Berlin  Besser als ein Finanzberater? „ChatGPT kann präzise Anlagestrategien vorschlagen“

Hannah Petersohn
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Von Hannah Petersohn
| 30.01.2025 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
ChatGPT als potenter Finanzberater? Woran die KI noch krankt und was angehende Anleger wissen sollten. Foto: IMAGO / Westend61
ChatGPT als potenter Finanzberater? Woran die KI noch krankt und was angehende Anleger wissen sollten. Foto: IMAGO / Westend61
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Wer reich werden will, kann doch ChatGPT fragen, oder? Experte Philipp Vorndran sagt, bei welchen Themen der menschliche Faktor unersetzlich bleibt, welche Grundsätze für eine erfolgreiche Vermögensplanung entscheidend sind und er verrät seinen wichtigsten Ratschlag für angehende Anleger.

Es klingt so einfach: „Wie werde ich reich, ChatGPT?“ Aber die Antworten des Chatbots sind mit Vorsicht zu genießen. Warum das so ist, in welcher Hinsicht ChatGPT besser berät als viele Finanzexperten – die künstliche Intelligenz aber trotzdem nicht genug für eine erfolgreiche Finanzplanung ist – weiß Kapitalmarktstratege Philipp Vorndran.

Frage: Wie stehen Sie zur Nutzung einer künstlichen Intelligenz wie ChatGPT für die Finanzberatung?

Antwort: Grundsätzlich sehe ich großes Potenzial in Künstlicher Intelligenz, gerade in der strukturierten Informationsaufbereitung. ChatGPT kann auf Basis historischer Daten und statistischer Modelle sehr präzise Anlagestrategien vorschlagen, die oft besser sind als das, was ein durchschnittlicher Berater leisten kann. Allerdings fehlt einer KI der menschliche Faktor – insbesondere die Fähigkeit, Lebenssituationen und emotionale Bindungen zu berücksichtigen.

Frage: Welche Aspekte sind problematisch bei einer rein KI-basierten Finanzberatung?

Antwort: Es gibt mehrere Herausforderungen. Erstens neigen KI-Systeme dazu, „Halluzinationen“ zu generieren, wie etwa falsche ISINs oder WKNs (Wertpapierkennnummer). Zweitens fehlt oft eine tiefgehende Risikoabwägung, bezogen auf die persönlichen Lebensumstände etwa. KI fragt nicht nach der familiären Situation oder möglichen Plänen für einen Immobilienerwerb. Diese Fragen sind jedoch essenziell, um eine nachhaltige Finanzstrategie zu entwickeln.

Frage: Wenn Sie über nachhaltige Finanzstrategien sprechen, welche Grundsätze sind wichtig?

Antwort: Ich bin der festen Überzeugung, dass eine erfolgreiche Vermögensplanung auf einer langfristigen Strategie basieren muss. Das bedeutet, man sollte sein Portfolio aufsetzen und es dann möglichst wenig anpassen. Volatilität ist völlig normal! Heißt im Umkehrschluss: Auf jede Kurswendung reagieren zu wollen, schadet auf lange Sicht mehr als es hilft. Generell sollte ein signifikanter Teil des Vermögens in globale Aktien investiert werden – idealerweise über ETFs oder aktiv gemanagte Fonds – und das Portfolio bei Bedarf durch risikoarme Anlagen wie Festgeld zu ergänzen.

Frage: ChatGPT gibt konkrete Produktempfehlungen. Wie bewerten Sie das?

Antwort: Das ist eine spannende Entwicklung, aber auch problematisch. Eine KI kann zwar Vorschläge zu ETFs oder Fonds machen, doch rechtlich gesehen handelt es sich dabei um Beratung. Ob das in dieser Form zulässig ist, wäre zu klären. Zudem sollte man kritisch hinterfragen, warum bestimmte Produkte bevorzugt werden. Ist es eine objektive Analyse oder gibt es versteckte Interessen?

Frage: Was wäre Ihr wichtigster Ratschlag für Menschen, die mit der Geldanlage beginnen?

Antwort: Setzen Sie sich einmal intensiv mit Ihren finanziellen Zielen auseinander. Legen Sie eine klare Strategie fest und bleiben Sie diszipliniert. Hören Sie auf, ständig auf Ihr Depot zu schauen, und vermeiden Sie überflüssige Transaktionen. Die größte Herausforderung liegt darin, die Geduld und Gelassenheit zu bewahren.

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