Eiskalter Badespaß  Mit Gejohle ins eisige Nass

| | 18.01.2025 17:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Rund 75 Hartgesottene wagten sich am Sonnabend in den vier Grad kalten Badesee in Tannenhausen. Foto: Stephan Friedrichs
Rund 75 Hartgesottene wagten sich am Sonnabend in den vier Grad kalten Badesee in Tannenhausen. Foto: Stephan Friedrichs
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Etwa 75 Hartgesottene stürmten am Sonnabend beim Anbaden der DLRG Aurich in den vier Grad kalten Badesee in Tannenhausen. Was sie daran so toll finden.

Aurich - Nebeliger Januarhimmel, Lufttemperatur um den Gefrierpunkt – alles andere als Badewetter. Nicht so für etwa 75 Hartgesottene. Sie stürzten sich am Sonnabendnachmittag in den Badesee in Tannenhausen. Dessen Wasser war da gerade einmal vier Grad warm. Doch das konnte die Teilnehmer des 15. Anschwimmens der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ortsgruppe Aurich, nicht abschrecken.

Einige drehten sogar Extrarunden im dampfenden Seewasser, andere waren in Windeseile wieder an Land und wieder andere blieben gleich dort. Keine zehn Pferde hätten sie ins kühle Nass gezogen. „Nicht für 100 Euro würde ich da reingehen“, rief Heinz-Hermann Hinrichs. Während der Südbrookmerlander es vorzog, am Strand mit Handtuch und Jacke auf seine Frau Birgit zu warten, stürzte die sich wagemutig in die Fluten – und das nicht nur einmal. Für die 60-jährige Süd-Victorburerin war es eine Premiere. Zum ersten Mal nahm sie gemeinsam mit weiteren Mitgliedern ihrer Laufgruppe „Kanalloopers“ am Anschwimmen in Tannenhausen teil und zeigte sich begeistert. „Ein Super-Erlebnis. Man muss es mal mitgemacht haben“, sagte sie unserer Redaktion.

Kollektives Bad: Birgit Hinrichs (links) aus Südbrookmerland nahm gemeinsam mit ihren Lauffreunden erstmals am Anschwimmern teil. Foto: Thomas Dirks
Kollektives Bad: Birgit Hinrichs (links) aus Südbrookmerland nahm gemeinsam mit ihren Lauffreunden erstmals am Anschwimmern teil. Foto: Thomas Dirks

Begeistert zeigte sich auch Karina Westendorf, die eigens aus Ostrhauderfehn angereist war. Auch sie war erstmalig beim Auricher Anschwimmen dabei. Bevor sie nach Ostfriesland kam, habe sie am Anbaden in der Ostsee teilgenommen. Für sie war das Open-air-Bad in Aurich nicht das einzige an diesem Wochenende. Am Sonntag reiste sie zu einer ähnlichen Veranstaltung im Beachclub Nethen im Ammerland. „Erfrischend“ findet die 37-Jährige die Bäder im kalten Nass. Sich zu überwinden, sei jedes Mal eine neue Herausforderung und das Glücksgefühl danach einmalig. Gemeinsam mit ihrer Mutter Margret, die das Wasser scheute, ließ sich die Ostrhauderfehntjerin im Anschluss Waffeln, die DLRG-Mitglieder für Teilnehmer und Zuschauer backten. Dazu gab es zum Aufwärmen Glühwein und alkoholfreien Punsch.

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Anschwimmen im Badesee
20.01.2025

Viertelstunde im Seewasser

Nicht genug vom kalten Wasser bekommen konnte auch Rainer Bergmann aus Südbrookmerland. Eine geschlagene Viertelstunde hielt er es im Badesee aus. Was für Ungeübte längst zur Lebensgefahr geworden wäre, schien Bergmann nichts auszumachen. Der Mann ist trainiert, zieht nach eigenen Angaben in der kalten Jahreszeit zweimal wöchentlich seine Bahnen im See und ist entsprechend gestählt. „Das härtet ab, ist gut für die Gesundheit“, erklärte er.

Auch anderen Badenden verlieh das winterliche Bad einen regelrechten Kick. „Das ist vergleichbar mit einer eiskalten Dusche“, beschrieb ein Teilnehmer. Wichtig sei, nicht zu lange im Wasser zu bleiben. Sonst kühle der Körper zu stark aus und das könne gefährlich werden. Ansonsten rege die Abkühlung den Kreislauf an.

Rettungsassistenten und Taucher der DLRG-Aurich sorgten während der Gaudi für Sicherheit. Ihre Hilfe aber wurde nicht benötigt.

DLRG-Mitglieder backten Waffeln für die Schwimmer und versorgten sie mit alkoholfreiem Punsch und Glühwein. Foto: Thomas Dirks
DLRG-Mitglieder backten Waffeln für die Schwimmer und versorgten sie mit alkoholfreiem Punsch und Glühwein. Foto: Thomas Dirks

Zufrieden mit der 15. Ausgabe des Anschwimmens zeigte sich Tammo Detmers von der DLRG-Ortsgruppe Aurich. Er hatte die Teilnehmer zu Beginn begrüßt und sich dann – auch wenn es ihm nach eigenen Angaben eigentlich zu kalt war – gemeinsam mit ihnen ins kalte Seewasser gestürzt. Erheblich mehr Teilnehmer und Zuschauer als in den Vorjahren hätten er und seine Mitstreiter registriert, was ihn erfreue, sagte Detmers.

Schnee am Seeufer

Vielen sei es nicht kalt genug gewesen, berichtet der Rettungsschwimmer. „Es ist fast schon zu warm“, sagte er und rief damit bei vielen ungläubiges Staunen hervor. Das Anschwimmen sei eigentlich eine Frostveranstaltung, erklärte Detmers. So gesehen war es tatsächlich zu warm.

Erinnerungen wurden wach an jene Jahre, in denen das anders war. Da lag manchmal etwas Schnee am Seeufer. Im Schneetreiben habe man auch schon gebadet, berichteten erfahrene Anschwimmer, die seit Jahren dabei sind. Manchmal sei der See sogar zugefroren gewesen. Da hackten die Schwimmer Löcher in die Eisschicht. Einmal war nicht einmal das möglich.

Janek Detmers gab die Temperaturen der Luft und des Seewasser bekannt. Foto: Thomas Dirks
Janek Detmers gab die Temperaturen der Luft und des Seewasser bekannt. Foto: Thomas Dirks

Von Eis auf Aurichs beliebtem Badesee war man diesmal weit entfernt. Das Wasser des Sees spritzte in hohem Bogen, als sich die wagemutigen Wasserratten im Pulk und mit ordentlich Karacho und Gejohle in die Fluten stürzten. Die vielen dick vermummten Zuschauer am Ufer klatschten ihnen Beifall und jubelten ihnen zu. Nach knapp einer Dreiviertelstunde war das eisige Badespektakel vorbei.

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