Weniger Verstöße denn je Was ist nur los mit dem Auricher Ampelblitzer?
Wer am Pferdemarkt in Aurich bei Rot fährt, wird es schnell bereuen: Dort steht seit 2018 ein Ampelblitzer. Die Zahl der Verstöße ist drastisch zurückgegangen. Das hat mehrere Gründe.
Aurich - Seit knapp sieben Jahren steht an der Pferdemarktkreuzung in Aurich Ostfrieslands erster und einziger Ampelblitzer. Offensichtlich hat sich das mittlerweile bis in den letzten Winkel Ostfrieslands und auch unter Urlaubern herumgesprochen. Denn: Im vergangenen Jahr sind dort so wenige Autofahrer in die Falle getappt wie noch nie.
Die beiden Messsäulen am Knotenpunkt der Bundesstraßen 72 und 210 sind seit Februar 2018 in Betrieb. Wer in Richtung Emden oder Leer bei Rot oder zu schnell fährt, wird geblitzt. Ein einfacher Rotlichtverstoß bedeutet für Autofahrer ein Bußgeld in Höhe von mindestens 90 Euro und einen Punkt in Flensburg. Wenn die Ampel länger als eine Sekunde rot war, spricht man im Verkehrsrecht von einem qualifizierten Rotlichtverstoß. Dann sind mindestens 200 Euro, zwei Punkte und ein einmonatiges Fahrverbot fällig.
Ampelblitzer löste nicht mal halb so oft aus
Rechnerisch fuhr 2024 am Pferdemarkt nur noch alle 18,5 Stunden jemand bei Rot über die Ampel, etwas mehr als einmal täglich. Die Zahl der gemessenen Rotlichtverstöße betrug nach Angaben der Kreisverwaltung 474 – das ist nicht mal halb so viel wie im Vorjahr. 2023 hatte es im Schnitt dreimal täglich geblitzt, im Rekordjahr 2021 sogar sechsmal. Die Anlage misst zwar auch Geschwindigkeitsverstöße, doch deren Zahl war schon immer deutlich niedriger als die Zahl der Rotlichtverstöße. Zum Schnellfahren ist der Verkehr am Pferdemarkt meist zu dicht.
Doch wie ist der Rückgang der Rotlichtverstöße zu erklären? Zum Teil sind es technische Gründe. Im September und Oktober 2024 gab es nach Angaben von Landkreis-Pressesprecher Rainer Müller-Gummels eine Fehlfunktion der Anlage. Im Dezember konnten krankheitsbedingt keine Auswertungen vorgenommen werden, wie Müller-Gummels weiter mitteilt. Das allein erklärt aber nicht den Rückgang. In den anderen neun Monaten des Jahres waren die Zahlen ebenfalls auffallend niedrig.
Ampelblitzer kontrollierte nur in eine Richtung
Die Kollegen der Straßenverkehrsabteilung hätten sich die Zahlen noch mal genau angeschaut, teilt Müller-Gummels auf Nachfrage der Redaktion mit. Sie hätten aber keinen speziellen Grund für den deutlichen Rückgang ausmachen können. Tendenziell seien die Zahlen bereits seit 2022 rückläufig. „Es ist davon auszugehen, dass gerade vor dem Hintergrund, dass die Anlage nicht nur die Geschwindigkeitsüberschreitung misst, sondern auch Rotlichtverstöße erfasst, die Fahrer hier besonders vorsichtig sind beziehungsweise mit der Zeit werden.“
Bemerkenswert: Bis September 2019 war nur jeweils eine der beiden Blitzersäulen mit einer Messeinheit bestückt. Im wöchentlichen Wechsel kontrollierten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes entweder in Richtung Emden oder in Richtung Leer. Mit der beidseitigen Kontrolle stieg die Zahl der gemessenen Verstöße. Mittlerweile sind die Zahlen aber wieder auf das Niveau der nur einseitigen Kontrolle im Jahr 2018 gesunken.
An der Leerer Landstraße blitzt es viel öfter
Naturgemäß gehen mit der Zahl der Verstöße auch die Einnahmen zurück. Der Landkreis Aurich hat 2024 an dieser Stelle Verwarn- und Bußgelder in einer Gesamthöhe von knapp 69.000 Euro kassiert (Vorjahr: 158.000 Euro).
Beeindruckend ist ein Vergleich der Messanlage am Pferdemarkt mit derjenigen an der Leerer Landstraße. Kurz vor dem südlichen Auricher Ortsausgang wird die Geschwindigkeit kontrolliert, seit März 2022 in beide Richtungen. Erlaubt ist an dieser Stelle Tempo 50. Dort blitzte es im vergangenen Jahr 20.394 Mal. Anders ausgedrückt: Pro Tag wurden im Schnitt 56 zu schnelle Fahrer erwischt. Im Vergleich dazu nehmen sich die Zahlen am Pferdemarkt verschwindend gering aus.
Ampelblitzer war eine Idee der Polizei
Aus Sicht der Polizei ist damit das Ziel erreicht worden: mehr Disziplin bei Rotlicht. In dieser Position wird die Polizei von Verkehrspsychologen unterstützt. So sagte die Diplom-Psychologin Julia Grote (Aurich) 2022 in Bezug auf die Blitzer am Pferdemarkt: „Wenn die Leute vorsichtig fahren, weil sie wissen, dass geblitzt wird, dann hat es ja schon einen Effekt.“
Der Landkreis Aurich hatte die Ampelblitzer am Pferdemarkt 2018 auf Anregung des damaligen Auricher Polizeichefs Hans-Jürgen Bremer aufgestellt. Dieser hatte eine zunehmende Missachtung roter Ampeln beklagt. Häufig werde noch Gas gegeben, wenn die Ampel auf Gelb springt. An der viel befahrenen Pferdemarktkreuzung ist das besonders gefährlich, zumal dort viele Radfahrer und Fußgänger unterwegs sind. Die Realschule und das Gymnasium sind nicht weit. Auch Schüler der Finkenburgschule (Grundschule) müssen dort entlang.