/Bernd Weißbrod
Eigenmarken im Supermarkt: Warum No-Name-Produkte immer teurer werden. Foto: dpa/Bernd Weißbrod
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Jahrelang galt: No-Name ist immer günstiger. Doch jetzt schmilzt der Preisvorteil der Eigenmarke-Produkte dahin – und das ist kein Zufall, wie eine neue Studie zeigt. Warum die Discounter die Preise angezogen haben und ob das Einkaufen weiterhin teuer bleibt.

Wer bisher im Supermarktregal zu den günstigen No-Name-Produkten gegriffen hat, um beim Einkauf zu sparen, könnte 2025 eine böse Überraschung erleben. Discounter-Eigenmarken sind lange Zeit der Favorit preisbewusster Käufer gewesen. Nun sollen sie keine Schnäppchen mehr sein – und das hat gleich mehrere Gründe.

In den vergangenen vier Jahren sind die Preise für Eigenmarke-Produkte fast doppelt so stark gestiegen wie die der Markenartikel. Das zeigt eine amerikanische Studie, die über einen Zeitraum von sechs Jahren in zehn Ländern Preisunterschiede zwischen ähnlichen Produkten analysiert hat.

Während Verbraucher früher mit No-Name-Produkten sparen konnten, nähern sich die Preise mittlerweile denen der bekannten Markenprodukte an. Laut der Studie sind Preiserhöhungen bei günstigen Lebensmitteln keine vorübergehende Erscheinung, sondern Teil eines strukturellen Trends.

Von Januar 2020 bis Mai 2024 seien alle Produkte durchschnittlich um 22 Prozent teurer geworden. Im Vergleich von No-Name- und Markenprodukten sei jedoch aufgefallen, dass sich die Eigenmarke-Artikel in diesem Zeitraum um 29 Prozent verteuert hätten und die Markenartikel lediglich um 15 Prozent. Womit hängt das zusammen?

Besonders während der Inflation hätten Discounter und Supermärkte Preise der Eigenmarken erhöht. Markenprodukte, die über höhere Gewinnmargen verfügen, hätten es den Herstellern hingegen ermöglicht, die gestiegene Produktionskosten nicht sofort an die Verbraucher weiterzugeben.

Die Markenhersteller würden einen größeren Anteil ihrer Ausgaben für Werbung einsetzen, weshalb ihre Preise weniger anfällig für Schwankungen bei Energie- und Rohstoffkosten sind. Premium-Produkte seien daher vergleichsweise moderat teurer geworden, wohingegen die Preise günstiger Eigenmarken laut Studienergebnissen um bis zu 1,9-mal stärker angestiegen sind.

Steigende Lebenshaltungskosten in Krisenzeiten hätten Konsumenten zum Sparen gezwungen – dadurch sei die Nachfrage nach Eigenmarken gewachsen, was paradoxerweise deren Preise weiter steigen ließ.

Diesen Effekt, dass Haushalte, die sparen wollen, zu billigeren Produkten greifen, doch genau diese überproportional teurer werden, bezeichnen die Wissenschaftler als sogenannte „Cheapflation“ (Billig-Inflation). Die vermeintliche Sparstrategie verliert so ihre Wirkung.

Daraus ergibt sich, dass Haushalte zwar durch den Wechsel zu günstigeren Produkten kurzfristige Einsparungen erzielten, diese jedoch durch das höhere relative Preiswachstum günstiger Produkte wieder ausgeglichen wurden.

Die Entwicklung der vergangenen sechs Jahre ist laut den Wissenschaftlern kein vorübergehendes Phänomen. Bis Mai 2024 hatten sich Inflation und Inflationsungleichheit nahezu auf das Vorkrisenniveau zurückgebildet, dennoch seien die Preise günstiger Produkte weiter gestiegen. Die Analyse würde zeigen, dass die „Cheapflation“ erst mit der Inflation aufgekommen ist – sich jedoch mit dem Abflauen der Krise nicht zurückgebildet hat. Wer also bisher vor allem durch den Kauf günstiger Produkte gespart hat, steht 2025 vor einer neuen Herausforderung.

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