Osnabrück Elite unter sich: Davos-Treffen verstärkt Gefühl von Ohnmacht und Entsolidarisierung
Die Vermögenszuwächse der Superreichen gehen Hand in Hand mit ihrer politischen Einflussnahme. Das ist so alarmierend wie undemokratisch. Darüber sollten sie beim Weltwirtschaftsforum in Davos endlich mal reden.
Das Vermögen der Superreichen wächst immer schneller. Das geht aus einem Bericht der Entwicklungsorganisation Oxfam zum Weltwirtschaftsforum in Davos hervor. Und mit der Wirtschaftskraft der Milliardäre wächst deren politischer Einfluss.
Dass extrem reiche – wohlgemerkt: nicht gewählte – Oligarchen die Geschicke der Gesellschaft über Gebühr mitbestimmen, hat man in der Vergangenheit gern mit Russland in Verbindung gebracht. Das ist überholt. Das Phänomen ist international und wird infolge digitaler Einflussmöglichkeiten und globaler Verflechtungen immer virulenter.
Besonders augenfällig ist es derzeit in den USA, wo der Immobilien-Tycoon Donald Trump als neuer US-Präsident den reichsten Mann der Welt, Elon Musk, auserkoren hat, Land und Verwaltung auf Effizienz zu trimmen. Weltweit mischt der Tech-Milliardär über sein soziales Netzwerk X mit; auch in den Bundestagswahlkampf hat er sich bereits eingeschaltet.
Ein Ort, wo sich politisch und ökonomisch Mächtige die Hand reichen, ist das Weltwirtschaftsforum in Davos. Alljährlich beklagt hier eine den Niederungen des kleinen Mannes entrückte Oberschicht das weltweite Elend – freilich nicht, ohne einander zu versichern, die Erde endlich zu einem besseren Ort machen zu wollen.
Das ist aller Ehren wert. Doch zwischen großen Ankündigungen und messbaren Ergebnissen liegen Welten. Das wird von Jahr zu Jahr offensichtlicher. Faktisch wachsen soziale Verwerfungen inzwischen auch in vermeintlich hoch entwickelten Staaten. Weltoffenheit weicht einer zunehmenden Entsolidarisierung. Und Protektionismus ersetzt den freien Handel. Von der Rückkehr des Krieges als politisches Mittel ganz zu schweigen.
Öffentlich feiern sich in Davos alle jene für ihre Menschenliebe, denen es abseits der Kameras und der angesetzten Talkrunden vor allem ums Netzwerken geht, ums Geschäft also, und darum, ökonomische Potenz in Macht umzuwandeln. Im Gegenzug wächst bei vielen Bürgern das Gefühl politischer Ohnmacht – keine gute Entwicklung.