Den Haag Niederlande machen Syrern die Ausreise „schmackhaft“: So hoch ist die Prämie für Rückkehrer
Im Laufe des Syrien-Krieges stieg die Zahl der in den Niederlanden lebenden Syrer kräftig an. Nach dem Sturz von Assad versucht die niederländische Regierung asylsuchende Syrer zur Rückkehr ins Heimatland zu bewegen und zahlt dafür höhere Prämien als üblich.
Syrer, die in den Niederlanden sind und dort einen Asylantrag stellen, erhalten 900 Euro in bar, wenn sie freiwillig in ihr Heimatland zurückkehren. Das ist deutlich mehr als die üblichen maximal 500 Euro Bargeld, die normalerweise Asylsuchenden bei einer freiwilligen Rückkehr ausgehändigt werden. Syrer können ihre Rückreise sogar von niederländischen Beamten buchen lassen. Sie helfen ihnen bei der Planung ihrer Rückkehr in die Heimat. Dafür wurde eigens der „Dienst für Rückkehr und Abreise (DTenV)“ eingerichtet
Die Zahl der in den Niederlanden lebenden Syrer stieg in den zurückliegenden zwölf Jahren kräftig an. Waren es in 2013 nur 11.665 Syrer, die in den Niederlanden lebten und Asyl angefragt hatten, so ist die Zahl der asylsuchenden Syrer in 2024 auf 165.557 Personen gestiegen.
Die rückkehrwilligen Syrer müssen vor ihrer Ausreise aus den Niederlanden jedoch eine Erklärung unterschreiben, mit der sie ihren Asylantrag zurückziehen. Sie müssen auch ihre befristete Aufenthaltserlaubnis zurückgeben.
Haben sie das getan, ist eine Rückkehr in die Niederlande danach nicht mehr möglich. Bei einem Erstgespräch mit dem DTenV werden syrische Asylsuchende auf die Risiken hingewiesen, da unklar ist, ob Syrien nach dem Sturz von Diktator Assad unter der neuen islamistischen Regierung für alle sicher ist.
Der „Dienst für Rückkehr und Abreise (DTenV)“ gab bekannt, dass seit dem Sturz des syrischen Assad-Regimes „viele Anfragen und Anrufe“ von Syrern eingehen, die nach Syrien zurückkehren möchten. Der Rückkehr-Dienst DTenV unterstützt allerdings keine „Familienbesuche“ im Heimatland. Nur wer definitiv und für immer nach Syrien zurückkehren will, kann die Unterstützung und Hilfe des DTenV in Anspruch nehmen.
Der DTenV garantiert, dass seine Beamten innerhalb von fünf Werktagen Kontakt mit allen aufnehmen, die einen entsprechenden Antrag auf Rückkehr nach Syrien stellen. Die DTenV-Beamten können beispielsweise die Reise für in den Niederlanden lebende Syrer organisieren. Auf der DTenV-Website wird jedoch offen gelassen, ob der DTenV auch die Reisekosten nach Syrien übernimmt oder nicht. Es werden auf der Webseite aber mögliche Reiserouten in die Hauptstadt Damaskus genannt. Sie führen über Jordanien oder über Katar.
Der DTenV hilft allerdings nur Syrern, die noch auf die Entscheidung ihres Asylantrags warten, eine befristete Aufenthaltserlaubnis haben oder die illegal im Land sind. Um die Rückreise in ihr Heimatland antreten zu können, müssen Syrer in den Niederlanden über einen gültigen (oder abgelaufenen) Reisepass verfügen.
Wer keinen hat, kann bei der syrischen Botschaft in Brüssel ein Reisedokument beantragen. Der DTenV kann – falls erforderlich – regeln und sicherstellen, dass jemand „die Erlaubnis erhält, belgisches Hoheitsgebiet zu durchqueren,“ heißt es auf der DTenV-Webseite.
Bemerkenswert: Die Informationen zur Rückkehr nach Syrien sind nur auf Niederländisch verfügbar. Das Video, in dem die Ministerin für Asyl und Migration Marjolein Faber (Freiheitspartei, PVV) in den sozialen Medien ankündigte, dass die rechts-konservative Haager Regierung Syrern bei der Rückkehr helfen wolle, wurde jedoch mit arabischen Untertiteln versehen.
Generell gilt in den Niederlanden: Ausländer, die freiwillig in ihr Heimatland zurückkehren, können immer finanzielle Unterstützung für die ersten Wochen nach ihrer Rückkehr in ihr Heimatland erhalten. Sie beträgt maximal 200 Euro für Erwachsene und 40 Euro pro Kind.
In einigen Fällen ist es jedoch möglich, eine sogenannte „Reintegrationsbeihilfe“ von maximal 1800 Euro pro Erwachsenem zu beantragen. Diese Finanzhilfe kann etwa für den Aufbau eines kleinen Unternehmens oder eine Ausbildung verwendet werden. Von diesem Betrag zum Neustart in der Heimat dürfen jedoch nur maximal 300 Euro in bar ausgezahlt werden. Die rückkehrwilligen Syrer werden nun bevorzugt, weil die Haager Regierung ihnen die Rückkehr in ihr Heimatland „schmackhaft“ machen will. Denn ein Syrer, der zurückkehrt, erhält nun fast das Doppelte in bar im Vergleich zu einem Asylsucher aus einem anderen Land, der die Niederlande verlassen will.